1.+2. Während des II. Weltkrieges, vom 21. Mai 1940 bis zum 25. Januar 1945, gab es in Dobiegniew
ein Kriegsgefangenenlager für polnische Offiziere: OfLag II C Woldenberg. Hier waren Soldaten, die
während der Septemperkampagne 1939 [
Deutschlands Überfall
Polens], während der Kämpfe in Frankreich um 1940 und nach der Niederlage des Warschauer
Aufstandes 1944 in Gefangenschaft geraten waren. Zusammen in etwa 6 Tausend Offiziere und ca. 700
Soldaten.
3. Das Lager nahm eine Fläche von 25 Hektar ein. Man teilte es in 3 Teile:
- der deutsche Teil des Lagers: Kommandantur, Abwehr, Kasino und 2 Wohnbaracken für deutsche
Offiziere (in einer der Baracken befindet sich jetzt das Museum).
- das Vorlager: die Krankenstube, Magazine, Arrest und ein Massenbad.
- das Lager der Gefangenen: 25 Wohnbaracken und andere für Gesellschaftsräume,
Küchen und für die Kantine bestimmt.
4. Die Ordnung im Lager war ähnlich dem internationalen Recht gegen die Kriegsgefangenen
gerichtet. Das Recht der Gefangenen jedoch wurde [ihnen] oft vorbehalten und unterbrochen. Die Bedingungen
der Gefangenen waren sehr schlecht.
Die Baracken waren überfüllt, feucht und
unbeheizt. Ständig fehlte Wasser und [es] an Arzneimitteln.
5. Außer der üblichen rechtlichen Unterbrechung kamen auch evidente Mordesfälle
vor. Am 5. Februar 1943 eröffneten Wärter Feuer auf spazierende Gefangene. Zwei Offiziere
wurden erschossen: Mjr. Planeta und Ltn. Jedrzejewski, und ein paar wurden verletzt. Das sollte die
Revanche für die [deutsche] Niederlage von Stalingrad sein. Am 27. März 1944 wurde Fähnr.
Tadeusz Starzec, angeblich wegen des Fluchtversuchs aus dem Lager, erschossen.
6. Heinrich Himmler wollte den Status der Offiziere auflösen, um sie ins Konzentrationslager
einzuliefern. Am 15. August 1944 kam schon der Befehl. Aus Zeitgründen schaffte man es nicht, den
Befehl auszuführen.
7. Das Offizierslager II C war tadellos in der Hinsicht auf die militärische
Verschwörung organisiert. Sturmtruppen waren dafür bestimmt. Im Lager waren Handfeuerwaffen,
Granaten, Scheren zum Schneiden von Stacheldraht und Funkgeräte versteckt. Man erhielt dauernden
Funkkontakt mit AK-Innenposten. Man empfing Kommunikationen aus London, Moskau, Ankara und Stockholm. Die
Gefangenen waren besser informiert, was an der Front geschah, als die Deutschen selber.
8. Aus dem Lager wurden
viele
Ausbrüche organisiert. Der tapferste Ausbruch wurde von 5 Offizieren geplant: O.Ltn.
Pacak-Kuzmirski, Ltn. Zdzislaw Madej, Ltn. Kazimierz Nowoslawski, Ltn. Jerzy Kleczkowski und
Ltn. Zygmunt Siekierski. 20. März 1942: Verkleidet als deutscher Wärter mit einer aus
Holz geschnitzten Attrappe eines Gewehrs des Typs Mauser führte Ltn. Siekierski 4 andere
Gefangene aus dem Lager.
[
Die ganze Geschichte]
9. Im Lager entwickelt sich die Kultur und Bildung. Es gab eine Grundschule mit Oberstufe,
verschiedene Berufskurse und auch eine Universität. Es gab 3 Theater, 3 Chöre und einige
Musik-Ensembles. Das Sportleben blühte.
10. Das Lager wurde am 25. Januar 1945 evakuiert. Am 30. Januar 1945 holten russische Panzer [die]
Gefangenenheere in der Umgebung von Barlinek [Berlinchen] ein, und nach einem kurzen Kampf wurden 4 von 6
Bataillionen befreit. Während des Kampfes wurden viele polnische Offiziere getötet. Die
Deutschen schaffen es noch 2 Bataillione in den Westen [nach Murnau ins OfLag VII A] zu evakuieren. Diese
Gefangenen wurden erst im Mai 1945 von den Alliierten befreit.
11. Nach dem Krieg fielen viele ehemalige Gefangene aus dem OfLag II C wegen der stalinistischen
Vergeltungsmaßnahme.
12. Vom Mai bis Oktober 1945 organisierten die Russen in Dobiegniew ein vorübergehendes Lager
für deutsche Soldaten.