Datum/ Zeitraum |
Tag |
Uhrzeit |
Was passierte? |
√ |
Quelle |
Anm. |
|
1 9 4 3 |
|
| 02.02.1943 |
|
|
Die mörderische Schlacht von Stalingrad
endet mit einer Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Das ist der psychologische Wendepunkt des
2. Weltkriegs (19391945)
und Schlußpunkt des Vordringens des deutschen Militärs in der Sowjetunion. |
|
Wiki- pedia |
22)
25) |
| 01.03.1943 |
Mo |
21.30 |
Am Abend gibt es in Berlin einen sehr schweren Bombenangriff. Wir gehen
schnell in Bäcker Steinkes Keller (Hubertusallee 10) und haben furchtbare Angst, denn alles
schwankt, und es knallt ganz fürchter- lich. Durch den Luftdruck der Bomben- Explosionen wurde unsere
Wohnung arg demoliert. Alle Fensterscheiben waren rausgeflogen überall lagen Scherben und
Splitter. In der Nachbarschaft fielen sogar Phosphor- Kanister. Ich (khd) habe die ganze
Nacht nicht mehr geschlafen. |
|
Mu-Bu1 + Erinn
+ Mu3 |
|
| 02.03.1943 |
Di |
|
Gleich früh bringt Mutter mich und meinen Bruder zur Oma
nach Woldenberg, wo wir
bereits vom Oktober 1940 bis Januar 1942 zusammen mit Mutter wg. der britischen Luftangriffe auf Berlin
verbracht hatten. Aus der zum Bahnhof Zoo fahrenden ‚Elektrischen‘ sehe ich, daß die
getroffenen Häuser in der Gillstraße noch immer lichterloh brennen. Diese Bilder werde ich
nie vergessen. |
|
Mu-Bu1 + Erinn |
|
| 19431945 |
|
|
So blieben wir Kinder bei Oma und unserer Tante Grete im
(ver- meintlich) sicheren Woldenberg, wo ich am 2. August 1943
in die Schule kam. Unsere Mutter besuchte
uns öfter. Sie hatte damals in Berlin viel zu tun. |
|
Mu-Bu1 + Erinn |
|
| 00.08.1943 |
|
|
Ostdeutschland ist für die amerikanischen und britischen Bomben- Flieger
kaum erreichbar (wg. deren geringer Reichweite). Deshalb werden 1943 vor allem die Kinder aus
bombenbedrohten Ballungs- gebieten Westdeutschlands in die Gebiete östlich von Oder und Neiße
evakuiert. Woldenberg erhält die Bochumer aus dem Ruhrgebiet. Ich (khd) komme daher in
die 1. Klasse der Volksschule zu den Bochum-Kindern. |
|
Erinn |
|
|
1 9 4 4 |
|
| 31.07.1944 |
|
|
Nachdem die Rote Armee die deutsche Heeresgruppe Mitte
zerschlagen hat, befindet
sich die Ostfront etwas östlich vor Warschau und an der Weichsel. Die Wehrmacht ist seitdem nur noch
zu hinhaltendem Widerstand gegen die Rote Armee fähig. |
|
Wiki- pedia |
0)
23) |
| 00.09.1944 |
|
|
Das Woldenberger
Schulgebäude wird angesichts der näher rückenden Ostfront zum Lazarett umfunktioniert.
