Woldenberg (Neumark)   —  Tagebuch der Renate Brandes khd
Stand:  25.12.2011   (42. Ed.)  –  File: WBG/Reports/Wbg_Tgb_Renate_Brandes.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  W o l d e n b e r g
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Auf dieser Seite wird der erschütternde Tagebuch- Bericht der Renate Brandes aus Woldenberg der Nachwelt digital überliefert. Sie berichtet darin über ihre Nicht-Flucht nach Westen und die schrecklichen Erlebnisse, die sie nach dem Einfall der Roten Armee Ende Januar 1945 und danach in der fast zerstörten Kleinstadt hatte.

Viele werden diese Kriegsgeschehnisse in Pommern gar nicht kennen. Aber dieser Weltkrieg war auf beiden Seiten besonders grausam. Deshalb erhob Renate Brandes als Mutter Anklage gegen die Mächtigen, die diesen „Wahnsinn des Krieges“ wollten.

   
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Die redaktionellen Anmerkungen [Ed: ...] dienen zur Erläuterung. Auch die Zwischentitel, Links, einige Fotos und ausführliche Bildlegenden sowie das Nachwort sind redaktionell hinzugefügt worden und im Original nicht enthalten. [Translation-Service]

1945 — Vom Kriegswahnsinn in Woldenberg


   Korn zwischen Steinen 1


Das Tagebuch der

 RENATE BRANDES 2
(Jg. xxx)


   Mit 2 Abbildungen und Links 3




Im Internet ist dieses Dokument (Web-Seite) zu finden unter: http://www.woldenberg-neumark.eu/Reports/Wbg_Tgb_Renate_Brandes.html



Vorwort und Anklage

      Ich bin Renate Brandes. Mein Mann war Rechtsanwalt in einem kleinen pommerschen Städtchen, — und wenn ich schreibe, er war es, so wißt ihr, daß sein Leben ausgelöscht wurde wie das so vieler tausender anderer in jener harten Zeit, — ausgelöscht wie das Städtchen, in dem wir so viele glückliche Jahre verlebten.

      Von vier blühenden Kindern blieben mir nur zwei als mein ganzer gegenwärtiger Reichtum, — einen Sohn, den herzensguten, fraß der Moloch Krieg, Mutter und Tochter kamen um in den Flammen jener grausigen Nacht. Oft denke ich, — was ist härter: Das Schicksal, das uns so schrecklich schlägt, — oder des Menschen Herz, — das diese Schläge erträgt, — immer geht das Leben weiter, und das Herz schlägt seinen gewohnten Schlag, — Gott aber schweigt, schweigt, wie er seit Jahrtausenden schweigt zu allem Elend dieser Welt.

      Denn ich bin eine Mutter! Und so klage ich an! Ich klage gegen den Sturm, der des Schicksals Räder zum Drehen bringt, — ich klage an die Hand, die den Hebel löst, — ich klage an die Steine, die das weiche Korn zermahlen, ich klage an, so lange mein Leben noch währt, wenn ich auch weiß, daß ich gegen den Wind rede!

      Wir Frauen sind die Erhalter des Lebens, — mögen die Zerstörer die Last ihres Gewissens tragen bis in ihre Sterbestunde, und wir sehen keinen Unterschied darin, ob einer mit einem Faustkeil seinem Gegenüber den Schädel spaltet oder mit Granaten den Leib zerreißt. Er tötet. Und so gilt mein erster und letzter Schrei dem Wahnsinn des Krieges, den niemand will und gewollt hat und dessen Gesetzen alle gehorchen.

28. Januar 1945

      Heute ist der 28. Januar 1945. Die Luft, das Haus zittern von Kanonendonner, der nun schon seit Tagen aus der Ferne herüberdröhnt. Die Straßen sind vollgestopft von Trecks, die alle nach Westen — nach Westen ziehen, und über allem rieselt der Schnee — unaufhörlich, ohne Ende.

      Um Mitternacht nun läuteten wie verabredet die Glocken von unserem Kirchturm, zum Zeichen, daß die Stadt geräumt werden solle, — und so lagen wir, mein Mann und ich und die beiden Töchter, nach einer durchwachten, durchredeten, durchängstigten Nacht noch im Bett, als die beiden Freunde unseres Hauses die Treppe heraufkamen, um uns zu sagen, daß sie beide bleiben müssten, denn sie gehörten dem Volkssturm an. Sie raten dringend, die Stadt zu verlassen, — doch mein Mann will bleiben.

      Er macht sich gewiß falsche Vorstellungen von der Zukunft, von einem modernen Kriege wie diesem, — hängt am Haus und Hof und am Besitz, führt als Grund immer wieder die bettlägrige Schwiegermutter, meine Mutter, an, die vor einigen Tagen ein Bein brach und getragen werden mußte. Wo sollen wir mit ihr hin? — Hat er recht, — hat er unrecht, — ich möchte ihm glauben, aber mein Herz zittert aus Angst vor der Zukunft.

      Zudem herrscht ein beißender Frost, — und der Schnee, der fällt — und fällt. Mein Mann hat die Absicht, wenn der Feind kommt, in ein Dorf auszuweichen, wie er es nennt, und hofft, daß so die Furie des Krieges an uns vorbei gehen würde. Und so haben wir den ganzen Abend vorher gepackt, das Notwendigste nur, aber was ist das Notwendigste? Immer ist und wird es ein ganzer Haufen, den wir kaum von der Stelle bringen können, denn wir haben nur einen Handschlitten und ein kleines Wägelchen, und in den Schlitten muß doch noch unsere arme Mutter.

      Ich habe mir ein kleines Schulheft von unserer Ältesten, der Traute, gegriffen, sitze hier zwischen Kisten und Kasten, und schreibe meinen Kummer vom Herzen. Wir müssen auf die Straße, — so wie so. Immerfort rollt und grollt mir die donnernde Begleitmusik des Krieges in den Ohren, mal näher, mal ferner und der Schnee, — der Schnee, — der fällt.

Am Nachmittag

      Am Nachmittag: Der Volkssturm hat sich aufgelöst, da er keine Waffen, keinerlei Uniform, nicht einmal Armbinden besaß. — So sind unsere Freunde mit dem letzten Zuge, der gegen Mittag fuhr, aus der Stadt. Wir sind nun allein einsam und, wenigstens ich, dem Weinen nahe. Es dunkelt schon, und alle Straßen liegen still und verlassen. Und es schneit — und es schneit.

      Hier und da leuchtet hinter einem Fenster ein schwaches Licht, da sitzt ein altes Weiblein, das sein warmes Stübchen nicht verlassen will, vielleicht ein alter Mann, dessen Gedanken nur noch in der Vergangenheit spinnen. Es sind aber auch noch Jüngere da, die machen es sich lustig und sind vergnügt bei Wein und scharfen Getränken und meinen, der Feind ist bestimmt nicht so schlimm, wie man ihn mache. Auch dort gibt es Menschen. Wir wollen es glauben, so sehr glauben!

      Mein Mann drängt zur Eile, die Kanonen rollen und donnern schon ganz nahe, wir wollen fort von der großen Heerstraße, fort in ein weltverlassenes Dorf, und so haben wir unser Wägelchen mit Betten vollgepackt, oben auf den Eßkorb, im Handschlitten sitzt unsere alte Oma, in vielen Decken gewickelt, und diesen Schlitten schiebt Frau Hiller, unser Bombenflüchtling aus Berlin, der bei uns bleiben, und nicht verlassen will. Das ist ein kleiner Trost in all dem Elend.

      Das Wertvollste ist im Keller vergraben. Noch ein Blick in das vertraute Rund der Stuben, in die Küche, hin zum Keller, — mir krampft sich das Herz zusammen. Rosemarie, unser Jüngstes weint, und hängt mir am Mantel. Trautchen die ältere, ist fröhlich und guter Dinge. Was kann ihr geschehen, da Vater und Mutter bei ihr sind. Meine Heimat — meine Welt! —

Am Abend und nachts

      So ziehen wir hin, in Nacht und Schnee und Kälte, — meine Mutter hält ihre Augen geschlossen, als lebe sie nicht mehr in dieser Welt, jammert und stöhnt leise vor sich hin. Nachts: Wir sind in einem kleinen Dörfchen untergekommen, bei einem uns bekannten Bauern, doch sind wir nicht allein. Mit uns haben sich noch zwei Familien einquartiert, und nun sitzen wir dicht bei dicht, auf Bank, Stuhl, Bett und auf dem Boden, auf dem Tisch blakt trübe eine kleine Kerze, Kinder plärren.

      Über allem liegt Angst und Trübsal und Verzweiflung, und ich habe mich zu meinem Heftchen gerettet und schreibe... Meinen Mann ärgert das. „Was schreibst Du denn dauernd?“ schilt er. „Ach laß“, sage ich, — ich muß mir die Angst von der Seele schreiben. Er brummt: „Das braucht nachher nur jemand finden, und du hast den Deubel am Hals.“ „Was ich schreibe“, beruhige ich ihn, „kann jeder lesen, wenigstens bis jetzt“. Aber ich merke, daß auch er nervös ist.

      Der Feind muß ja dicht vorm Dorfe stehen, es knallt und blitzt und donnert an allen Enden, die Erde zittert und dröhnt, die Kinder weinen und schreien, die Männer sitzen dumpf, eine Frau betet laut. Mir ist die Kehle wie zugeschnürt. Ein deutscher Soldat stürzt herein. Sieht sich wild um und schreit: „Der Feind steht schon im Dorf, — ich türme!!“, knallt die Tür wieder zu, weg ist er. Mein Mann schiebt Trautchen unter die Bank, hastig, nervös, ich weiß was er denkt.

