Woldenberg (Neumark)  —  Stadt-Beschreibung khd
Stand:  11.11.2011   (68. Ed.)  –  File: WBG/Ex/Stadt_Woldenberg.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  W o l d e n b e r g
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Auf dieser Seite wird vor allem eine Abschrift des Eintrags aus dem Lexikon „Deutsches Städtebuch – Band I: Nordostdeutschland“ von 1939 (W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart/Berlin, *) wiedergegeben, der von einem Rachel bearbeitet wurde. Die dort reichlich verwendeten Abkürzungen wurden hier wegen der besseren Lesbarkeit aufgelöst, unklare Abkürzungen wurden mit einem [?] versehen. Manches ist auch mit [Ed: ...] ergänzt bzw. kommentiert sowie mit Fußnoten versehen worden. Auch wurden hier einige Abbildungen hinzugefügt, die in dem Buch nicht enthalten sind. Mit den * zum Anklicken sind weiterführende Links angegeben. [Translation-Service]

I n d e x :


Woldenberg — Stadt-Beschreibung von 1939


1. Name:
Dubiegniewo, polnisch [Ed: bedeutet „Neu-Eiche“] (1290 Dubgenew, 1303 Dubbegnek, 1305 Dubegnev, 1364 Stobegnewa, 1460 Dobyegnyeg). Deutscher Name zuerst 1333: Waldinborg, 1336 schon Woldenberg, dann auch Waldinberg und Woldinburg, im 16. Jahrhundert meist Woldenberghe. Wahrscheinlich von der von Ostenschen Stammburg Woldenborch bei Plathe hergeleitet.


2. Lage:
      Woldenberg-Stadtplan von 1721
^   Plan von Woldenberg aus dem Jahr 1721. Die kleine Stadt ist Anfang des 18. Jahrhunderts noch von einer Stadtmauer mit Wallanlagen umgeben. 1752 wurden die Wallanlagen eingeebnet und in Gärten umgewandelt. Danach verschwand nach und nach die alte Stadtmauer.
[Reste der Woldenberger Stadtmauer]   (Repro: 2005 – khd)
Lage an der Abdachung zum Großen See im Norden und zu dem aus ihm nach Süden ziehenden Mehrenthiner Fließ im Osten. Höhe 54 – 71 m. Alte Paßstelle, auch im Nordwesten ein Fließ.


3. Ursprung:
Slawischer Herrensitz und Siedlung, 1250 dem Nonnenkloster Ovinek bei Posen geschenkt. Deutsche Stadt aus wilder Wurzel entstanden.


4. Stadtgründer:
Gründung durch Askanier, wahrscheinlich 1298. Als civitas zuerst 1313 genannt. Recht von Brandenburg.


5. Siedlungsform:
Grundriß ein Fünfeck. Länge westöstlich von Tor zu Tor 500 m, Breite im Osten 480 m, im Westen 300 m. Straßen in Gitterform, viereckiger Markt an der gerade durchgehenden Richtstraße, nach Osten zu, ursprünglich wahrscheinlich in der Mitte der anfangs kleineren Stadt angelegt.

Palisaden 1313, Mauer 1336 erwähnt, der erkennbare Mauergürtel spätestens im 15. Jahrhundert entstanden, nachdem die Stadt ihren endgültigen Umfang, namentlich nach Westen erreicht. 1417 als landesherrliches „Schloß“ bezeichnet. 37 Weichhäuser, hauptsächlich an den Landseiten, Turm an Südwest-Ecke, Wälle und Gräben, an Landseiten doppelt, 1752 eingeebnet, meist zu Gärten.

Hohes Tor (Obertor) im Westen, mit vermauerter Durchfahrt (14. Jahrhundert bis 1710) und Außentor (1705). Niederes Tor (Untertor) im Osten. Mühlpforte im Südosten wurde im 18. Jahrhundert Tor.
Wasserpforte im Norden.

Brände 1417 (?), 1433 durch Hussiten, 1486, 1507, 1586, 1618 fast ganz, 1641, 1710 fast ganz. Aufbau nach neuem Plan: Straßen begradigt, Markt etwas nach Westen gerückt und vergrößert. Danach die ersten Wohnhäuser außerhalb, vor dem Obertor. Anbau längs der früheren Stadtmauer. Erweiterung südwestlich nach Bahnhof zu.

Rathaus ursprünglich auf dem Markt, seit 1710 an dessen Ostseite, 1641 verbrannt. Anfang 18. Jahrhunderts neu gebaut, später durch Quergebäude erweitert.