Die Schule muß in den vorderen Teil des
Baracken-Lagers an der Friedeberger Chaussee hinterm Gehege auf der anderen Seite der Stadt
umziehen, womit mein täglicher
Schulweg durch den (morgens unheimlichen) Wald führt. |
|
Erinn |
|
| 19.11.1944 |
So |
|
Unsere Mutter bringt im Woldenberger Krankenhaus unser Schwesterchen
zur Welt ein Sonntagskind! |
|
Mu-Bu1 + Erinn |
|
| 30.11.1944 |
Do |
|
Mutter kommt mit dem Baby nach Hause (Friedeberger Str. 10). Sie
muß aber im Bett bleiben, da sie hohes Fieber bekommt und noch so schwach ist. Im Laufe der
nächsten Wochen entwickelt sich bei ihr eine schwere Mastitis (Brust- Vereiterung), so daß
sie nicht stillen konnte. |
|
Mu-Bu1 + Mu2 |
|
| 00.12.1944 |
|
|
Vor Weihnachten wird auch in der Kleinstadt Woldenberg viel über eine
mögliche Flucht vor den Russen gemunkelt. Sie sollen immer näher kommen. Am 22. Juni 1944
hatte die Rote Armee ihre Großoffensive gegen Deutschland gestartet. |
|
Erinn + DFunk1 |
|
| 16.12.1944 |
Sa |
|
In ihrem Weihnachtsbrief an ihre Eltern und Geschwister in Schlangen
entwickelt Mutter eine fast prophetische Fähigkeit. Sie schließt den Brief mit:
Gleichzeitig allen ein gesundes neues Jahr. Hoffentlich bringt es den
Frieden. 1945 brachte in der Tat den Frieden aber nicht so, wie sich das damals die
meisten wohl dachten . . . |
|
Mu2 |
|
| 21.12.1944 |
Do |
|
Dieses war wohl der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien. Daß es
aber auch der letzte Schultag in Woldenberg vor sehr langen, kriegsbedingten ‚Ferien‘ sein
würde, konnte ich (khd) nicht ahnen. Denn die Schule ging für mich erst nach dem Krieg im
Herbst 1945 weiter in Berlin-Grunewald. |
|
Erinn |
4) |
| 24.12.1944 |
So |
|
Weihnachten 1944 schon das 6. Kriegsweihnachten. Ich erhielt einen
wunderschönen Hausbaukasten mit echten Mauersteinen, kleinen Dachziegeln und Holzbalken. |
|
Erinn |
3) |
| 31.12.1944 |
So |
|
Sylvester: Auch wenn die Erinnerung daran nicht so gut ist, gab es am Abend
wie immer Mohnstriezeln von weißem Mohn, und wir spielten, bis wir müde waren.
Feuerwerk gab’s nicht in Kriegszeiten braucht man das nicht. |
|
Erinn |
|
|
|
|
Unser Fluchtweg von Woldenberg per Eisenbahn nach Berlin. Der D-Zug verließ Woldenberg am
27.1.1945 gegen 2 Uhr in Richtung Arnswalde/Stargard. Er fuhr bis Stettin, soviel ist sicher. Ob er dann
seinen Weg direkt über die Stettiner Bahn nach Berlin Stettiner Bahnhof nahm oder einen
Umweg weiter westlich via Pasewalk/Neu- brandenburg und die Nord-Bahn fuhr, ist (mir) unklar
geblieben. Die Fahrt dauerte 22 quälende Stunden!
Eingezeichnet ist auch der Ort Berlinchen, wo der Woldenberg-Treck am 29.1.1945 endete von den
Russen überrollt wurde, sowie Kienitz an der Oder, wo es den Russen bereits am 31.1.1945 gelang,
einen ersten Brückenkopf zu errichten. Bei den Ortsnamen östlich der Oder sind zusätzlich
die heute (2007) geltenden polnischen Namen angegeben. Übrigens, der an sich kürzere Bahnweg
nach Berlin über die Ost-Bahn war bereits viel zu unsicher, denn die Russen standen
unmittelbar bei Kreuz, wo dann auch noch die Lok hätte umrangiert werden müssen.