      Rosemarie sitzt eng an mich gepreßt, hält ihr Püppchen im Arm und sieht mit großen schreckensstarren Augen auf die Tür, hinter der soeben der Soldat verschwunden. Jetzt steh’ uns der Himmel bei, an dieser dünnen Minute hängt unser aller Schicksal. Plötzlich ist es draußen ganz still, man müßte unsere schlagenden Herzen hören, so tief ist diese urplötzliche Stille. Die Angst zwingt mir den Bleistift aus der Hand...

Um 1 Uhr nachts

      Ein Uhr nachts: Nein, — es ist uns nichts geschehen, soeben war der erste Russe hier, ein baumlanger, schlitzäugiger Mongole, ein Offizier wohl. Er riß die Tür auf, sah mißtrauisch in alle Winkel und ging wieder. Ach, hoffentlich sind sie alle so, schon regt sich auch die Hoffnung wieder. Einige Frauen kramen gleich wieder in ihren Eßkörbchen, eine ist in die Küche gegangen, um einen Kessel Wasser aufs Feuer zu stellen. „Für Freund und Feind“, wie sie sagte, — ach, was braucht das Lebensflämmchen so wenig, um wieder zu flackern und zu brennen.

      Danach kamen noch mehrer Soldaten, schwer bewaffnet, — aber sie grinsten gutmütig und zogen bald wieder ab, nahmen auch nichts von dem, was wir ihnen boten. Nur einer sah meines Mannes goldene Uhr, riß sie an sich, und im Nu waren sie verschwunden. Mein lieber Mann saß einen Augenblick schreckerstarrt, aber ich tröstete ihn gleich, — laß fahren dahin, wenn uns nicht mehr geschieht!

      Eben knallt es draußen wieder — die Bäuerin stürzt schreiend herein und ruft uns entsetzt zu: „Eben haben sie den Bauern Hempe erschossen?!!“ Warum!??? — Ja, warum?! — Auf seinem Hof lag eine deutsche Uniform, von der er gewiß nichts wußte, gewiß hat sie der deutsche Soldat von vorhin mit dem Zivilanzug aus des Bauern Schrank vertauscht. So ist des einen Tod des anderen Leben. Und nun zittern uns allen wieder die Knie vor Schrecken.

      Ich sehe durchs Fenster. Draußen auf den verschneiten Straßen rollen Panzer über Panzer vorbei, — es nimmt gar kein Ende. Und wir Törichten dachten, dem Feinde hier auszuweichen; nun sehen wir’s, der Feind ist überall. Seit eben jemand von draußen ins Fenster geschossen — es ist Gott sei Dank nichts geschehen — drückt sich jedermann in die Winkel. Der Schuß ging in die Decke. Reinhardt, mein Mann, ist trotz der Aufregung eingenickt vor Erschöpfung. Mich flieht der Schlaf.

30. Januar 1945

      30. Januar 1945. Zwei Tage leben wir nun schon in dieser drangvollen Enge. Das tägliche Leben spielt sich auf 16 Quadratmeter Raum ab und das mit drei Familien, mit Kindern und hilfsbedürftigen, alten Leuten. Wenn uns nicht immer noch die Angst das Herz zusammenschnürt, wäre dies Durcheinander von Kindergeschrei, scheltenden, betenden, keifenden, schmatzenden Frauen und Männern kaum auszuhalten. Das Fenster zu öffnen wagen wir nicht, aus Angst, es werde hereingeschossen, so ist die Luft hier drinnen kaum zu ertragen.

      Frau Hiller hat sich in die Küche geflüchtet, um beim Suppenkochen zu helfen, ich selbst bleibe bei meinem Mann und den Kindern und bei der Mutter, die ihre Wartung brauchen. Nach den Kampftruppen quirlt draußen der Nachschub vorbei, alle Augenblicke steckt ein Soldat, den man nicht mehr Soldat nennen mag, seinen Kopf zur Türe herein, schreit „Uri — Uri“ — und durchsucht unsere Taschen, allerdings erfolglos, denn was wir bei uns hatten, ist uns längst genommen worden.

      Trautchen hat ein altes Tuch um ihren Kopf und den Oberkörper geschlungen, hat sich das Gesicht mit Ofenruß beschmiert und hockt zwischen oder hinter uns als uraltes Weiblein, und Gott sei Dank hat sie noch niemand entdeckt. Aber mein Herz zittert, wenn ich an die Zukunft denke, und darf es doch nicht zeigen, denn mein Mann ist schon ganz fahrig vor Aufregung und Sorgen. Wenn es mal gar zu arg wird mit einem unserer Belästiger schreit eine Frau an der Tür, wir haben das so ausgemacht, laut und gellend: „Kommandant — Kommandant!“ Und bisher haben sich die Russen immer sehr schnell darauf zurückgezogen.

      Ab und zu knallt es draußen, dann schreien die Kinder, jammern die Frauen, da braucht man keine starke Natur, um Lärm und Gestank ohne Murren zu ertragen. Nun aber scheint der Hauptteil der feindlichen Armee vorüber zu sein. Hier und da rollt noch dröhnend ein Panzer vorbei, meist aber sind es die Panjewagen, besetzt mit älteren, bärtigen Männern, die an unseren Fenstern vorüberzuckeln. Diese Männer sind gutmütig und wohl auch freigiebig, man sagt, daß sie Brot und Schmalz oder was sie gerade haben, gerne hergeben.Und gleich ergibt sich die Hoffnung wieder, daß der Sturm nun doch gnädig über uns dahingegangen, daß wir unbeschädigt aus diesem entsetzlichen Wirrwarr davongekommen.

      Reinhard, mein Mann namentlich, ist kaum mehr zu halten, er will nach Hause, will wissen, wie es daheim aussieht, da nützt all’ mein Reden nichts, ich merke ihm seine Unruhe an und sage schließlich nichts mehr; nur einen Tag habe ich ihm abgerungen, und er mußte sich denn doch rügen, da die Straße noch voller Fuhrwerke ist. Aber übermorgen wollen wir denn in den Nachmittagsstunden aufbrechen, um heimzuwandern. Gebe der Himmel, daß unser Haus noch steht!

1. Februar 1945

      Am ersten Februar 45, abends: Gott im Himmel!! Ich habe Augen und kann nicht weinen, ich habe ein Herz, aber es schlägt wie ein Stein in der Brust, — ich kann nur noch schreiben — schreiben, daß mir der Jammer nicht die Seele sprengt. Neben mir hat Frau Hiller den Kopf auf den Tisch gelegt und schläft den Schlaf der Erschöpfung, auch Rosemarie schläft den Schlaf ihrer Jugend, und daß wir drei nur noch, — Gott im Himmel, soll ich den Namen des Schöpfers anrufen, der dieses Elend mit ansah — und nur nicht einmal Tränen gibt, um meinen Schmerz zu lindern?!

      So sind wir alle losgezogen, wie mein Mann es wollte. Frau Hiller schob unsere Mutter im Schlitten, wir andern zogen das Wägelchen, doch weit kamen wir nicht. Von weitem sahen wir schon, oben von der Gramsfelder Höhe, schwarzer Rauch, dunkler Qualm in den Himmel steigen, sahen es. Das ganze Städtchen brannte! Fassungslos standen wir am Wege, sahen zerstört, was uns lieb und Heimat gewesen, über uns und um uns legte der Himmel sein weißes Tuch. „Da hat es ja keinen Sinn, weiterzugehen“, rang es sich von meines Mannes Lippen, „wir müssen sehen, wie wir hier am Wege Unterkunft finden“.

      Am Wege stand nun eines Neusiedlers Haus, in das wollen wir, aber es ist vollgestopft von Flüchtlingen, und es war manch Bekannter unter ihnen. Aber jetzt zeterten sie alle und riefen, hier sei es voll, wir sollten sehen ob wir wo anders noch Platz fänden, — und schließlich mußten wir uns dreinfinden und zogen ab. Der Wind war nun zum Sturm geworden, der heulte über die Höhe und der Schnee schlug uns ins Gesicht.

      Schräg gegenüber lag ein verlassenes Gehöft, dahin wollten wir, aber dazu mußten wir die Straße überqueren, Frau Hiller wagte es als erste mit ihrem Schlitten hinüberzulaufen. Indem aber kam auch schon ein Panzer angerattert, — hielt, ein Soldat sprang heraus, stieß den Schlitten mit einem Fußtritt in den Straßengraben und stürzte sich auf Frau Hiller. Und gewiß hätte er ihr Gewalt angetan, wenn nicht in diesem Augenblick ein zweiter Panzer angerollt gekommen wäre, da ließ der Kerl von seinem Opfer, und für einen Augenblick war die Straße frei. So kamen wir alle glücklich hinüber, auch unserer lieben Oma war nichts geschehen, aber ich weiß nicht, ob sie überhaupt etwas gemerkt hat, denn ihr Augen waren wie immer geschlossen, und nur ab und zu murmelte sie etwas Unverständliches.

      In der Wohnstube der Siedlung fanden wir alle vorerst eine Unterkunft, auch Schutz vor dem scharfen Oststurm, wenn es auch bitterkalt war, so waren wir doch froh, wenigstens ein Dach über den Kopf zu haben. Lange aber hielt es mein Mann drinnen nicht aus, — er wollte hinaus, mußte sehen, ob der Brand sich weiter ausdehne. Frau Hiller begleitete ihn. „Gehe nicht“, schrie ich, „draußen lauert das Unglück —!“ Ich kann nicht weiter schreiben......

xx. Februar 1945 (4.?)