Kirche südlich des Markts, ohne Namen [Ed: hm, im Volksmund wurde sie „Marienkirche“ genannt], gothisch, 3-schiffige Hallenkirche aus Backstein, in diesem Umfang aus 15. Jahrhundert, durch häufige Brände stark verändert. 1852 – 54 umgebaut und bis 1859 mit neuem Turm versehen, der wie der vorherige, 1838 abgetragen, ohne Spitze ist, an deren Stelle 4 gothische Eckfialen.

Hospitzal St. Georg vor Obertor, früher mit Kapelle, 1710 verbrannt. Neues Hospital dort 1731, für 8 Insassen gebaut. Anfang 16. Jahrhundert eine Heiliggeiststiftung in [?], eine St.-Barbara-Kapelle vor der Stadt.

St. Burglehen [Großes Burglehen], jetzt Rittergut, im Südwesten aus dem Schulzenlehn hervorgegangen. Im 16. – 18. Jahrhundert noch 3, Anfang 19. Jahrhundert 2 adlige, von städtischen Ger. [?] und Auflagen freie Güter in der Stadt.

1562: 257 Feuerstellen, 1660 nur 107 bewohnte Häuser, 1719: 188 Häuser und 42 wüste Stellen, 1750: 272, 1801: 291, 1840: 349, 1905: 458, 1925: 552 Wohnhäuser. Aus der Zeit vor 1710 nur wenige Giebelhäuser nahe Rathaus (1893).


6. Bevölkerung:
1562 gegen 1250 Einwohner, 1599 über 1300 Einwohner, nach 30jährigem Krieg [1648] unter 1000 Einwohner, 1700 gegen 1200 Einwohner,
1750: 1291 Einwohner, 1763: 1493 Einwohner, 1801: 1721 Einwohner,
1811: 1825 Einwohner, 1817: 1692 Einwohner, 1840: 2900 Einwohner,
1855: 3772 Einwohner, 1859: 3916 Einwohner, 1885: 4553 Einwohner,
1892: 4698 Einwohner, 1900: 4455 Einwohner, 1910: 4608 Einwohner,
1925: 4787 Einwohner, 1933: 5103 Einwohner.  [
Tabellarische Übersicht]

Herkunft aus der Kurmark, Odergebiet, Pommern, nach 30jährigem Krieg [1648] viele aus Polen. Nach Pest 1630: 700 Einwohner.


7. Bücher:
Stadtbuch seit 1503. Kirchenbücher seit 1686 [Ed: es wird gesagt, daß diese 1945 nicht überlebt haben sollen].


8. Wirtschaft:
Landwirtschaft auf leidlichem Boden und Gew. [?]. Früher besonders Tuchmacherei, mehrere Ziegeleien, jetzt keine mehr. Papiermühle bis 1847, sonst auch heute fast keine Fabrikation.

Einst Handel nach dem benachbarten Polen, Zollfreiheit bis 1660, Verleihung unbekannt.

4 Jahrmärkte, Viehmärkte unbedeutend, Wochenmarkt, 1573 bestätigt, kam nicht auf, doch um 1850: 2 Wochenmärkte.

Kreuzpunkt von 2 alten Handelsstraßen: Über Küstrin und den Dragepaß Hochzeit nach [Ost-]Preußen und Stettin—Stargard—Driesen—Posen, diese [lief] vor Obertor vorüber. Erst 1796 Poststation für diese Linie.

Chaussee Berlin—Königsberg 1829 über Woldenberg. 1847 Eisenbahn Stargard—Woldenberg, 1849 bis Kreuz weitergeführt.

Woldenberg war immer ein verhältnismäßig wohlhabender Ort.


9. Verwaltung:
a) Consules 1318, Schulze und Consuln 1336 genannt, letztere stets 7, offenbar zugleich Schöffen, Schöffensenatoren. Trennung von Schöffen und Rat wahrscheinlich Ende 14. Jahrhundert, damit Bürgermeister als Vorsteher, zuerst 1403 geannnt, 1385 noch nicht.

      Woldenberger Stadtsiegel von um 1300
^   Woldenberger Stadtsiegel von um 1300. Es ist das älteste Siegel der kleinen Stadt in der Neumark. Es wurde an einer Urkunde aus dem Jahre 1404 entdeckt.
[Wappen und Siegel von Woldenberg]   (Repro: 2007 – khd)
Es blieben 3 Ratsmitglieder, später durchweg 8, einschließlich des Stadtschreibers (seit 1542), der öfters dirigierenders Bürgermeister wurde und beide Ämter versah.