(Grafik: 2003 khd)
|
|
|
1 9 4 5 |
|
| 01.01.1945 |
Mo |
|
Neujahr: Zum Mittag gab es Karpfen in polnischer Soße, denn Oma
stand sich gut mit dem Woldenberger Fischer Rosengarten. Und weil es sehr kalt geworden war, gab’s
heißen Holunderbeersaft vorbeugend gegen drohende Erkältungen. |
|
Erinn |
|
| 07.01.1945 |
So |
abds. |
Da alle Hausmittel wie Kuheutersalbe bei der vereiterten und immer härter
werdenden Brust versagen, muß Mutter ins Krankenhaus zum Aufschneiden. Es gibt schon nicht einmal
mehr einen Krankenwagen, so daß ein netter Nachbar sie hochfiebrig hinfahren muß. |
|
Mu-Bu1 + Erinn |
|
| 08.01.1945 |
Mo |
früh |
Mutter wird sofort operiert. Es war kurz vor
‚Toresschluß‘... Und wir sind alle in sehr großer Sorge und fürchten um
ihr Leben (Antibiotika waren zwar erfunden, standen aber damals nicht zur Verfügung). |
|
Mu-Bu1 + Erinn |
|
| 12.01.1945 |
Fr |
|
An der gesamten Ostfront von der Memel bis an die Weichsel
beginnen die Sowjets einen Großangriff mit ungeheurem Material- und Truppeneinsatz. Sie erzielen
damit in nur wenigen Tagen sehr entscheidende Durchbrüche. Die Front kommt immer näher. |
|
Brauer (S. 52) |
|
| 18.01.1945 |
Do |
06.45 |
Mein Vater und meine andere Tante aus Berlin stehen plötzlich vor der
Tür. Sie sind mit dem Nachtzug aus Berlin gekommen und in Kreuz umgestiegen. Vater hat Sonderurlaub
erhalten und die Tante hatte sich den Arm gebrochen. |
|
Oma-Bf + Kb44 |
|
| 18.01.1945 |
Do |
23.00 |
Meine Großmutter schreibt an Mutters Vater in Schlangen/Lippe einen
Brief, in dem sie die aktuelle Situation beschreibt: Hoffentlich bessert sich bald
alles??!!!! |
|
Oma-Bf |
|
| 20.01.1945 |
Sa |
vorm. |
Mutter wird vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen. Denn dort sagt man
bereits, daß wohl demnächst geflüchtet werden müsse. |
|
Mu-Bu1 |
|
| 21.01.1945 |
So |
|
Nachdem mein Vater doch noch etwas Blei in der Stadt besorgen konnte (vermutlich
beim Herrn Ruda), haben wir in der Küche den ganzen Tag preußische Bleisoldaten in uralten
Zinngußformen im Sandbett gegossen, die noch auf dem Boden vorhanden waren. |
|
Erinn |
5) |
| 21.01.1945 |
So |
|
Im benachbarten Mehrenthin wird bereits für die
bevorstehende Flucht gepackt. In Woldenberg weiß man davon noch nichts, obwohl an diesem Tag
Bürgermeister Hemp das Codewort Regen erhalten hat. Es wurde aber 2 Stunden
später wieder zurückgenommen. Das Codewort sollte die erforderlichen Evakuierungsvorbereitungen
auslösen, und das persönliche Fluchtgepäck war bereitzustellen. |
|
Brauer (S. 55) +
LiBlatt (S. 74) |
|
| 22.01.1945 |
Mo |
vorm. |
Das Woldenberger Krankenhaus ist inzwischen bis auf ganz schwere Fälle
geräumt. |
|
Mu1 |
|
| 22.01.1945 |
Mo |
tags |
Seit heute reißt der Strom von mit Planen abgedeckten Treck-Wagen, die
aus Osten kommend durch Woldenberg nach
Westen in Richtung Oder ziehen, nicht mehr ab. Es wird wohl ernst. |
|
Erinn |
|
| 24.01.1945 |
Mi |
|
Gert Brauer (14 Jahre alt) beobachtet vor dem Woldenberger Partei- haus der NSDAP
Speditionsfahrzeuge, auf denen u. a. Akten verladen werden, was ein sicheres Signal war, daß
unmittelbare Gefahr bestand. |
|
DFunk2 + Brauer |
|
| 24.01.1945 |
Mi |
|
Zur Verteidigung der Neumark wird aus den Resten der 9.