      Zwei Tage danach, in einem Keller in der Ostmauerstraße (Woldenberg). Ich sitze in einem feuchten Kellerloch, auf einer Matratze, die wir aus dem Schmutz der Straße aufgelesen. Aber ich sitze nicht allein, neben mir sitzt eine, die aussieht wie ich, aber ihr Herz ist von Stein und in ihren Adern fließt kein Blut. Sie schreibt — sie schreibt — sie schreibt.

      Mein Mann ging hinaus, und da er schlecht sieht, blickte er angestrengt hinüber zu dem schwelenden Qualm, der den ganzen Horizont überlagerte, — und sah nicht, daß auf der Straße wieder ein Panzer daherkam. Der Panzer hielt und mehrere Soldaten sprangen heraus und stürzten auf unser Gehöft zu. Zwei Soldaten kamen in unsere Stube, sahen mich und die alte Mutter, zogen ihre Pistolen und zwangen mich ans Fenster zu treten. Da mußte ich mit ansehen, wie die beiden anderen meinen Mann zwangen, den Pelz abzulegen, wie sie ihn zwangen, Rock und Hose auszuziehen, wie sie ihm die Brille vom Gesicht schlugen, — und wie ich mich umwandte und schrie, — „habt doch Barmherzigkeit“, — hörte ich nur noch, wie ein Feuerstoß seinem Leben ein Ende setzte.

      Ich fiel um, denn mein Herz versagte, — schwarze Nacht umfing mich. Als ich wieder zu mir kam, war ich mit meiner Mutter, die immer leise vor sich hinmurmelte, allein. Trautchen aber kam in diesem Augenblick mit meiner Freundin, das war ein Fräulein Kaiser, die sich irgendwie dazugefunden, die schrien: „Die Scheune brennt!“ Unsere Scheune brennt! In ihren Augen stand der Irrsinn und die Angst, — und da sie riefen, liefen beide hinaus und hielten sich an den Händen fest. Und ich raffte mich auf und sah, wie dicke Rauchwolken aus dem Scheunentor quollen.

      Eine riesige Stichflamme schoß hinaus, und mitten im Rauch und Feuer liefen die beiden Mädchen an ihrem toten Vater vorbei, und wenn ich es recht verstanden habe, schrie Trautchen noch zurück: „Wenn Vater nicht mehr lebt, — will ich auch nicht mehr leben!“ Und ich mußte mit ansehen, wie unser Trautchen mit ihrer Freundin in den Tod ging. Die Hiller aber lief um die brennende Scheune herum und wollte mit einem Eimer Wasser löschen, wo es doch nichts zu löschen gab; wo aber war Rosemarie? Ich wußte es nicht, konnte auch keinen Gedanken fassen, — nur eines dachte ich klar und zwingend: Das ist das Ende — nun gehen wir letzten auch in den Tod. —

      Ich blickte in den feuerhellen Abend hinaus, es knisterte und prasselte an allen Enden, und nun auch über uns, über unserer Stube mit Rauch und ich mußte stark husten. Plötzlich zerrte mich jemand am Mantel. Es war Rosemarie. „Laß mich“, sagte ich, „es geht gleich zu Ende, es tut auch gewiß nicht weh.“ Aber das Kind zerrte und zog und rief: „Ich will doch nicht sterben, Mutti! Ich nicht! — Komm raus hier!“ Und ihr dünnes Stimmchen zitterte vor Aufregung und Angst. —

      Nun sitze ich hier in diesem Kellerloch, das Heft von Trautchen auf den Knien (ach Trautchen, mein Trautchen) — und es ist meine Schrift darin, meine Schrift, die ich nicht geschrieben. Neben mir aber stehen ein paar Schuhe. Um Gotteswillen, — wie kommen die Schuhe hierher!? Sie gehörten doch meiner Mutter! — Meiner Mutter —— Ach meiner Mutter!! Ich will schlafen, denn der Schlaf liegt dem Tode am nächsten. Neben mir, den Kopf auf mein Knie gepreßt, liegt Rosemarie, und auch Frau Hiller hat sich in eine Ecke gedrückt und schläft den Schlaf der Erschöpfung.

  Woldenberg/Dobiegniew -- Das zerstörte Zentrum 1945
^   Blick von Woldenbergs Kirchturm auf das zerstörte Zentrum 1945. Dieses Foto entstand aber später, denn die Straßen sind schon vom gröbsten Schutt und Gerümpel befreit. [Vergrößerung]   (Repro: 2011 – khd)
      Eine Stunde später. Ich kann doch nicht schlafen, wie soll ich schlafen, da alles Erlebte so grausam klar vor meiner Seele steht! Was kann weiter geschehen, ich weiß es nicht. Wir drei fanden uns in einem verlassenen Haus wieder, das wohl in der Nähe lag, denn ich entsinne mich noch, daß das brennende Gehöft unsere Stube erhellte. Frag’ nicht, was ich gelitten —, ich konnte nicht mehr leiden, ich hatte kein Gefühl, kein Herz mehr, das diesem Wahnsinn schlug, — ich war wie aus Stein. Wir schliefen, denn das Leben forderte sein Recht. Und der Tag — Frau Hiller kochte für uns alle Kartoffeln, die sie in der Miete fand, dann schliefen wir wieder.

xx. Februar 1945 (6.?)

      Und nachdem es wieder Tag und wieder Nacht und wieder Tag geworden, machten wir uns auf in unsere noch rauchende und schwelende Stadt. Ich trug ein Päckchen unter dem Arm, von dem ich das Gefühl hatte, ich dürfe mich nicht von ihm trennen, obwohl ich nicht wußte, was drinnen war, — nun weiß ich es, es sind die Schuhe meiner Mutter.

      Die Straße war zerfahren und voller Schmutz, denn das Wetter hatte umgeschlagen. Und als wir an den Postberg kamen, der in die Stadt hineinführte, blieb uns das Herz stehen. Rauchende Trümmer, geschwärzte Essen, Verwüstung und Zerstörung überall. Auf den Straßen ein
heilloses Durcheinander. Wäschestücke, zerschlagene Möbel, Hausrat aller Art, und mitten auf dem Damm, ein dunkler Fleck, der einmal ein Mensch gewesen, wohl eine Frau, denn Panzer hatten zerwalzt, was einmal Form und Leben gehabt, es war nicht mehr zu erkennen.

      Oben am Postberg — die gleiche Zerstörung, wir mußten uns einen Weg bahnen, um die Stadt zu erreichen. Und mit Mühe nur fanden wir zu unserem Haus, zu unserem lieben Haus. Ach, ausgebrannt auch hier die Wände, schwarz die Fenster, und nun liefen mir noch die Tränen, und auch Rosemarie schluchzte zum Steineerweichen. Wir gingen in den Garten, in dem wir so oft zur frohen Sommerzeit gesessen, — verbrannt, abgehackt, zersplittert die Bäume, zerschlagen die Bienenkästen, die Bienen haufenweise erfroren im Schnee, ein Bild des Jammers.

      Nur der Keller war noch einigermaßen erhalten, wenn auch alles von unterst nach oberst verkehrt, — aber was wir in einer Ecke vergraben, schien unberührt. Hilflos und bis in den Tod traurig standen wir drei wieder auf der Straße. Indem kam ein russischer Soldat auf uns zu und bedeute uns barsch ihm zu folgen. Wir gingen willig mit ihm, denn wohin sollten wir sonst? — Er führte uns durch die Stadt, und überall sahen wir die gleiche Zerstörung, Rauch und Trümmer überall und ein schreckliches Durcheinander.

      Die ganze Innenstadt ein einziger Brandherd, schwelend qualmend, der Verwüstung grausames Bild. Hinter der Kirche, die noch gut erhalten, in einer Nebenstraße, lag eine Leiche, ein Mann. Man konnte aber nicht mehr erkennen, wer es gewesen, denn sein Kopf war in die glühende Asche gefallen und ganz schwarz und klein. Wir wurden zur Brauerei gebracht, die am anderen Ende der Stadt liegt, auch sie war ausgebrannt, doch wie bei uns war der Keller noch leidlich erhalten. Hier, bedeutete uns der Soldat, könnten wir über Nacht bleiben.

      Wir waren viel zu müde und erschöpft, um Böses zu ahnen, sonst hätten wir uns doch fragen müssen, warum er so hartnäckig grinste. Der Keller bestand aus zwei Räumen, deren erster ein zerschlagenes Fenster hatte und in dem es etwas zog. Der zweite Raum aber war dunkel und vom Brand und der darauf liegenden Asche schön warm. Dahinein verkrochen wir uns alle drei, und wenn wir auch auf der blanken Erde liegen mußten, denn er war sonst ganz leer, so schmiegten wir uns doch eng aneinander und fielen allsogleich in tiefen Schlaf. Wir wußten, daß vor dem Hause ein Posten stand, und meinten, er werde uns schon bewachen. Ach, kindliche Einfalt! Kaum schliefen wir, zerrte uns schon wieder eine rauhe Stimme wach. Wir sollten herauskommen, — soviel verstanden wir.

