Neumark   —  Sagen & Märchen – Teil 1 khd
Stand:  5.8.2011   (16. Ed.)  –  File: WBG/Ex/Neumark_Sagen_01.html


Neumark Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  D i e   N e u m a r k
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Zur Kulturgeschichte einer Region gehören immer auch die Sagen und Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten. Im Rahmen der Woldenberg/Neumark- Präsentation sollen hier einige der überlieferten Erzählungen aus der Neumark ausgewählt zusammengestellt werden.

Im 2. Teil ist nun auch eine erste Begebenheit direkt aus Woldenberg dokumentiert. Vielleicht erinnert sich aber noch der eine oder die andere an Woldenberger Märchen-Geschichten und teilt sie uns im Forum mit. [Translation-Service]

I n d e x :


Neumark — Geschichten aus der Neumark


Wie Küstrin seinen Namen erhielt

      Als die Stadt Küstrin an Warthe und Oder gebaut war, wußten die Ratsherrn nicht, wie man die Stadt nennen sollte. Sie rieten lange hin und her. Da machte endlich einer den Vorschlag, es sollte sich der gesamte Rat vor das Haupttor der Stadt setzen, und nach dem die Stadt benennen, welcher zuerst in dies Tor hereinkommen würde.

      So geschah es denn auch, und der weise Rat setzte sich ans Tor und harrte. Da kam auch bald eine Bauerndirne des Weges, und als man sie fragte, wer sie sei, antwortete sie, sie sei „Küsters Trin’“. Das hat man denn zusammengezogen und der Stadt den Namen Küstrin gegeben.


Das schwarze Feuer-Pferd

      Es war im Jahre 1590, als sich in einer Nacht in der Stunde zwischen 11 und 12 Uhr zu Königsberg in der Neumark ein schwarzes feuriges Pferd mit brennenden Augen zeigte. Das lief in allen Gassen mit erschrecklichem Geräusche auf und nieder, und sprang dergestalt, daß die Häuser gebebt haben und Feuer aus den Steinen sprangen.

      Anderen Morgens fand man das Bernekowsche innere Tor offen und das Pferd in dem Raume zwischen diesem und dem äußeren Tor liegen. Sobald aber der Torwärter dazu kam, sprang es in die Höhe und verschwand.

      Dieses Pferd ist vielleicht der Satan selber gewesen, denn an demselben Tage Abends gegen 10 Uhr brach in einem Hause der Stadt Feuer aus, welches er vielleicht angeblasen, um in der Stadt eine große Feuersbrunst anzurichten.


Neumark — Geschichten aus dem Friedeberger Land


Das Gespenst von Lichtenow

      Der Weg von Mansfeld bis zum Dorf Dolgen am Liebsee führt durch den Lichtenower Wald. An einer Wegkreuzung befindet sich eine Stelle, wo es manchmal spukt. Besonders gefährlich ist es dort zwischen 12 und 1 Uhr in der Nacht.

      Einmal waren spät am Abend zwei Jungen aus Mansfelde in den Lichtenower Wald gefahren, um etwas Holz zu stehlen. Genau um die Geisterstunde befanden sie sich an der Wegkreuzung. Na und dann geschah es! Die Pferde blieben plötzlich stehen, und es halfen keine Zurufe. Der Wagen stand wie angewurzelt da.

      Die erschrockenen Jungen sahen sich in der Dunkelheit um. Einer von ihnen rief voll Entsetzen: „Der Kanoniker sitzt auf dem Wagen!“ In der Gegend wurde einer der früher verstorbenen Eigentümer von Lichtenow „Kanoniker“ genannt. Dessen Gespenst war den Jungen an dieser Wegkreuzung erschienen.

      Die Jungen sprangen augenblicklich vom Wagen hinunter und nahmen das Pferdegeschirr ab. Sie wollten auch Sägen, Äste und Ketten vom Wagen nehmen, aber in der Dunkelheit konnten sie nichts finden. Sie ließen also alles liegen und liefen ganz schnell aus dem Walde.

      Als sie am nächsten Morgen wieder an die Kreuzung kamen, sahen sie, daß ihr Wagen nicht anfahren konnte, weil sich eine Kette in den Rädern verwickelt hatte. Zufrieden, daß sie den Wagen wieder hatten, sprachen sie ein Gebet und kehrten ungestraft nach Hause zurück.


Von Neumärker Wassernixen

      In vielen Seen des Landes Friedeberg, so im Hermsdorfer See, im Woldenberger See und im Friedeberger Obersee sowie im Zanzsee lebten einst Sirenen. Gewöhnlich versteckten sie sich in der Tiefe des Wassers. Aber manchmal, meistens an Johanni (24. Juni), konnte man sie mit Tagesanbruch an der Oberfläche des Sees plätschern sehen.

      Frauen, die die Wassernixen gesehen hatten, erzählten, daß sie halb wie ein Fisch und halb wie eine junge Frau aussahen, und daß in ihren langen schwarzen Haaren kleine Fische zappelten.

      Einmal im Jahr konnte auch ein Mann eine Sirene sehen. Die Wassernixe klatschte dann mit den Händen und rief: „Komm! Komm! Die Zeit ist gekommen.“ Als ein auf dem Zanzsee Kahn fahrender Mann plötzlich vor sich eine Sirene sah, fiel er vor Angst ins Wasser und ertrank.