Armee und anderen Truppenteilen die Heeresgruppe Weichsel gebildet. Als Befehlshaber wird
von Hitler der Reichsführer der SS Heinrich Himmler ernannt, der wenig von der Generalstabsarbeit
versteht. |
|
Mil- Forum |
0)
21) |
|
|
Das sind die Woldenberger Kirchenglocken, die am 26. Januar 1945 durch ihr Läuten um
Mitternacht das Signal zur Flucht vor den Russen gaben. Es war auch höchste Zeit, denn schon am 28.
Januar früh erreichten russische Panzer das Dorf Hochzeit an der Drage.
Die alten Glocken hängen noch heute im Turm der markanten Kirche. Fotografiert hat die Glocken
Wolfgang Bredereck aus Australien anläßlich einer Besichtigung von Dobiegniew mit
mühseliger Kirchturmbesteigung im Jahr 2005.
(Foto: 21.6.2005 bredwolf-Wol38)
[Wie die Russen Woldenberg zerstörten]
|
|
|
| 24.01.1945 |
Mi |
21.30 |
Frau Schaede (Besitzerin des Hauses Friedeberger Straße 10) kommt
herauf und sagt uns, wir sollen uns einige Sachen packen, wenn die Glocken läuteten
müßten wir flüchten. Es könne schon bald losgehen, es könne auch noch
Tage dauern oder überhaupt nicht geschehen. Daraufhin wurden schnell wenigstens die notwendigsten
Sachen eingepackt, wobei Vater half. |
|
Mu1 |
|
| 25.01.1945 |
Do |
|
Seit gestern Abend liegt der Eisenbahnknoten Kreuz unter
russischem Artilleriebeschuß. |
|
Vertr
Nr.45 |
0)
27) |
| 25.01.1945 |
Do |
08.00 |
Nahezu unbemerkt von den Woldenbergern beginnt die
Evakuierung des Woldenberger Kriegsgefangenenlagers OfLag-IIC. Tausende polnische Gefangene werden
auf den Marsch zur Oder geschickt. |
|
OfLag- Ber |
0)
31) |
| 25.01.1945 |
Do |
vorm. |
Oma erfährt in der Stadt, daß sich die Lage schon
gebessert habe. |
|
Mu1 |
28) |
| 25.01.1945 |
Do |
|
Im Sennelager bei Schlangen/Lippe macht sich die schwere
Panzer- Abteilung 503 der SS mit 39 (meist neuen) Tiger-II-Panzern auf den Weg nach Lage/Lippe, wo sie am
26.1.1945 auf die Eisenbahn verladen werden, um über Berlin an die Ostfront befördert zu
werden. Ihr Auftrag: Aufhalten der massiv vorrückenden Roten Armee. |
|
LexWM |
6) |
| 25.01.1945 |
Do |
nachm. |
Ich (khd) mache mit Vater vor seiner Abreise in seine Kaserne einen Spaziergang
durch das tief verschneite Woldenberg. Am Markt redet Papa mit Leuten (vermutlich waren es sogar
Parteileute), die er kannte, über die Gefahren-Situation. Sie kommen zum Ergebnis, daß wohl
keine so große Russen-Gefahr für Woldenberg bestehe, obwohl während des Gesprächs
reichlich Flüchtlingswagen dicht an uns vorbeifuhren . . . |
|
Erinn |
|
| 26.01.1945 |
Fr |
früh | Vater
verläßt früh mit der Eisenbahn Woldenberg, um über Berlin nach Hannoversch Münden (bei
Kassel) zu fahren. Sein Militär-Urlaub ist zu Ende. Das früh kann entweder 6.39
Uhr (Zug 706 in Richtung Stettin) oder 8.31 Uhr (Zug 709 in Richtung Kreuz) gewesen sein. |
|
Mu-Bu1 + Kb44 |
7) |
| 26.01.1945 |
Fr |
vorm. |
Oma kommt vom Einkaufen aus der Stadt und erzählt, wenn die
Kirchen-Glocken läuten, müssen alle zum Bahnhof, um die Stadt zu verlassen. Denn die Russen
seien nun nicht mehr weit entfernt. |
|
Mu-Bu1 + Erinn |
|
| 26.01.1945 |
Fr |
nachm. |
Unsere noch immer stark geschwächte Mutter rappelt sich aus dem Bett auf und
beginnt den Rest zu packen. Vor allem packt sie in den tiefen Brennabor unten reichlich