      Frau Hiller, die am weitesten außen lag, erhob sich schlaftrunken um zu sehen, was es gäbe. Wir blieben zurück und wagten vor Angst nicht zu flüstern. Zwei lange Stunden warteten wir so auf die Ärmste, und als sie dann endlich kam, weinte sie sehr, und sie nahm meine Hand und führte sie an ihren Kopf, und ich fühlte, daß ihre Wangen und ihr Kopf blutüberkrustet waren. Sie brauchte nichts weiter sagen, wir wußten auch so, was sie gelitten, und uns war klar, daß wir hier, so übermüdet wir auch waren, nicht bleiben konnten.

      So krochen wir leise, leise, immer in der Angst, der Posten werde uns hören, durch das zerschlagene Fenster. Vor dem Fenster lag viel Unrat und Schutt, dahindurch schlichen wir uns, bis wir glücklich an die Promenade kamen. Hier zwischen See und Stadt, tasteten wir uns an den Gärten entlang, und hier waren kleine Mauerhäuschen, alle gut erhalten. Aber sie alle waren vom Keller bis zu den winzigen Hausböden voll besetzt, überall hatten sich die Menschen hineingepreßt, und wir sahen dann ja auch selber, daß nirgends Platz für uns war, so sehr wir auch um Unterkunft baten. Jeder hatte ja sein Teil Angst und Entsetzen hinter sich, so daß des anderen Not nicht mehr zum Herzen sprach.

      Endlich, als wir schon halb verzweifelt waren und Rosemarie immer nur haltlos vor sich hinwimmerte vor Kälte und Übermüdung, fanden wir einen leeren Keller, — oh Glück, — und vor dem Keller lag gar noch eine zerrissene Matratze. Was tat’s — wir zerrten sie über die Steinstufen, und froh, ein Dach über dem Kopf zu haben, drängten wir uns dicht aneinander. Rosemarie lag noch nicht, da schlief sie schon, und auch Frau Hiller konnte kaum noch sprechen vor Erschöpfung. Nur ich sitze noch, fühle Rosemaries jungen, warmen Körper an meiner Seite, und führe den Bleistift im Lichte des Mondes, der durch die Kellerluke scheint. Aber auch ich fühle, wie meine Kraft langsam lahmt, — und ich kann auch nicht mehr...

Am anderen Morgen

      Am anderen Morgen: Als wir heute morgen erwachten, steifgefroren und mit eiskalten Gliedern, fanden wir in einer Kellerecke ein Häuflein Kartoffeln, und wir waren unsagbar glücklich darüber.

      Einen Tag später: Wir haben gedacht, daß der Keller uns schütze. Und er schützt uns auch vor Kälte und Schnee. Aber seine Tür ist nicht zu verschließen, und sobald es Abend wird, kamen alle drei, vier Stunden, polternde Schritte über die Schwelle. Dann steht die Gier an der Tür, in den Augen von widerlichen, grinsenden Kerlen, und wir beide sind natürlich machtlos und müssen erdulden, was hunderttausende Frauen in diesen Tagen erdulden. Dann steht Rosemarie am kleinen Fenster und hält sich die Ohren zu und weint, — und wenn ich dann flehe: Schickt doch wenigstens das Kind hinaus, — dann lacht der Kerl (und gurgelt nie nana!).

      Und da das nun zwei Tage so geht, pausenlos, ohne Aufhören, beschlossen wir, Frau Hiller und ich, in den Tod zu gehen. Letzter Anlaß war eigentlich Rosemarie, die heute morgen mit tränenerstickter Stimme leise zu mir sagt: „Mutti, nun müssen wir wohl auch sterben.“

      Im See sind Löcher ins Eis gehackt, da holen die Frauen sich, wenn es dunkelt, und immer in der Angst, die rauhe Stimme eines Postens zu hören, — Wasser zum Waschen und zum Kochen. Dahinein wollen wir springen. Es geht schnell mein Kind, — und sind wir erst unterm Wasser, ist alle Not zu Ende. Nein, es geht doch nicht. Die Löcher sind zu eng, daß wir uns nacheinander hindurchzwängen können, und dann kommt Rosemarie uns bestimmt nicht nach, — und kann ich das Kind allein zurücklassen?

      So wollen wir uns in eine Strohmiete draußen auf dem Felde legen und sie anzünden. Streichhölzer haben wir gefunden. Als Letztes aber haben wir eine Schnur um den Riegel der Kellertür gebunden, von innen, so daß ohne Gewalt so leicht keiner mehr eindringen kann.

xx. Februar 1945 (5.?)

      Am 5. Februar 1945: Mit Bangen sehen wir den Abend kommen, und immer, wenn draußen Schritte vorbeistampften, schlug uns das Herz bis zum Halse. Und plötzlich rüttelte jemand an die Tür. Ja, rüttelt nur, die Tür ist zu! „Mach du auf, du!“, schimpfte eine Stimme, es mußte ein Russe sein, — Rosemarie weinte laut und bitterlich. „Wir machen nicht auf“, sagte Frau Hiller, zu allem entschlossen. „Ich nichts wollen, hier Bolnoi!“, erwiderte draußen. Was Bolnoi bedeutete, wußten wir ja schon, aber sollten wir ihm glauben?

      Frau Hiller ging schließlich an den Riegel und löste die Schnur, die Tür klappte auf, — was wir nun sahen, war kaum mehr menschlich. Im Rahmen stand ein russischer Soldat, neben ihm etwas, ein Ungetüm, das auf allen Vieren hereinstrebte, — keuchend, wimmernd, klagend und in Lumpen gehüllt Dahinter eine alte Frau, die schob und stützte und dabei leise vor sich hinjammerte. Der Russe sagte: „Die hier bleiben, kalt draußen“ — und ging.

      Wir ließen sie herein, was einmal Mensch gewesen, wir erkannten sie nun auch, es war eine Arbeiterin aus der Vorstadt mit ihrer Mutter. Beide Beine waren ihr erfroren, und so hatte sie [?] dem Walde bis hierher geschoben, war gekrochen und liegengeblieben, und immer weiter gekrochen. Mutter und Tochter legten sich auf unsere Matratze, wir kauerten uns in einem Winkel zusammen. [?] eine Weile aus den Wolken kam, sahen wir, daß die Beine der Ärmsten bis über die Knie [?].

      Es war eine schreckliche Nacht, angefüllt mit Stöhnen, Schmerzengeschrei, Jammern, ewigen Bitte: „Schlagt mich tot, — ich ertrag’s nicht länger!“ Als der Morgen kam, machte ich mich auf, einen russischen Arzt zu suchen. Mit Furcht und Bangen, denn ich wußte ja, daß es den Deutschen verboten war, sich auf den Straßen zu zeigen, wenigstens in bestimmten Stunden, und so sah ich im [?] an jeder Ecke einen Soldaten auf mich zukommen; aber das Geschrei im Keller machte uns doch alle wahnsinnig.

      Erst oben an der Kreuzung: Kuda?! — Wohin?! Ich sagte: „Krank — bolnoi — Arzt!“ Und Goltseidank, er verstand und ließ mich gehen, mit der Hand nach oben weisend. In der Moltkestraße, die noch vollständig erhalten, sah ich das rote Kreuz leuchten, auf einer großen Fahne. Hier fand ich auch den russischen Arzt, und ich konnte ungehindert zu ihm. Es war ein Mongole, der leidlich gut deutsch sprach, und er empfing mich zuerst recht freundlich. Als er aber hörte, daß es sich bei der Kranken um eine Deutsche handelte, versteinerte sich sein Gesicht und wandte sich brüsk ab. Ich ließ aber nicht nach mit Bitten, und schließlich, wohl, um mich loszuwerden, ließ er einen Feldscher mit mir gehen. Das war ein mürrischer Geselle, der den ganzen Weg nicht sprach, und also wohl ein Deutschfeind war.

      Als er aber das Elend in unserem Keller sah, schüttelte er betrübt den Kopf und deckte die Jammernde geschwinde wieder zu. „Nix“, sagte er nur, und das war überhaupt das einzige Wort, das er sagte. Heute am Nachmittag ist die Ärmste nun gestorben, still und ohne Klage mehr. Wir zerrten die Leiche vor die Tür, und Gottseidank kam auch bald Herr Knebel, der von den Russen den Auftrag hatte, alle Leichen zu bestatten. Herr Knebel war im ersten Weltkriege in russischer Gefangenschaft, spricht fließend russisch und ist wohl auch Dolmetscher beim Russen. Mit seiner Hilfe haben wir dann die Tote beerdigt, aber es war ein schweres Stück Arbeit. — Nun liegt sie gleich hinter dem Hause, in dem kleinen Gärtchen, nach dem See zu.

Einen Tag später

      Einen Tag später: Heute war nun Herr Knebel wieder da und sagte, es sei wohl besser, wenn ich mit ihm komme. Oben in der Siedlung vor der Stadt liege ein Toter, den wolle er bestatten, aber zuvor solle ich ihn als meinen Mann erkennen, daß es nicht nur mein Mann sei, der da liege. Und ich fühlte, daß des Ungeheuerlichen zuviel sei, was da an mich herantrat und an meinen Kräften zerrte, aber etwas zwang mich, mit ihm zu gehen, vor mir selber aber dachte ich, einen letzten Gruß an meine Lieben kann mir niemand verwehren. Und wir gingen denselben Weg, den wir in stiller Verzweiflung vor wenigen Tagen erst gegangen, aber es schien mir, als sei es eine Ewigkeit her.

