Woldenberg (Neumark)   —  Das abgrundtief Böse khd
Stand:  28.9.2012   (22. Ed.)  –  File: WBG/Ex/Wbg_Das_Boese.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  W o l d e n b e r g
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Angeregt durch die Themenwoche „Das abgrundtief Böse“ beim Deutschland-Radio Kultur (Berlin) vor Ostern 2012 sowie die intensive Editier-Arbeit bei den Zeitzeugen- Berichten soll auf dieser Webseite versucht werden, etwas über das ganz besonders Böse, wie es sich in der Nazi-Zeit (1933–1945) auch im beschaulichen Woldenberg und dessen Umgebung ereignete, zu dokumentieren. Bislang wurde über diese unmenschlichen Exzesse der Nazis meist geschwiegen.

Es sollen auch einige andere Greueltaten anderer, die einen gewissen Woldenberg/Dobiegniew-Bezug haben, nicht unerwähnt bleiben. Diese Seite erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, kann aber beim Vorliegen von Fakten jederzeit ergänzt werden. Der Dank für Übersetzungen aus dem Polnischen geht an G. Stach, Berlin.

I n d e x :


Vorbemerkung zu den Beispielen des abgrundtief Bösen


(das folgt).











Woldenberg — Beipiele für das abgrundtief Böse


  Nazis erschossen 1933 Kommunisten DB 01

Schon sehr bald nach der „Machtergreifung“ von Hitler am 30. Januar 1933 begannen die Nazis die Hetzjagd auf Oppositionelle, so auch in Woldenberg. In der Rau-Sammlung findet sich auf Seite 95/96 der folgende Text:
30. März 1933. Gestern abend wurden hier [in Woldenberg] 2 Kommunisten bei einem Fluchtversuch erschossen. In der Mordsache Speik wurden gestern bei 4 Kommunisten in Woldenberg-Abbau Haussuchungen durch die Hilfspolizei in Verbindung mit der SS vorgenommen.

Die Kommunisten Toepper und Gehrmann nahm man in Schutzhaft, und sollten sie dem Amtsgericht in Woldenberg zugeführt werden. Trotzdem sie vorher verwarnt worden waren, liefen beide auf der Rohrsdorfer Chaussee in verschiedenen Richtungen davon. Von der Hilfspolizei wurden Schreckschüsse abgegeben. Auch Anrufe waren erfolglos, weshalb die Hilfsbeamten auf die Fliehenden schossen. Beide wurden tödlich getroffen.
Quelle(n):  Leider sind keine präzisen Angaben gemacht worden. Aber es wird wohl eine Meldung aus der „Woldenberger Zeitung“ sein.





  Öffentliche Hinrichtung zweier Polen 1941 DB 02

Dobiegniew -- Obelisk-Denkmal 1946    
^   Dobiegniew – Das Denkmal (Obelisk) an der Gabelung der Straßen nach Hochzeit und Mehrenthin erinnert heute an diese Nazi- Greueltat von 1941. Es wurde hier bereits 1946 aufgestellt.   (Foto: 3.3.2012 – g.stach-158)
Der Obelisksockel mit dem Kreuz steht an der Gabelung der Straßen nach Deutsch Krone und nach Mehrenthin. Das ist der Ort der Hinrichtung der zwei polnischen Zwangsarbeiter Adam Cudak (geb. 19.10.1917) und Wladyslaw Urbanski (geb. 16.5.1917) am 10. April 1941.

Es war eine öffentliche Hinrichtung, zu der etwa 400 polnische Zwangsarbeiter bestellt wurden. Beaufsichtigt wurden diese Menschen durch den Gendarmen Bernsee aus Woldenberg. Die Hinrichtung erfolgte unter der Leitung des Gestapo-Vertreters aus Schneidemühl, unter Beteiligung vom älteren Assistenten der Kripo, Friedrich Lempik und unter Beteiligung des Gestapo-Chefs aus Woldenberg, Fritz Bartz.

Die Opfer, die man 1939 über das Arbeitsamt in Woldenberg einem nahe liegenden Landgut [Ed: vermutlich das Gut Johanneswunsch östlich von Woldenberg] als Zwangsarbeiter zuwies, ließen sich zuschulde kommen, daß sie während der Arbeit mit französischen Zwangsarbeitern, die nach der Niederlage Frankreichs, in großer Anzahl demselben Landgut bei Woldenberg zugewiesen wurden, geredet haben und dann den deutschen Aufseher „überfallen“ haben. Nach Aussagen von Zeugen wurden sie wegen der Gespräche während der Arbeit von ihm brutal zusammengeknüppelt und dann angezeigt.

Die Opfer bekamen die Schlingen, die an Pappelbäumen befestigt waren, um den Hals gehängt und dann setzte sich das Fahrzeug auf dem sie standen in Bewegung. In gebrochenem Polnisch hielt Lempik eine warnende Rede an die polnischen Zwangsarbeiter.

Die planmäßige Einschüchterung der Zwangsarbeiter mit solcher „Sonderbehandlung“ gehörte zu den gängigen Methoden der sklavenähnlichen NS-Menschenführung.

Quelle(n):  Przemyslaw Mnichowskis: „Das Lebuser Land klagt an“. Warschau: Ksiazka i wiedza (dt.: Buch & Wissen), 1978.




Neumark — Beipiele für das abgrundtief Böse


  Hinrichtung in Neu-Mecklenburg DB 04

Am 19. Mai 1941 wurde in Neu-Mecklenburg im Kreis Friedeberg [liegt südlich von Woldenberg] der polnischer Zwangsarbeiter Jan Marcinkowski (geb. 22.12.1915) hingerichtet. Verhaftet wurde er bereits im Oktober 1940, nachdem er zusammen mit einer Gruppe seiner jungen Landsleute polnische Lieder nach Feierabend in der Ziegelei gesungen hatte und von einem deutschen Zivilisten deshalb geschlagen worden war.