kleine Dosen Kondensmilch und Butterkekse sowie Windeln und warme Sachen. Denn es ist draußen sehr
kalt geworden so um die 25 Grad minus. |
|
Mu-Bu1 + Erinn |
|
| 26.01.1945 |
Fr |
nachm. |
Auch ich (khd) packte etwas von meinen Habseligkeiten ein. Es war klar,
meine ganzen Weihnachtsgeschenke, mein heißgeliebter großer Teddy und die wunderschönen
neuen Wanderstiefel mit Hakenösen mußten zurückbleiben. Aber einen Teil meiner neuen
Bleisoldaten mußte mit, weshalb ich sie in so eine kleine Feldtasche packte und fest versprach, die
schwere Tasche auch selbst zu tragen. |
|
Erinn |
12) |
| 26.01.1945 |
Fr |
nachm. |
Gert Brauer berichtet in seinem Buch, daß noch am späten Nachmittag die
NSDAP-Kreisleitung die Anweisung ausgab: Flucht kommt nicht in Frage. Wer davon spricht,
wird erschossen. Damit war den Woldenbergern jegliche Flucht auf eigene Faust bei
Todesstrafe verboten. |
|
Brauer (S. 53) |
|
| 26.01.1945 |
Fr |
abds. |
Wir Kinder sind früh schlafen gegangen. Denn es konnte ja sein, daß die
Glocken in der Nacht läuten. Und so kam es . . . |
|
Erinn |
|
| 26.01.1945 |
Fr |
abds. |
Eine größere Gruppe russischer Panzer hat sich
über Gornitz von der Netze kommend bis auf etwa 15 km dem Dorf Hochzeit am Drage-Paß
genähert. Sie warten dort auf weitere Befehle aus Moskau. |
|
LiBlatt (S. 54) |
0) |
|
|
In eine aktuelle Luftaufnahme des Bahnhofsviertels von Dobiegniew dem früheren Woldenberg
ist der von uns in der Nacht zum 27. Januar 1945 zurückgelegte Fußweg eingezeichnet.
Weit war es nicht. Aber es lag tiefer Schnee, in dem immer wieder der schwere Kinderwagen stecken blieb.
Und es war klirrend kalt.
Auf dem Foto ist auch zu erkennen, das das Schaedesche Wohnhaus noch heute vorhanden ist. Auch die
Gebäude an der früheren Bismarckstraße stehen noch alle. Und im dem Eckhaus (roter Punkt) lagerten in einem Laden die 1944 aus Berlin evakuierten
Möbel.
(Montage: 2007 khd) |
|
|
| 26.01.1945 |
Fr |
23.00 |
Woldenberg erhält von der Partei den Räumungsbefehl. |
|
BM Wbg |
|
| 26.01.1945 |
Fr |
24.00 |
Die Glocken der Marienkirche läuten zum Abschied, wie Wolden- bergs
Ex-Bürgermeister in seinem Bericht 1950 schreiben wird. Wir Kinder werden geweckt. Ich ziehe mich
schnell an und lege meine Tasche mit den Bleisoldaten bereit, denn wir sollen schon in einer halben
Stunde am Bahnhof sein. |
|
Erinn + BM Wbg
+ Mu1 |
12) |
| 27.01.1945 |
Sa |
01.00 |
Nachdem wir alle dick eingemummelt sind, verlassen wir Omas Wohnung in der
Friedeberger Straße 10 für immer. Wir stapfen durch den tiefen, knirschenden Schnee die
Eisenbahnstraße entlang zum Bahnhof. Auch wenn der Weg nicht sehr weit ist, hat Mutter doch mit dem
Schieben des überladenen Kinderwagen’ mit der 10 Wochen alten Baby an Bord zu
kämpfen. Den Schlitten mit den schweren Koffern zieht Tante Grete. Am Bahnhof steht bereits der Zug,
und wir erhalten noch Plätze in dem D-Zug. Hilfreiche Hände helfen, den schweren, sperrigen
Kinderwagen in den Zug zu hieven. |
|
Mu-Bu1 + Erinn
+ Mu1 |
26) |
| 27.01.1945 |
Sa |
01.30 |
Uns wird im Abteil kalt wir frieren entsetztlich. Tante Grete lief
daraufhin nochmals zurück zur Wohnung und holt die vorbereiteten Bettsäcke mit den Federbetten.