      Rosemarie hatte ich bei Frau Müller gelassen, das Kind sollte auch nicht wissen, wohin ich gegangen. Ich wollte allein sein mit meinem Jammer und der letzten Pflicht, die ich auf dieser Erde noch zu erfüllen hatte. Auf der Straße lag ein entsetzlicher Schmutz, so daß wir kaum voran kamen, aber es hatte auch sein Gutes, daß uns niemand begegnete, nicht einmal ein Russe. Unterwegs erzählte ich Herrn Knebel, daß wir drei fest entschlossen seien, von dieser Welt zu scheiden, ganz gleich wie. Aber siehe, er, den ich früher kaum näher gekannt, und wenn, so doch nur als schlauen Geschäftsführer, er hatte ein Herz voller Güte. Er tröstete mich und sagte, daß in diesen Tagen Tausende ein gleiches Schicksal hätten und doch nicht verzagten. Es sein ein Verbrechen, ein Kind mit in den Tod zu nehmen. Einmal werde auch wieder Frühling, wo alles Leben neu sich regt. Und er werde sich schon um uns kümmern.

      Indes waren wir an die Anhöhen zur Siedlung gekommen, und mein Herz wurde schwer und schwerer. Schließlich verzagte ich an meiner Kraft, ich lehnte mich an einen Straßenbaum und schluchzte so in mich hinein. Herr Knebel sagt, es sei wohl besser, wenn ich hier bliebe, er wolle vorgehen, und ich solle hier auf ihn warten. Aber ich war so mit meinem Jammer beschäftigt, daß ich gar nicht auf ihn hörte und nach einer ganzen Weile erst merkte ich, daß er fort war. Ich sah mich ratlos um und sah ihn schon wieder eilig von der Höhe herabkommen. „Ich wollte nur mal sehen“, sagte er, „ob Sie noch hier sind.“ „Bitte“, sagte er hastig, „kommen Sie mir nicht nach, es ist besser Sie sind nicht dabei.“ Wieso?! Wollte ich fragen, „es ist doch mein Mann!“ Aber er war schon wieder eilig den Weg voran gelaufen.

      Da drängte sich alles Entsetzen, alle Schwachheit in mir zurück und ging ihm tapfer nach. Und bald stand ich vor den rauchgeschwärzten Ruinen des Gehöftes, — wenn auch die Morgensonne darüber lag, so wirkte es in dem Schmutz der Tauung und in den Resten seiner Vernichtung wie eine leibhaftige Anklage gegen die Sinnlosigkeit meines Lebens. Und da stand Herr Knebel neben einem dunklen etwas, das sich schwarz in die Schwärze des Bodens und der Asche schob. „Warum sind sie nicht geblieben, wo Sie waren“, herrschte er mich an. „Ich habe Ihnen doch gesagt, das ist nichts für Sie!“ „Dann hätten Sie mich erst gar nicht mitzunehmen brauchen“, sagte ich ruhig. „Ich bin die erste dazu, die meinen lieben Toten eine Handvoll Erde übers Grab streuen darf.“ „Ja, da wußte ich noch nicht...“ — „Was wußten Sie nicht?“ „Daß inzwischen Schweine hier gewildert haben“, sagte er brutal, aber ich fühlte, er wollte mich nur schrecken.

      Da lief ich an ihm vorbei und an dem dunklen Schatten vor ihm hinein in das Gemäuer der verbrannten Scheune und fand auf einem herabgebrochenen Balken zwei verkohlte Leiber liegen, die sich fest umschlungen hielten, an einem Fetzen Kleid erkannte ich mein Trautchen. Da fühlte ich, wie ein Zittern nach meinem Herzen griff, es wurde mir schwarz vor den Augen und ich sank in die Nacht der Ohnmacht. Als ich wieder erwachte, fand ich mich am Wegrand wieder. Herr Knebel hat inzwischen getan, was getan werden mußte. — Er war gerade dabei einen Hügel herzurichten. Und ich weiß nun, wo der Hügel ist und wer darunter liegt. Mein Mann Reinhardt, mein Trautchen und Fräulein Kaiser und ein toter Russe, der an der Straße gelegen. Herz, Herz, was kannst du ertragen.

      Im Straßengraben, unweit wo ich gelegen, fand ich einige Papiere, die sich mein Mann als wichtig noch eingesteckt, — ich sammelte sie wie im Traum auf, und wie im Traum sprach ich noch mein Gebet über dem frischen Hügel. Aber mein Herz schrie: „Herr, Herr, — Du hast’s mit angesehen, — und hast’s geduldet!“ Da wir heimgegangen, machte sich Herr Knebel heftige Vorwürfe, daß er mich mitgenommen, und alle fingen an: Ich konnte ja nicht ahnen, daß... Ich aber sagte ihm, er solle sich keine Gedanken machen, es sei alles gut so. Ich hätte es ja gewollt.

      Dann sagte er noch, icl solle mich beim polnischen Bürgermeister melden, der brauche schreibgewandte Kräfte. Ich dankte ihm sehr, auch für alles, was er an mir getan, und von diesem Augenblick an wußte ich, daß wir leben würden. Und nun bin ich wieder in unserem Keller, in dem es so muffig riecht und der mir schon heimatlich vorkommt. Rosemarie und Frau Hiller empfingen mich mit großer Freude, und so hatte ich zum ersten Male wieder so etwas wie ein wenig Freude.

Ende Februar 1945

      Ende Februar: Die Tage gingen hin. Seit wir den Riegel an der Tür verschließen können, sind wir von unliebsamen Besuch verschont. Der Russe begehrt nur Einlaß, aber er bricht nicht ein. Wir leben von alten Kartoffeln und manchmal auch von etwas Eingemachten, wenn wir was finden; nebenan in der Waschküche können wir sogar etwas Feuer machen, und da es draußen taut, brauchen wir nicht mehr zu frieren.

      Und heute hatten wir eine kleine Freude. Als ich im Kohlenschuppen nach etwas Feuerung suchte, hörte ich’s piepen. Und sieh, ein Küchlein hatte sich da gerettet, zwar erbärmlich mager, aber doch ein Küchlein. Mit einem Freudenschrei stürzte ich darüber und Frau Hiller hat es dann zurechtgemacht, und zum Mittag hatten wir dann seit langem wieder ein paar Fettaugen in der Suppe.

      Ich gehe nun täglich zur Bürgermeisterei, die in der Moltkestraße untergebracht ist, da wo auch der russische Arzt wohnt. Ich habe nun einen Propusk — einen Ausweis — und kann mich ein wenig freier bewegen. Und da ich arbeite, bekomme ich auch eine Lebensmittelkarte, auf die es zwar nur ein Stückchen Brot gibt und ein wenig Suppe, aber das Brot bringe ich immer nach Hause mit, und jedesmal wird eine kleine Gabe mit Freuden empfangen.

      Zwar muß ich immer an einem Posten vorbei, und immer zittern mir die Knie, wenn er mich barsch nach meinen Papieren fragt, aber allmählich gewöhnt man sich auch daran. Neulich schlich ich mich, obwohl es verboten ist, wieder einmal an die Ruine unseres Hauses, in den Keller. Aber ich sah gleich, da war nichts mehr zu holen, der ganze Boden war aufgebrochen und durchwühlt, — aber es schmerzte mich nicht. Ich bin nun so weit, daß mir irdische Werte wenig bedeuten.

      Und das Wenige sind meine Handtasche und die beiden Kleider, die ich immer auf dem Leibe Trage. Lasse ich eines daheim, ist’s auch schon so gut wie gestohlen, denn Frau Hiller und Rosemarie können nicht immer unseren Keller bewachen, manchmal müssen sie in den Stall oder nach oben, wenn das auch nur wenige Schritte sind, so genügt die kurze Abwesenheit doch für einen Diebstahl oder gar Einbruch, was bei uns dasselbe ist.

      In der Bürgermeisterei bin ich mit noch einer Hilfskraft dabei, die Namen der restlichen deutschen und der zugezogenen polnischen Bevölkerung zu erfassen, meistens sind diese ja ehemalige Volksdeutsche, die jetzt wieder ihr polnisches Herz entdeckt haben. Auch unser Bürgermeister scheint zu dieser Gattung zu gehören. Und anscheinend hat er viel Zeit: Er sitzt den ganzen Vormittag an seinem Platz und beobachtet uns hinter der vorgehaltenen Hand Anfangs war uns das geradezu unheimlich, doch da er gar nichts sagt und uns gewähren läßt, achten wir nicht mehr auf ihn. Gekocht wird in der Küche nebenan.

Ostern — 1. April 1945

      Ostern 1945: Nun ist das liebe Osterfest gekommen, ein strahlend schöner blauer Himmel wölbt sich über der zertretenen, geschundenen Erde, und die Luft geht warm und mild. Früher sind wir dann immer mit den Kindern durch die Felder gezogen, haben die ersten Leberblümchen und Veilchen mit nach Haus genommen. Und wenn das Wetter so schön war wie diesesmal, konnten die Kinder im Freien auch ihre Ostereier suchen.

      Ach, nicht mehr daran denken! Und dennoch gehen die Gedanken immer wieder zurück in das geliebte Einst. Seit einigen Wochen sind in unserer Gegend die gefangenen Franzosen zusammengezogen, soweit sie sich von den Russen überrollen ließen und bei ihren Arbeitgebern ausharrten bis zuletzt, und das waren nicht wenige. In unserem Städtchen sind es wenigstens zweitausend, es wimmelt nur so von braunen Uniformen.