      Ein anderes Mal bemerkte eine Frau, die im Winter Leinenwäsche im Eisloch des 0bersees spülte, den hellen Körper der Sirene in der dunklen Tiefe. In der Nähe liefen zwei Jungen Schlittschuh. Die Frau verstand also, daß einer von ihnen bald würde verschwinden müssen.

      Ihre Warnungen nützten aber nicht, und die Jungen eilten fröhlich weiter auf der dunklen Eisfläche des Sees hin und her. Plötzlich brach das Eis unter einem von ihnen ein, und der Junge verschwand in der Tiefe. Als sein Leib herausgezogen wurde, war der Knabe schon tot.


Wie ein Bürgermeister den Teufel überlistete

      Vor langer Zeit wohnte in Friedeberg ein tatkräftiger und schlauer Bürgermeister. Er regierte die Stadt klug und gerecht. Unter seiner Regierung wurde die Stadt reicher und schöner.

      Das einzige Problem, das ihm den Schlaf raubte, war der Bau eines soliden Wegs an der Stelle einer tückischen Furt am Mühlentor. Mehrmals verschwanden die bis unter das Dach gefüllten Kaufmannswagen auf dem Wege nach Woldenberg zusammen mit den Leuten in der dunklen Tiefe des Sees.

      Es passierte aber einmal, daß mitten in der Nacht der Teufel an die Tür des Bürgermeisters klopfte. Er verbeugte sich, wie es sich für den Vertreter der Hölle geziemt, und bot seine Dienste an, wenn der Bürgermeister sich ihm verschriebe.

      Der schlaue Bürgermeister überlegte den Vorschlag und sagte: „Ich gebe dir meine Seele nur unter einer Bedingung. Du trägst einen riesigen Sandsack durch die Furt.“ Der Teufel rieb sich die Hände vor Freude und rannte spornstreichs zur Arbeit.

      Als der erste Hahn krähte war er mit dem Laden des Sandes fertig. Und als der zweite Hahn krähte, machte er sich auf den Weg durch die Furt im See. Da begann der Sand aus dem zerrissenen Sack in die durch die Sterne beleuchtete Tiefe zu rieseln. Als der Teufel endlich das andere Ufer erreicht hatte, begann es schon zu dämmern, und der Sack war fast leer.

      In diesem Augenblick krähte der Hahn zum dritten Male. Der bis zum äußersten erschöpfte Teufel blitzte vor Ärger mit den Augen und lief davon — dahin, wo die Teufel überwintern. Morgens bewunderte die ganze Stadt einen aufgeworfenen Erdwall, und noch an demselben Tag fuhren die ersten Händler mit ihren Wagen über den Wall. Der Bürgermeister regierte noch lange Jahre klug und gerecht die Stadt. Und so geschieht es auch noch heute.


Neumark — Geschichten aus der Woldenberger Gegend


Aberglaube und Bräuche in Woldenberg


  • Wer in den Zwölften [vom 25. Dezember bis zum 6. Januar] spinnt, wird unrein, oder die Frösche fressen im neuen Jahr dem Flachs die Knoten ab.

  • Wer in der Sylvesternacht während der Predigt vom Nachbarhofe Holz stiehlt, kann das ganze Jahr hindurch aus dem Walde Holz holen, ohne dabei vom Förster getroffen zu werden.

  • Wer am Neujahrstag als der letzte in die Kirche kommt, stirbt als erster im neuen Jahr.

  • Wer am Neujahrstag große Fische ißt, bekommt großes Geld.

  • Wenn man am Karfreitag Ruß fegt, brennt der Schornstein nicht aus.

  • Am zweiten Ostertage schlägt man in der Neumark einander mit Osterruten aus dem Bett. Die Geschlagenen werden oder bleiben gesund. Als Lohn für das Schlagen gibt man ein Ei. *

  • Abgewiesene Freier verbergen während der Trauung vor der Haustürschwelle einen Totenknochen. Berührt ihn die junge Frau mit dem Fuß, so wird sie vom Unglück verfolgt.

  • Buttert es schlecht, so stellt man das Fass auf zwei Stricknadeln, die kreuzweise über einander liegen.

  • Manche Gartengewächse müssen am Gründonnerstage gesät oder gepflanzt werden, Lein an einem Freitage.

  • Begegnet man auf dem Wege zum Zwiebelsäen einem bärtigen Mann, so werden es lauter „Männer“ (lange Zwiebeln).

  • Erbsen muß man am hundertsten Tage des Jahres säen, dann bringen sie hundertfältige Frucht.

  • Ist es Lichtmess dunkel, so gibt es viele Gänse.

  • Wenn Kinder mit Steinen spielen, so gibt es bald Krieg.

  • Am Dienstag, Donnerstag oder Sonnabend wird in der Neumark keine grössere Arbeit begonnen.

  • In ein Haus, auf dem ein Storch oder an dem eine Schwalbe brütet, schlägt der Blitz nicht ein.

  • Auf Hühneraugen drückt man eine Erbse und wirft diese über den Kopf weg in einen Brunnen. Jedoch soll man sich eiligst entfernen, damit man nicht das Aufschlagen der Erbse auf das Wasser vernehme.




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