Als sie zuückkommt, war aber kein Platz mehr für die Betten im Zug. Sie muß sie auf
dem Bahnsteig liegenlassen, um selbst noch mit Ach und Krach in den Zug zu steigen. |
|
Erinn + Mu-Bu1 |
|
| 27.01.1945 |
Sa |
02.00 |
Total überfüllt fährt der Zug, bespannt mit einer Dampflok,
etwa gegen 2 Uhr in Richtung Stargard/Stettin ab. Als Ziel hat die Partei Anklam westlich der Oder
festgelegt, aber es kam anders. Wir Kinder sind dann wohl schnell eingeschlafen. |
|
Mu-Bu1 + Erinn |
8) |
| 27.01.1945 |
Sa |
08.00 |
Der Woldenberg-Treck der Bauern und Pferdehalter startet in
Richtung Arnswalde/Berlinchen mit dem Endziel Anklam. Er wird aber bereits am 29. Januar gegen 24 Uhr
in Berlinchen von den Russen überrollt. Durchkommt hingegen der kleine Treck der Bewohner des
Birken- hofs bei Woldenberg, da dieser bereits um 6 Uhr losfuhr und eine etwas andere,
nördlichere Route wählte, die über Arnswalde, Pyritz und Bahn zur Oder bei Greifenhagen führte.
[Skizze] |
|
BM Wbg + Brauer (S. 57) |
13)
17) |
| 27.01.1945 |
Sa |
|
In Berlin wird die Panzer-Abteilung 503 der SS in mehrere
Gruppen aufgeteilt, die zu unterschiedlichen Zielen gebracht werden. Eine Kampfgruppe mit 12 Panzern
wird in den Raum Arnswalde/Neuwedell (nördlich von Woldenberg) entsandt, der noch
‚feindfrei‘ war. |
|
LexWM |
6) |
|
|
Das ist der Woldenberger nun Dobieg- niewer Bahnhof im Jahr 2005. Von ihm fuhren in der Nacht
zum 27. Januar 1945 die Fluchtzüge über Stargard und Stettin in den Westen. Er sieht dort
bis auf frische Farbe und die Oberleitung am Bahnsteig noch so aus wie damals. Und
irgendwie kommt man auf die Idee, da müssen doch noch unsere zurückgelassenen Bettsäcke
liegen . . .
Fotografiert hat den Bahnhof Wolfgang Bredereck aus Australien anläßlich einer Besichtigung
von Dobiegniew im Juni 2005 60 Jahre nach 1945. In der
Dobiegniew- Galerie im Internet gibt es noch
mehr Fotos von Dobiegniew, dem früheren Woldenberg.