      Sie sind zu uns Deutschen freundlich und hilfsbereit und was noch wichtiger ist, — auch freigiebig. Von dem Wenigen, was sie besitzen, geben sie uns oft ab, und manchmal kam Rosemarie freudestrahlend heim mit einem Stückchen Brot oder gar etwas Schokolade. Diese Franzosen wollen nun das Osterfest auf ihre gewohnte Weise und sehr festlich begehen. Sie haben unsere Kirche, die nur wenig beschädigt war und bisher als Pferdestall und Depot diente, aufs schönste wieder hergerichtet, wenigstens erzählte mir das Rosemarie, und so wollen wir drei uns auch den Gottesdienst ansehen und anhören. Wir werden ja nicht viel verstehen, aber ich denke, auf diese Weise kommen wir doch zu ein wenig Osterfreude.

      Nachmittags: Und so haben wir drei uns — immer in Angst vor einem Posten — durch die Hintergassen zur Kirche geschlichen. Wir wagten aber nicht hineinzugehen, denn sie war übervoll von Franzosen, und so blieben wir an der Tür stehen und lauschten den Klängen der Orgel und dem Sprechgesang des Priesters. Ach, fragt mich nicht, wie viel Erinnerungen mich bestürmten, wie meine gequälte Seele zum Schöpfer schrie — uns dreien rannen die Tränen wie die Bächlein.

Mitte April 1945

      Mitte April: Heute besuchte uns Herr Knebel und teilte uns mit, daß sich die deutsche Bevölkerung, soweit noch vorhanden, draußen in der Neumühle sammeln und da auch ihre Unterkunft nehmen solle. Teils um sie dort leichter zur Verfügung zu haben, teils auch deshalb, weil man den kärglichen Wohnraum in der Stadt dringend anderweitig braucht. Morgen wollen wir dann wandern, und ich fühle, wie mein Herz an diesem elenden Stückchen Kellerraum hängt. Frau Hiller geht es gewiß ebenso, nur Rosemarie freut sich.

      Einen Tag später: Anderntags sind wir dann mit unserer geringen Habe losgezogen; dazu gehört: Unser kleiner Handwagen, einige Betten, die wir kürzlich in einem Haus am Bahnhof fanden und etwas Geschirr, ganz arm sind wir also nicht. Bis zur Neumühle ist es ja nicht weit, vielleicht 3 km, aber der Weg ist ein Feldweg und für unseren kleinen Wagen nicht sehr geeignet. Immerhin, mit Kraft, List und Geschick kamen wir durch, nun sind wir in diesem idyllischen Stückchen Erde.

      Ringsherum, auf Wiesen und Hügeln, auf Erlen und Weiden, das erste, zarte, schimmernde Frühlingsgrün. Am Wehr rauscht der Bach [das von Woldenberg kommende Mehrenthiner Fließ] und die Lerchen jubeln. Die Mühle selbst aber ist schon ziemlich überfüllt, denn mit uns und vor uns sind schon viele Einwohner gekommen, und uns empfing man mit Anteilnahme und stiller Wehmut. Und die Tränen flössen, — nicht nur bei uns.

      Wir bekamen Quartier in einem der vielen Speicherräume, Jutesäcke sind unsere Unterlage, und davon gibt’s glücklicherweise genug. Ich merkte gleich, daß sich unter den Einwohnern der Neumühle Gruppen und Grüppchen gebildet haben, deren Mitglieder sich gegenseitig mit dem Wenigen, das sie noch besitzen, ergänzen. Es spielt dabei also nicht Haß noch Liebe, sondern wirtschaftliche Erwägung mit. Der eine hat noch ein Tütchen Mehl, der andere einen Beutel Salz gerettet, dieser einige Bestecke, jener ein paar Schüsseln.

      Wir, Frau Hiller, Rosemarie und ich, sind uns selbst genug und bilden eine Gemeinschaft für uns, und während ich täglich den weiten Weg zur Bürgermeisterei pilgere, führen die beiden unseren winzigen Haushalt. Jeden Tag muß ich dabei unter der Eisenbahnunterfuhrung hindurch, jeden Tag muß ich zweimal dem russischen Posten meinen Propusk vorweisen, und jeden Tag schlägt mir das Herz in Angst und Schrecken, wenn er mit rauher Stimme und Mißtrauen in den glitzernden Augen meinen Ausweis abfordert. Er kennt mich nun doch schon, er weiß, wer ich bin und wo ich arbeite, aber nie erlischt dieses Mißtrauen, nie meine Angst.

Anfang Mai 1945

      Anfang Mai 45: Da ich heute von meinem Dienst nach Hause, das heißt also, zur Neumühle, gehen wollte, hörte ich auf einem verlassenen Gehöft eine einsame Ziege meckern, — sofort schoß es mir durchs Gehirn: Da ist Milch für die Kinder. Und gleich darauf fing ich sie ein, ach, es war ein verhungertes armseliges Gerippe, aber das machte mir keinen Kummer. Einen Strick holte ich mir auch aus der Wohnung, und so zog ich das Tier, das heftig widerstrebte, mit mir fort. Indem kam eine Polin und zeterte sehr und schrie, sie könne die Ziege noch gebrauchen, aber ich dachte: Schrei du nur, ich habe auch Kinder, und die liegen mir näher als deine! So verhärtete sich das Gemüt.

      Aber ich dachte ja nicht an meine Rosemarie, sondern auch an die anderen Kleinen, die da waren, und denen ich gewiß von der Milch abgeben wollte. — wenn. — Das Euter schlackerte so leer hin und her, denn das Tier sträubte sich sehr, mir zu folgen, es wollte immer in die andere Richtung. So war es für mich eine reine Tortur, bei meinen schwachen Kräften, und jetzt kommt es mir wie ein Wunder vor, daß ich das überhaupt geschafft habe. Aber als ich dann mit ihr — die letzten hundert Meter ging es schneller, denn das Tier roch den Stall — als ich mit ihm in die Mühle trabte, empfing mich lautes Freudengeschrei, und das war der Lohn für meine Mühe. Und nun haben wir täglich etwas Milch, wenn es auch nur ein halber Liter ist.

      Wir leiden sehr unter Läusen und Wanzen. Im Sonnenschein sitzen Männlein und Weiblein und suchen ihre Kleider nach den üblichen Quälgeistern ab, aber es hilft nur wenig, denn die Strohsäcke und Decken sind voll von ihnen. Und nie werde ich wohl das Bild der kleinen zarten, kleinen Apothekerin los, die in einem Trog ihr einziges, zerfleddertes Hemde wusch, und ihren Rücken der Sonne bot, daß die sie heile, — denn sie leidet an einem riesigen Geschwür, und niemand kann helfen. Wie muß die Ärmste leiden!

      Heute sind am Wehr zwei Leichen angetrieben, ein Mann und eine Frau. Sie waren mit einer Wäscheleine zusammengebunden, und sahen nicht mehr gut aus durch die lange Zeit, die sie im Wasser gelegen. Aber ich habe so viele Leichen gesehen, daß es mich nicht erschaudert. Und als die Männer die beiden herausgezogen hatten, erkannte ich in ihnen ein Lehrerehepaar. Und auch die anderen sahen es, — war ein bekannter Imker, mit dem mein Mann in guten Tagen oft lange Fachgespräche geführt. Hinten am Abhang haben wir sie begraben. Gestorben ist nun auch der Lehrer Riedel, an einer Lungenentzündung, die der durch den Hunger geschwächte Körper nicht mehr aushielt. Er schlief still in einem Winkel auf seinem Strohsack ein, sein letztes Wort war: — Zu Muttern!

      Und da es nun Frühjahr ist, sterben die Menschen wie Fliegen, — Mann, Kind, — ohne Ausnahme, und wer vorher am gesündesten aussah, fällt zuerst. Wohl jeden Tag begraben wir einen, es erregt schon gar kein Aufsehen mehr. Die schmale Kost, Wasserkohl, oft nur gekochte Kartoffelschalen, oft nur Brennesselsalat oder solcher aus Melde. Und wenn wir Älteren schon leiden, so leiden wir mit den Kindern noch mit, die blaß und hohläugig durchs Lager schleichen, und mir wird jedes Mal weh ums Herz, wenn ich Rosemarie ansehe, denn unser bißchen Ziegenmilch ist ein Tropfen auf den heißen Stein, denn sie muß ja unter viele noch geteilt werden.

      Erschütternd für uns alle war der Tod der kleinen, schwächlichen Apothekerin. Tag für Tag hatte sie ihren Mann angebettelt, angefleht, — ihr doch ein Mittel zu geben, das sie erlöst von ihren Qualen. Und auch wir stimmten in ihr Bitten ein, und schließlich konnte er den Jammer nicht länger mehr mit ansehen und gab ihr das, was er für den letzten Fall aufbewahrt hatte. Wir wußten nicht, merkten es dann aber bald. Sie, die immer vor Schmerzen wimmerte und weinte, lag plötzlich da mit selig verklärtem Gesicht und Augen, die weit in die Ferne gingen. Unendliche Ruhe und Glückseligkeit gingen von ihr aus, und wir meinten schon, es sei dies die Krisis, und werde noch alles gut mit ihr. Da richtete sie sich plötzlich auf, ohne jeden Schmerzenslaut, leise nur flüsterte sie „Wie ist das schön!“, und sank zurück und war nicht mehr.