Ihm wurde zum Verhängnis, daß er den Mann zurückgeschlagen hatte. Der Deutsche überprüfte zuvor deren Ausweise, wozu in dieser Zeit jeder Deutsche berechtigt war. Die gesamte Gruppe wurde nach Woldenberg zur Gestapo verbracht und nach einigen Wochen entlassen.

Lediglich gegen Marcinkowki wurde beim Referat IV D 2 RSHA [in Berlin] ein Antrag auf Sonderbehandlung gestellt. Marcinkowski wurde ohne eine Verhandlung und Urteil einfach in Anwesenheit von anderen Zwangsarbeitern der Ziegelei sowie aus nahe liegenden Dörfern öffentlich hingerichtet.

Quelle(n):  Przemyslaw Mnichowskis: „Das Lebuser Land klagt an“. Warschau: Ksiazka i wiedza (dt.: Buch & Wissen), 1978.





  Hinrichtung in Mehrenthin DB 05

Die mörderischen Aktivitäten der zuständigen Gestapo-Stellen in Schneidemühl, Frankfurt und Liegnitz mit dem SS-Hauptsturmführers Krauss aus Schneidemühl nahmen 1942 an Intensität zu.

Am 1. April 1942 wurde in Mehrenthin Leon Kaczmarek (geb. 23.6.1907) ohne Verhandlung und Urteil öffentlich hingerichtet. Die Begleitumstände sind nicht bekannt.

Quelle(n):  Przemyslaw Mnichowskis: „Das Lebuser Land klagt an“. Warschau: Ksiazka i wiedza (dt.: Buch & Wissen), 1978.





  In Lichtenow 1942 gehenkt DB 06

Lichtenow -- Hinrichtungsort    
^   Lichtenow/Lichen bei Friedeberg – Das ist der Baum, an dem im April 1942 Marcel und Konrad Kutzner gehenkt wurden. Eine Tafel erinnert heute an diese Greueltat der Nazis.   (Foto: 5.4.2012 – g.stach-186)
Nur drei Wochen später, am 22. April 1942 in Lichtenow (heute: Lichen) werden die Gebrüder Marcel und Konrad Kutzner im nahe gelegenen Wald gehenkt. Und in Friedebergsbruch (heute: Zolwin) wird Telesfor Kosicki hingerichtet.

Die Familie Kutzner, bestehend aus 10 Erwachsenen Personen, von denen fast alle deutsch sprachen, wurde auf dem Landgut der Familie von Rietz in Lichtenow zwangsbeschäftigt. Der Familienvater Jan Kutzner, der im I. Weltkrieg in der deutschen Armee diente, wurde öfters dazu angehalten, die Deutsche „Volksliste“ zu unterzeichnen. Nicht zuletzt deshalb, weil vier der Söhne im wehrpflichtigen Alter waren.

Das deutsche Standesamt vermerkt den Tod von Marceli Kutzner am 22.4.1942 und den von seinem Bruder Konrad Kutzner am 23.4.1942, obwohl sie zur gleichen Zeit am 22.4.1942 hingerichtet wurden. Die Hinrichtung geht auf die Ereignisse vom Herbst 1941 zurück, als Marceli während der Kartoffelernte die Kartoffelaushubmaschine in die Schmiede, wo sein Bruder Konrad arbeitete, zur Reparatur brachte.

In diesem Augenblick erschien dort auch der Vorarbeiter Müller, ein ehemaliger Wehrmachtsoldat im Ruhestand, in den er gekommen war, weil er während des Septemberfeldzugs in Polen verletzt worden war. Ohne nach dem Grund für den Maschinenstillstand zu fragen, schlug er Marceli mehrfach mit seinem Holzknüppel, den er ständig bei sich trug.

Da Konrad sich mit einem Schraubenschlüssel zwischen die beiden stellte und „genug“ sagte, gab er erst mal Ruhe. Er ließ aber die beiden unmittelbar danach einsperren. Auch nach diesem Vorfall wurde der Familienvater Jan Kutzner zur Unterzeichnung der „Volksliste“ gedrängt. Da er dies ablehnte, wurde er mit der öffentlichen Hinrichtung seiner Söhne bestraft.

Quelle(n):  Przemyslaw Mnichowskis: „Das Lebuser Land klagt an“. Warschau: Ksiazka i wiedza (dt.: Buch & Wissen), 1978.




Anderswo — Beipiele für das abgrundtief Böse


  Tieffliegerangriffe in der Gadebuscher Todeszone DB 03

In einem profunder Tatsachenbericht bechreibt der 81-jährige Gert Brauer aus Wiesbaden seine Erlebnisse bei der Flucht mit Pferd und Wagen vor der Roten Armee. Bei Gadebusch im West-Mecklenburgischen kam ihr Fluchttreck noch kurz vor Kriegsende (Ende April 1945) unter massiven Beschuß von immer wieder angreifenden Tieffliegern der US Air Force (UAF) und/oder der britischen Royal Air Force (RAF), obwohl weit und breit kein militärisches Objekt vorhanden war — ganz offensichtlich eine typische „Strafing“-Operation. Viele Zivilisten und Treck-Pferde wurden getötet. Nur mit sehr viel Glück und Umsicht sind sie damals dieser baumlosen Todeszone entronnen.

Quelle(n)Erlebnisbericht von Dr. Gert Brauer, Wiesbaden.







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