(Foto: 21.6.2005 bredwolf-Wol60)
|
|
|
| 27.01.1945 |
Sa |
tags |
Die Rote Armee befreit weiter im Südosten das Vernichtungslager Auschwitz,
wo die Nazis über 1 Million Juden ermordet hatten. Erst ab 1996 wird dieser Tag als Holocaust-Gedenktag
begangen werden. |
|
Fact |
|
| 27.01.1945 |
Sa |
tags |
Unser Zug hält immer wieder unterwegs auf freier Strecke an. Die
Ursachen dafür blieben aber unklar. Wir fürchten uns sehr davor, von britischen Tieffliegern
angegriffen zu werden. Wir haben aber Glück. |
|
Erinn |
|
| 27.01.1945 |
Sa |
12.00 |
Ein Treck aus dem Dorf Trebbin/Pm (südlich von
Schloppe im Kr. Dt. Krone) erreicht die Dragebrücke bei Hochzeit. Einer Eingebung folgend biegt der
Treck nach Norden in Richtung Zatten ab und fährt nicht in Richtung Woldenberg weiter, was ihn
vor dem Überrollen bewahrt. |
|
Vertr
Nr.46 |
0)
18) |
| 27.01.1945 |
Sa |
tags |
Als mühselig stellte sich das Babyflasche-Wärmen heraus. Erst mit
der Schnipseltechnik klappte es dann, denn unser Baby hat mächtig Hunger. Schwierig ist
auch die Wasserbeschaffung an den Bahnhöfen, denn viele Wasserleitungen sind eingefroren. |
|
Erinn |
9)
16) |
| 27.01.1945 |
Sa |
|
Die Brückenköpfe an der Oder in Schlesien
werden umkämpft. An der Netze steht der Feind bei Czarnikau und Schönlanke.
Schönlanke liegt nur 50 km Luftlinie entfernt östlich von Woldenberg. |
|
KTB |
|
| 27.01.1945 |
Sa |
??.?? |
In Stettin angekommen, erfahren wir, daß der Transport nun
über Berlin geht und es von dort vermutlich in die Hamburger Gegend weitergehen soll. |
|
Mu1 |
|
| 27.01.1945 |
Sa |
tags |
Der Zug war so voller Menschen, daß man nicht zum Klo durchkam. Wir
Kinder durften deshalb in eine leere Konservendose pinkeln. Wie das die Erwachsenen machten, weiß
ich nicht mehr vielleicht gingen sie ja bei einem Zughalt nach draußen. |
|
Erinn |
|
| 27.01.1945 |
Sa |
24.00 |
Endlich kommt der Zug nach rund 22 Stunden Fahrt in Berlin an am
Stettiner Bahnhof (später der Nord-Bahnhof). Mutter schreibt zwar, der Zug sei Umwege
gefahren. Aber das könnte allenfalls auf Branden- burger Gebiet passiert sein, nachdem er die
Oder in Stettin passiert hatte. [Skizze] |
|
Mu-Bu1 |
10)
7) |
| 28.01.1945 |
So |
00.00 |
Sofort nach Ankunft des Zuges heulen die Sirenen es gibt in Berlin
Fliegeralarm. Wir begeben uns schnell mit unseren wenigen Habseligkeiten in den nahen Postbunker, wo wir
auch schlafen können. Der Transport soll erst nachmittags weitergehen. |
|
Erinn + Mu1 |
|
| 28.01.1945 |
So |
|
Wohin die vielen Woldenberger aus dem Zug dann gegangen sind, ob sie
ausreichend betreut wurden und diejenigen, die in Berlin keine Verwandten hatten, eine erste Unterkunft
erhielten, das weiß ich nicht. Tatsache ist, daß nach 1945 in Berlin sehr viele
Ex-Woldenberger lebten. Sie fanden sich regelmäßig zu Heimat-Treffen
zusammen. |
|
Fact |
30) |
| 28.01.1945 |
So |
07.00 |
Es gibt eine tolle Betreuung durch das Rote Kreuz, oder war das die
NSV? Für mich (khd) sind die großen Stullen belegt mit Fleischwurst
(diese rote Fleischwurst mit mageren Fleischstücken drin) unvergeßlich. |
|
Erinn |
19) |
| 28.01.1945 |
So |
09.00 |
Die Rote Armee erreicht am Morgen das Dorf Hochzeit an der
Drage und nimmt es ein, womit sie rund 10 km vor Woldenberg steht. Deutsche Truppen wurden bei Wiesental
einfach rechts liegen gelassen. Zu größeren Kampfhandlungen kommt es nicht. |
|
ReiStr1 +
LiBlatt (S. 76) |
14) |
| 28.01.1945 |
So |
vorm. |
Wir wollen nicht rauf nach Hamburg oder Holstein. Aber wo nun hin? In
Grunewald ist die Wohnung leer, denn die alten Möbel sind ja im März 1944 nach Woldenberg
evakuiert worden. Auch wohnen dort in 2 Zimmern Ausgebombte aus der Nachbarschaft. Also sind wir mit
der Straßenbahn nach NO 55 (Weißensee) zur Wehlauer Straße gefahren, wo Tante Ruth in
einem Jugendwohnheim als Wirtschafterin arbeitet und eine kleine Wohnung hat. Es wurde dort sehr
eng. |
|
Erinn |
|
| 28.01.1945 |
So |
tags |
Panzer der Kampfgruppe der Panzer-Abteilung 503 der SS
werden in Kallies (Raum Neuwedell) ausgeladen und im etwas südlich liegenden Zatten zum Angriff
bereitgestellt. |
|
LexWM |
14) |
| 28.01.1945 |
So |
12.30 |
In letzter Minute macht sich die Familie Tacke mit einem
organisierten Lastwagen von der Wutziger Straße auf die Flucht über Friedeberg, Landsberg,
Küstrin nach Berlin.