      Auch sie fand ihr Grab am Hügel, wo so viel Rotdorn blüht. Not und Elend hat uns hier in der abgelegenen Mühle zu einer großen Familie gemacht. Vergessen sind aller Zwist und alle Streitigkeiten, sollten sie je geherrscht haben, und manch einer, den man vorher kaum beachtet, wächst hier jetzt zu einer Größe, die jeder bewundert. Wieviel Wohltäter und Christen im wahrsten Sinne des Wortes sind es, die es still und kein Aufhebens von ihrer Güte machen!

Anfang Juni 1945

      Einen Monat später: Ich schreibe dies einen Monat später, da ich von schwerer Krankheit genesen, aus tiefster Dankbarkeit heraus, und aus innerstem Glück, diese Welt, so jammervoll sie ist, noch zu erleben. Meine erste Gallenkolik bekam ich eines Morgens in der Bürgermeisterei. Mühsam nur schleppte ich mich nach Hause, der weite Weg bis zur Mühle wurde mühsam. Dort sank ich auf mein Lager, und obschon mich Frau Hiller und all die anderen mit heißen Kartoffelbreiumschlägen und guten Zuspruch betreuten, mehrten sich die Anfälle und ich litt schrecklich.

      Schon wenn jemand am Fenster vorbeiging oder wenn Rosemarie ein wenig laut das Zimmer betrat, schrie ich vor Schmerzen. Ich aß nicht mehr, ich trank nur wenig, und eines Tages war es denn so weit, daß mir alles völlig gleich war, daß ich dachte, es gebe nun nichts Schöneres mehr, daß ich sterbe, um endlich von dieser Qual erlöst zu sein.

      Da erwies sich die junge Frau unseres Brunnenbauers als Hilfe in der letzten Not. Sie, die sonst unscheinbar neben uns hergelebt hatte, in guten Zeiten wenig beachtet, sie kam eines Morgens mit unserem Handwagen daher, belud ihn resolut mit Bett und Kissen, obenauf kam ich und zog mich mutterseelenallein, denn niemand, auch Frau Hille nicht, traute sich mitzukommen, zog mich allein in die Stadt ins Krankenhaus. Und wer weiß, wie Schreckliches wir erlebten, weiß auch, was das für sie bedeutete.

      Im Krankenhaus war nun ein polnischer Arzt tätig, der gut deutsch sprach und sich sehr selbstlos meiner annahm. Medikamente hatte er zwar auch nicht oder nur wenig, aber seine Freundlichkeit half mir allein schon über den Berg. Hier erfuhr ich nur Menschlichkeit und Güte. Als ich dann, nach Wochen, wieder in der Mühle angewankt kam, starrten alle mich an, als sei ich ein Gespenst, und ich muß wohl auch zum Erbarmen ausgesehen haben, abgemagert und heruntergekommen, und bei so viel Liebe geht es zwar langsam, aber doch stetig mit mir bergauf.

Im Juni 1945

      Im Juni 1945: Es ist ein heißer Sommer mit strahlend blauen Tagen ins Land gezogen. Oft sitze ich auf dem erlenbebuschten Hügel neben der Mühle, von dem man weit ins schöne Land sehen kann; sehe den schmalen Feldweg entlang, den wir in besseren Tagen zu Feiertagen oft gewandert, und über mir trillern die Lerchen.

      Ich weiß, seit einigen Tagen läuft unter uns Deutschen das Gerücht, daß hier unsere Bleibe nicht mehr lange sein wird. In einigen Dörfern der Umgebung sind schon, ganz plötzlich und ohne Ankündigung, ostpolnische Bauern angekommen, da mußte die restliche, deutsche Bevölkerung ebenso plötzlich das Feld räumen.

      Mir schnürt sich das Herz zusammen, denn es ist doch unsere Heimat, die nicht mehr unsere Heimat ist. Ich habe vorsorglich unser Wägelchen bereitgestellt, habe es mit dem Wenigen beladen, was wir wohl mitnehmen dürfen, mit Bett, Topf, Tasse und Löffel, und das werden sie uns wohl nicht wegnehmen. Meine zwei Kleider trage ich immer noch am Leibe, und unter den Kleidern will ich dieses Heft verstecken. In die Betten habe ich eingenäht, was ich damals am Straßenrand fand; Papiere meines lieben Mannes und meines Sohnes, — so ist für den Aufbruch alles vorgesorgt.




Um den 20. Juni 1945

      Und nun ist es soweit: Als letzte Deutsche verlassen wir unsere Heimat, die nicht mehr unsere Heimat ist, das gepeinigte, vertraute und verratene Land. Ich sitze auf einem Baumstamm vor einem verlassenen Bauernhaus in dem unser Treck für eine Nacht untergekommen ist, — glutrot geht hinter dem Walde die Sonne unter, daß es aussieht, als brenne das ganze Land.

      Um ein loderndes Feuer sitzen und kochen totmüde unsere Leute, manche schlafen gleich ein, und das ist kein Wunder, haben wir doch heute mit unseren kranken, ausgemergelten Körpern immerhin an die zwanzig Kilometer geschafft. Frau Hiller und Rosemarie sitzen erschöpft auf unserem Wägelchen. Die polnischen Begleitpersonen unterhalten sich laut und spielen Karten. Sie sollen uns beschützen vor Gesindel aller Art, aber meist sind sie es, die unsere Armseligkeiten mit gierigen Augen mustern, und wenn die Nacht kommt, ist keiner sicher vor gelegentlichen Durchsuchungen seines Gepäcks. Und man sollte es nicht glauben, daß auch die bitterste Armut noch Liebhaber findet.

  Woldenberg/Dobiegniew -- Das zerstörte Zentrum um 1955
^   So abgeräumt war’s Woldenberg Ende Juni 1945 noch nicht, als die zurückgebliebenen Deutschen ganz schnell ‚abreisen‘ mußten. Da standen noch die vielen Ruinen im Zentrum der Kleinstadt. Dieses Foto entstand erst um 1955. Der Trampelpfad rechts ist die frühere Schulstraße.   (Repro: 2011 – khd)
      Doch will ich von vorne berichten. Gestern morgen, das war ein blauer Sonntagmorgen [Ed: wohl der 24. Juni 1945] und keiner von uns dachte an Arges, kamen plötzlich Wachposten auf den Hof der Mühle. Polen, die musterten uns mit harten Augen und schrieen und drängten uns zum Aufbruch und Eile; und da wir um etwas Aufschub baten, hohnlachten sie und sagten, die verfluchten Deutschen müßten nun alle aus dem Lande, denn das sei polnisch von Anbeginn, und sie uns als letzten Gruß noch einen Fußtritt auf die Reise mitgeben.

      So hasteten und quirlten wir durcheinander, denn in einer Viertelstunde sollte alles bereit sein. Jeder hatte noch eine Kleinigkeit, etwas, was ihm in der Not der Tage ums Herz gewachsen war, das wollte er nicht zurücklassen. Unser Wägelchen aber stand ja bereit, und so brauchte ich nur das geringe Bettzeug oben aufpacken, noch ein Blick, ein trauriger in die Runde, — und unser Zug setzte sich in Bewegung.

      Und da wir vor die Stadt kamen, standen am Wäldchen schon die ostpolnischen Bauern mit ihren Panjewagen und ihrer genauso ärmlichen Habe. Auch sie waren ja aus ihrer Heimat vertrieben, und mit stumpfen, gleichgültigen Gesichtern sahen sie in das Land, das fortan ihre neue Heimat sein sollte.

      Der erste Tag sah uns noch leidlich frisch und hoffnungsvoll, wir gruben am Wege die Mieten aus und kochten uns am offenen Feuer Kartoffeln. Aber schon in der Nacht starben unser alter Fischereipächter und ein Arbeiter aus der Nordmauerstraße. Wir haben sie in den Straßengraben gelegt und still ein Gebet gesprochen und zogen weiter. Als nächstes wird wohl ein Kind, ein zwölfjähriges Mädchen sterben, — es hat Fieber und ein abgezehrtes Gesicht, und wir haben keine Hilfe, kein Medikament, den Polen aber ist es nur recht, wenn unser Haufen kleiner wird. Das Kind ist gestorben, — wir haben es hinter dem Walde verscharrt.

      Nur kurze Ruhe finde ich, um in ein paar hastigen Zeilen niederzuschreiben, was der Tag mit sich bringt, — Qual des Wanderns in der glühenden Sonne, Durst, Hunger, Läuse, und des nachts Kälte, die einen bis ins Mark dringt. Dann schauderndes Erwachen aus kurzem Schlaf, denn oft nächtigen wir unter freiem Himmel, und wenn wir uns auch zusammendrängen wie eine Herde Schafe, so ist es kein Schutz für die Kälte von unten und oben. Und jeden Tag Tote — Tote! Das erregt schon gar kein Aufsehen mehr, kurze Rast am Straßenrand, ein Gebet, und weiter drängen unsere Wachposten.

      So schleichen wir dahin, ein Zug Elender, eine Horde abgerissener, abgestumpfter Gespenster. Wald, Wiese ziehen an uns vorbei, wir sehen nur den Staub der Straße und fühlen unsere wunden Füße. Kartoffeln sind im großen und ganzen unsere Nahrung, die wir uns aus den Mieten hervorkratzen, Melde und Brennnesseln. Die eingewanderten Polen geben nichts, denn sie haben selber nichts, so sehen sie uns scheel kommen und froh gehen. Ab und zu kommen wir aber an einem Gehöft vorbei, da wohnt noch eine deutsche Familie, manchmal nur noch eine Frau, ein Bauer. Scheu kommen sie dann zu uns heran, scheu teilen sie ihr karges Stückchen Brot aus, und oft ist’s nicht mehr als ein Eimer Brunnenwasser, — und doch ein Labsal für uns.