Selbstergänzung, daher immer diesselben Familien, im 15. und 16. Jahrhundert auch ritterbürtige. Nach Ratsordnung von 1540 nur der regierende Bürgermeister jährlich zu wählen und landesherrlich zu bestätigen.

2-jährlich wechselnde Räte. In jedem je 2, im 17. Jahrhundert je 3 Bürgermeister und Kämmerer. Seit 1720 beständiger Magistrat mit 1 Bürgermeister, 1 Kämmerer, 4 Senatoren, Richter, Schreiber. Um 1800 nur 1 Justiz-, 1 Polizei-Bürgermeister zugleich Kämmerer, 1 Sekretär (Syndikus), 1 Senator.

b) Befreiung vom Landgericht 1344, seitdem das städtische Niedergericht, Schulze und Schöppen [Schöffen], auch für schwere Strafsachen. Schulzengericht war landesherrliches Lehen, wohl Ende 14. Jahrhundert durch Stadt erworben, seitdem ein Ratsmann Richter.

Obergericht blieb landesherrlich, das heißt 2/3 der Gefälle und oberrichterlichen Befugnisse des Vogts bzw. Hauptmanns von Driesen, bis in 16. Jahrhundert Rat, dehnte seine Befugnisse (Markt-, Polizei-, teilweise auch freiwillige -Gerichtsbarkeit) seit Aufnahme des römischen Rechts, um 1540, aus und zog erheblichere Fälle an sich.

1580 peinliches [?] Gericht ohne gehegte Bank, holte aber die Urteile dann stets beim brandenburgischen Schöppenstuhl oder, seit 1548, auch bei der Küstriner Regierung.

Die Schöppen, im 17. Jahrhundert fast nur Tuchmacher, wurden bedeutungslos. 1736 wurden Rat und Gericht auch förmlich vereinigt und verschwanden die Schöppen ganz. 1810 Königliches Stadtgericht, auch über die
Burglehen [Güter], später Amtsgericht.

c) Alterleute der Vierwerke (Tuchmacher, Schlächter, Bäcker, Schuster) 1404 als Vertreter, besonders bei jährlicher Rechnungslegung, erkennbar, dann (1515) auch 2 Älteste der Gemeinde. Später traten die Viertelsmeister, ursprünglich Organe des Rats, als Bürgervertreter vor den Vierwerken hervor.

Ein Ausschuß der 24er für Steuersachen, um 1650 genannt, nur vorübergehend. Bürgersprachen noch im 18. Jahrhundert bezeugt, in der Regel nur bei der jährlichen Ratsversetzung. 1809 24 Stadtverordnete gewählt. Unruhen der Bürgerschaft gegen Rat 1570 und 1609, Entscheide durch Hauptmann von Driesen.


10. Landesherrschaft:
Polen, spätestens seit 1296 Brandenburg, 1402 – 1454 Deutscher Orden, Kurfürstlicher Hauptmann zu Woldenberg 1467 erwähnt. Immediatstadt [Ed: kreisfreie Stadt, die direkt der Provinzregierung unterstand]. Seit 1938 zur Provinz Pommern.


11. Kriegswesen:
Landesherrliche Musterungen 1599 und 1623. 286 bzw. 267 wehrpflichtige Bürger. Nach Bewaffnung unterschieden zwischen Ganz-, Halberben, Büdnern und Hausinnen. Schützengilde seit 1745.

Garnison: Reiterkommandos seit 1675 zeitweilig. 1 Schwadron Dragoner 1720 – 1806, 1809 – 1813 und seit 1820. Um 1800: 250, 1853: 181 Köpfe Militär.


12. Siegel, Wappen und Fahne:
Siegel (1404): Topfhelm mit Adlerflug in gegittertem Feld im Vierpaß, in dessen 4 Bögen je ein Adlerkopf [siehe Abbildung].

Siegel (um 1500): Stechhelm mit 3 Federn, statt der Adlerköpfe 4-blättrige Blumen. Siegelbild wandelte sich seit Ende 16. Jahrhunderts zu einer vierblättrigen Rose in stark profiliertem Schild. Im 18. Jahrhundert der preußische Königsadler zur Rose aufgenommen.

Wappen um 1800: Goldene Rose in rotem Feld. Jetzt: Rote Rose mit goldenen Butzen und 6 grünen Kelchblättern auf silbernem, umrankten Schild.


13. Finanzwesen:
a) —[kein Eintrag]—.

b) Steuer: 1375 Urbede [landesherrliche Steuer] und Landbede, später Landschoß, Türkenhilfe. Bierziese. Im 17. Jahrhundert Kontribution u. a., dann
Akzise [städtische Steuer].

Die alten Schösse gingen weiter an die Stadt- oder Bürgerschaftskasse, dazu ein Zuschlag zur Akzise, die Pfennigsteuer, seit 1732. Daraus wurde die Urbede, ständische und städtische Erfordernisse bestritten. Die nicht steuerlichen Stadteinnahmen flossen in die Kämmereikasse.

Einführung der Klassensteuer um 1820. Die Schulden infolge der Franzosenzeit, fast 100.000 Taler bis Ende 40er-Jahre getilgt. Kommunalabgaben seitdem nicht erhoben, so noch 1891.


14. Gebiet der Stadt:
Feldmark 166 Hufen, ursprünglich noch mehr, davon 4 Pfarr-, 8 Schulzen-, dann Burglehn-Hufen. Ohne Wasser [Ed: gemeint sind Gewässer] und ertragloses Land 16.313 (1800) oder 16.725 (1850).

Eine 1355 erworbene große Heide bei Hochzeit vor 1350 durch Markgraf Hans weggenommen [Die sagenhafte Geschichte dazu].

1521 wüste Feldmark Rohrsdorf im Süden gekauft, 40 Hufen, Vorwerk und Schäferei durch Kämmerei angelegt. Dort entstanden im 18. Jahrhundert die Kolonien Rohrsdorf, Eichberg und Krügergrund, jetzt selbständige Gemeinden.

Im Süden dieser Mark die Stadtforst, Kiefernheide von 1931 Morgen. Um 1572 die Mönchheide nordwestlich, 200 Morgen, erworben. Andere Waldstücke sind verschwunden, zu Gelde gemacht, so 1822 das letzte Eichengehölz, der Diebelseeische Bruch.

Auf der Stadtmark das frühere städtische Vorwerk Werder am Großen See, die großen Güter Burglehn [Rittergut] und Gramsfelde, 2.609 bzw. 2.118 Morgen, und eine Anzahl Höfe [Ed: darunter auch Bayers Hof auf dem Kiezfeld] und Ausbaue [Ed: auch Abbau genannt].

16 Seen und 3 Fließe gehören der Stadt, desgleichen 1313 – 1404: 3 Mühlen, später nur die ehemalige Papiermühle. Heutiges Gebiet 4.634 Hektar [Ed: also 1939 rund 46 Quadratkilometer]. [Ed: Die Gemeinde Dobiegniew ist heute (2009) sehr viel größer. Es sind rund 350 Quadratkilometer zu verwalten].


15. Kirchenwesen:
Bistum Kammin (bis Ende 13. Jahrhundert Posen), Archidiakonat Friedeberg, Kirchenpatronat seit 1335 bei Domstift Soldin, dann landesherrlich. Erster evangelischer Pfarrer 1542. [Tabelle der Pfarrer und Diakone seit 1473]

Katholiken: 1855: 22, 1895: 65, 1905: 94, 1925: 143.


16. Juden:
Judentum um 1350 vertrieben oder getötet [Ed: also gab es schon im 14. Jahrhundert Antisemitismus].

1801: 47, 1855: 119, 1895: 131, 1905: 93, 1925: 60. Synagoge von 1858 [in der Junkerstraße].

[Ed: In Dobiegniew gibt es heute (2009) wieder ein
jüdisches Leben, von dem aber nicht viel bekannt ist].


17. Bildungsanstalten:
Schulmeister 1505 erwähnt. Nach der Reformation [nach 1517] städtische Lateinschule, Mädchenschule.

Um 1705: 2 Winkelschulen, Knaben-Volksschule seit 1764. Nach 1817 die 3 Schulen vereinigt.

In neuerer Zeit Mittelschule und kaufmännische Fortbildungsschule.


18. Zeitungen:
Woldenberger Ostmärkische Zeitung, seit 1885 täglich *.


19. Quellen:
Riedel, Codex [diplomaticus Brandenburgensis] A XVIII. *.
Darstellung der Stadtgeschichte aus: Paul von Nießen, Geschichte der Stadt Woldenberg in der Neumark (1893) *.


20. Sammlungen:
Archiv der Stadt und der Pfarrei [Ed: die offensichtlich alle in den Kriegswirren von Ende Januar Anfang Februar 1945 zerstört worden sind].




Anmerkungen / Remarks of the Editor:     [Translation-Service]

1) ^  Da Google-Books dieses alte Buch bislang noch nicht gescannt hat (vermutlich ist es in den US-Bibliotheken nicht vorhanden), wird hier der Text aus einer vergilbten Abschrift aus den 1940er-Jahren abgetippt. Daher wird es einige Zeit dauern, bis dieser Lexikon-Eintrag hier komplett sein wird. Mit der 42. Ed. am 20. Juli 2009 ist es dann endlich geschafft. Es konnten auch viele Links hinzugefügt werden, die so manches erläutern.