      Heute wanderte ich ein Stückchen Weges neben einem hochbepackten Gefährt mit, ohne in der Mühsal des Weges darauf zu achten, wer da oben saß. Plötzlich weckte mich aus meinem Trott eine leise, müde Altfrauenstimme, — „Ach Frau Brandes, hätten Sie wohl noch ein Stückchen Brot?“ Es war unsere ehemalige Gutsbesitzerin aus dem Nachbardorfe Kranzin, — jetzt ein Schatten ihrer selbst, hohläugig und zum Erschrecken abgemagert. Und sie schwieg auch gleich wie eine ertappte Sünderin still, als ihre Schwägerin, ebenso abgemagert und elend wie sie, ihr strafend zurief: „Wie soll Frau Brandes noch Brot haben, Du weißt doch, wir haben alle nichts.“

      Es ist nur ein kleines Gespräch am Wege, das ich hier hersetze, aber es enthält alles, was ich hier nicht gesagt habe, all unsere Not, all unseren Kummer. Am Abend haben wir dann die alte Dame begraben, und es hätte mir die Seele zerrissen, wenn ich ihr etwa von meinem Brot nichts abgegeben hätte, aber ich hatte ja nichts, seit drei Wochen nichts.

28. Juni 1945

      Am 28. Juni: Und nun sind wir endlich in Küstrin angelangt. Dort stürzten sich Polen wie die Geier auf unsere restliche Habe, rissen unsere Bündel vom Handwagen, zerstreuten das Wenige, das wir noch gerettet, durchsuchten auch unsere Betten, da aber Rosemarie so sehr weinte, ließen sie schließlich von uns ab, ohne unsere Papiere gefunden zu haben. Mich tastete mit schamlosen Griffen ein Wachposten ab, aber auch er fand dieses Büchlein nicht, meinen kostbaren Besitz.

1. Juli 1945

      Am 1. Juli 1945: Und nun sind wir in Deutschland! — Ich atme die Luft der Freiheit, ich kralle meine Finger in den heiligen Boden, der nun unsere Heimat ist und weinte... Wir sind ein elender Zug, der weit auseinandergezogen dahinwankt, — und siehe, — da wir uns nun am Ziel unserer schrecklichen Entbehrungen sehen, da wir in Deutschland sind, reicht bei vielen die Kraft nicht weiter.

      Sie brechen zusammen und sterben. Und will’s der Himmel, werd’ auch ich hier eingehen, zu jenen, die vor mir dahingegangen sind, denn mir ist hundeelend zu Mute. Frau Hiller ist, nach einem herzbewegenden Abschied, einen anderen Weg gezogen, zu Verwandten, die nicht in Berlin wohnen. Ich selber will mit Rosemarie dorthin. Ich glaube ich bin krank...

Vier Wochen später

      Nach vier Wochen: Ich brach damals zusammen und wäre gewiß am Wege liegen geblieben, denn wer sollte mir helfen, der nicht mit sich selber genug zu tun hatte. Und Rosemarie konnte nichts als um mich zu weinen. Aber wieder zeigte es sich, daß die am hilfsbereitesten sind, die die gleiche Not tragen.

      Es war eine ältere Frau, die ich nicht einmal dem Namen nach kannte, die hängte mein Wägelchen an das ihre und zog mich und Rosemarie und ihre kleine Habe die staubige Straße entlang. Und wenn es gar nicht mehr gehen wollte, zog sie erst das ihre weiter, um mich nachzuholen. Hier war jeder Dank zu gering, und ich konnte auch nicht danken, denn vor meinen Augen kreisten Straße, Wald und Wiese und die Birken wie ein Karussell umeinander. Mag’s der Himmel lohnen. Ich konnte es nicht.

Endlich in Berlin

      Und so zogen wir in Berlin ein, — abgerissen, verhungert, zerlumpt, krank, ein gespenstiges Abbild unserer Zeit. Denn daß die Leute, an denen wir vorüberzogen, nicht einmal den Blick hoben, um uns ein wenig Mitleid zu schenken, das war wohl das Grausigste an unserer Tragödie, denn das bewies die Not eines ganzen Volkes.

      Meine Verwandten sahen mich an, als sei ich ein Geist. Ich taumelte, ich wankte in ihre Arme, und Rosemarie mußte man von unserem Wägelchen heben, so schwach war sie. Und dann schliefen wir. Wir schliefen, schliefen drei Tage — drei Wochen — ich weiß nichts mehr.

      Da ich wieder bei klarem Bewußtsein war, sah ich den blauen Himmel, hörte die Amsel am Fenster schlagen, atmete, daß mein Herz noch schlug, und das war für mich das größte aller Wunder.



Ein Nachwort

[Editor-13.8.2011: Vor 66 Jahren ist das von Renate Brandes alles aufgeschrieben worden — auch die Anklage der Mächtigen, die diesen mörderischen Krieg anzettelten, ohne an die unmenschlichen Folgen für die Zivil-Bevölkerungen zu denken.

Wir Kriegskinder haben uns damals nach dem Zweiten Weltkrieg geschworen, alles zu tun, daß nie wieder Krieg entstehen darf. Aber konnten wir das wirklich leisten? Auch wenn es hierzulande friedlich wurde, gab es seit 1945 weltweit immer wieder Kriege. Und immer wieder waren es die einfachen Menschen, die darunter besonders stark leiden mußten. Sie waren immer wieder das Korn, das zwischen mächtigen Mühlsteinen zermahlen wurde.]



Anmerkungen / Remarks of the Editor:     [Translation-Service]

1) ^  Der hier dokumentierte Text des Tagebuchs der Renate Brandes wurde 2011 in der Rau-Sammlung gefunden (Seite 117–130). Leider werden dort keine weiteren Angaben über die Autorin gemacht. Unklar ist derzeit auch, wann und wo das Manuskript erstmals veröffentlicht worden ist. Vermutlich war das Anfang der 1950er-Jahre. Unleserliche Stellen wurden hier durch ein [?] ersetzt.

2) ^  Die Autorin ist die Ehefrau des Woldenberger Rechtsanwalts Reinhard(t) Beyer. Brandes ist vermutlich ihr Mädchenname oder ein nach 1945 für die Veröffentlichung ihres Berichts gewähltes Pseudonym. Um 1925 wohnte die Familie Beyer lt. Adressbuch in der Bismarckstraße 3. Ob sie dort auch noch 1945 wohnten, ist derzeit unklar.

3) ^  Alle Fotos wurden aus dem Woldenberg-Fundus ausgewählt und hier redaktionell hinzugefügt. Sie sind im Originaltext nicht enthalten.

4) ^  Das war das Städtchen „Woldenberg“, das seit 1938 zu Pommern gehörte. Vorher gehörte es Jahrhunderte zur brandenburgischen Neumark.

5) ^  Nach aller Überlieferung läuteten die Woldenberger Glocken bereits am Freitag, den 26. Januar 1945 gegen 24 Uhr (Mitternacht). Die Flucht der meisten Woldenberger per Eisenbahn nach Westen begann dann in der Nacht zum 27. Januar 1945. Und so wird wohl das, was Frau Brandes unterm 28. Januar 1945 berichtet, schon am 27. Januar passiert sein.

6) ^  Gemeint ist mit „großer Heerstraße“ die Reichsstraße Nr. 1, die vom Dorf Hochzeit kommend durch Woldenberg (Richtstraße) und weiter nach Friedeberg, Landsberg und Küstrin führte.

7) ^  Die Familie Brandes waren von Woldenberg nach Norden ins nahe Dorf Klosterfelde ausgewichen. Sie konnten nicht wissen, daß die Panzer der Roten Armee von Hochzeit kommend nördlich von Woldenberg über Lämmersdorf und Klosterfelde vorstießen. In den Abendstunden des 29. Januar 1945 begann dieser Vorstoß der russischen Panzer in Hochzeit [mehr]. Und so waren sie ausgerechnet im eigentlich abseits gelegenen Dorf Klosterfelde vom Regen in die Traufe der ‚Panzer- Spitze‘ geraten.

8) ^  Eigentlich kann das nicht an der Ostmauer gewesen sein. Denn sonst ist die weitere Schilderung von Örtlichkeiten in der Reihenfolge nicht logisch. Vielleicht meinte die Autorin einen Keller an der Nordmauer in der Nähe des Trockenplatzes. Das wäre plausibler, denn ein solcher wäre von der Klosterfelder Chaussee leichter erreichbar gewesen. Um zur Ostmauer zu gelangen, hätte die gesamte (zerstörte) Stadt gequert werden müssen.

9) ^  In seinem Buch „Pommern 1945“ hat der Historiker Helmut Lindenblatt diese Stelle aus diesem Tagebuch-Bericht der Frau Brandes zitiert.

10) ^  Die Neumühle (heute: Nowy Mlyn) liegt etwas südöstlich von Woldenberg am Mehrenthiner Fließ. Vom Niedertor führt der Mehrenthiner Weg und ein Feldweg dorthin. [Karte] [Geschichte der Neumühle]

11) ^  Die „letzten“ Woldenberger waren sie wohl nicht, denn aus den Aufzeichnungen von Ernst Prochnow wissen wir heute, daß das Gros der noch in der Stadt lebenden Deutschen erst am 1. Juli 1945 in Richtung Oder aufbrechen mußte. [mehr]




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