2) ^  Nach anderen mir überlieferten Notizen gab es in Woldenberg noch andere Burglehen (Güter): Das große Burglehen, ein mittleres Burglehen und ein kleines Burglehen, wie sie genannt wurden. Das große Burglehen war das Rittergut, das mittlere Burglehen war das letzte Haus hinter der Synagoge in der Junkerstraße Nr. 22 und aus dem kleinen Burglehen im Nordosten der Stadt ist eine Brauerei geworden.

3) ^  Die ganze Gegend war im 13. Jahrhundert und noch später von dichten Eichenwäldern umgeben. Daher kam es zu dieser slawischen Ortsbezeichnung. Bis zum 18., Anfang des 19. Jahrhundert war diese Eichenpracht aber längst verschwunden. Vermutlich wurde daraus Bauholz und in den Köhlereien Holzkohle.

4) ^  Hufe (auch Hube genannt) ist ein altes Flächenmaß in der Landwirtschaft. Es wurde vom 9. bis ins 18. Jahrhundert verwendet. Die Fläche variierte allerdings je nach Land und Bodentyp sehr stark zwischen 5 und 30 ha (Hektar). Für die preußische Hufe gilt: 1 Hufe = 30 preußische Morgen = 7,6597 ha. Ab 1813 wurde in Preußen offiziell nur noch mit den metrischen Flächenmaßen Hektar (ha) und Ar (a) gerechnet (1 ha = 100 a = = 1/100 km2 = 0,01 km2). [Preußische Maßeinheiten]

5) ^  Morgen ist ein altes Flächenmaß und zwar gilt: 1 Preußischer Morgen = 2553,22 qm. Das sind also rund 50 m x 50 m, was grob 1/4 Hektar (ha) entspricht. [Preußische Maßeinheiten]

6) ^  Taler (auch Thaler geschrieben) ist eine alte Währungseinheit. Der bis 1871 meist in Norddeutschland (Preußen) verwendete „Thaler“ war nicht dezimal unterteilt. Im 17. Jahrhundert galt: 1 Thaler (Thr) = 36 Groschen, 1 Groschen = 6 Pfennig. Später galt: 1 Thaler (Thr) = 24 Groschen, 1 Groschen = 6 Pfennig. Ab 1821 galt: 1 Thaler (Thr) = 30 Silber-Groschen, 1 Groschen = 6 Pfennig. Der Umrechnungskurs der 1871 eingeführten Mark zum Thaler (Taler) betrug: 1 Taler = 3 Mark. Noch bis 1907 waren Taler im Umlauf. Dann wurde er durch die 3-Mark-Münze abgelöst.


Woldenberg — In Meyers-Lexikon von 1909


Im Großen Meyers Konversations-Lexikon von 1909 lautet der Eintrag zum Stichwort „Woldenberg“ im 20. Band auf Seite 720:
Woldenberg. Stadt im preußischen Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Friedeberg, an der Staatsbahnlinie Posen — Stargard, hat eine evang. Kirche (meist aus dem 15. Jahrhundert), Synagoge, Amtsgericht, eine Faßfabrik, Ziegeleien, Bierbrauereien, Branntweinbrennerei und (1905) 4.608 Einwohner, davon 94 Katholiken und 93 Juden. Woldenberg wurde 1303 von Markgraf Waldemar gegründet. Vgl. van Nießen, Geschichte der Stadt Woldenberg (Stettin 1893).


Woldenberg — In Meyers-Lexikon von 1897


Im Großen Meyers Konversations-Lexikon von 1897 lautet der Eintrag zum Stichwort „Woldenberg“ im 17. Band der 5. Auflage auf Seite 840:
Woldenberg. Stadt im preußischen Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Friedeberg, an der Linie Posen — Stargard der Preußischen Staatsbahn, 71 m ü. M., hat eine evang. Kirche (meist aus dem 15. Jahrhundert), ein Amtsgericht, Ziegeleien, Bierbrauereien, Branntweinbrennerei, Wasser- und Windmühlen und (1895) 4.667 Einwohner, davon 65 Katholiken und 131 Juden. Vgl. van Nießen, Geschichte der Stadt Woldenberg (Stettin 1893).

Bei den folgenden Volkzählungen vom 8.10.1919 und 16.6.1925 blieb Woldenbergs Einwohnerzahl mit 4.589 (1919) bzw. 4.822 (1925) fast unverändert (Quelle).
[Entwicklung der Einwohnerzahlen]




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