[mehr] |
|
GB Wbg
(2009) |
0) |
| 28.01.1945 |
So |
|
Feindliche Panzer drangen bei Filehne über die
Netze. Filehne liegt rund 12 km östlich von Kreuz. |
|
KTB |
|
|
|
Das ist zwar nicht unser Fluchtzug, aber so ähnlich sah auch der Zug aus, mit dem wir in
der bitterkalten Nacht zum 27. Januar 1945 aus Woldenberg/Neumark vor den Russen nach Berlin
flüchten mußten. Und wir hatten noch Glück, denn anderenorts wurden die Menschen sogar in
Güter-Waggons (wie im Hintergrund) aus ihrer Heimat abtrans- portiert. Aus
Woldenberg fuhren insgesamt 5 Flüchtlingszüge in Richtung Westen.
Wir das sind Oma Marie (69), Tante Grete (45), Tante Ruth (43), Mutter (33), Karl- Heinz (7),
Wolfgang (4) und Heidelore (10 Wochen) sowie Trolly (Tante Ediths Spitz).
(TV-Shot: 2005 dw) |
|
|
| 28.01.1945 |
So |
abds. |
Spitzen der Roten Armee besetzen Woldenberg kampflos.
Dennoch wird die Stadt in der Nacht von angetrunkenen Rotarmisten angezündet. Die
Brände dauern bis zum Abend des 30.1.1945. Vom Stadtkern bleibt nur noch
ein
Trümmerhaufen übrig. |
|
ReiStr1 +
U-Saft |
|
| 29.01.1945 |
Mo |
|
Die Panzer-Kampfgruppe erhält vom Oberbefehlshaber der
Heeres- Gruppe Weichsel (SS-Reichsführer Himmler) den Befehl, zur Reichsstraße 1 zwischen
Hochzeit und Woldenberg durchzubrechen und der Roten Armee damit den Nachschub abzuschneiden. |
|
LexWM |
6) |
| 29.01.1945 |
Mo |
|
Kreuz ist in der Hand des Feindes, der nun an die
Pommern-Stellung herankommt. |
|
KTB |
|
| 29.01.1945 |
Mo |
tags |
Das fast leere Friedeberg wird von Spitzen der Roten Armee
besetzt. |
|
ReiStr1 |
|
| 30.01.1945 |
Di |
früh |
Im Morgengrauen erfolgt von Zatten aus der deutsche
Panzer-Angriff in Richtung Woldenberg. Er führt unter hohen Verlusten zur zeitweisen Unterbrechung
der Versorgungslinien der Roten Armee in den Raum Küstrin, hat aber vermutlich auch zur großen
Zerstörung Woldenbergs beigetragen, worüber in den Berichten aber nichts gesagt wird. |
|
LexWM |
6) |
| 30.01.1945 |
Di |
|
Der Feind steht jetzt vor der Oder-Warthe-Stellung.
Spitzen von ihm erreichen Berlinchen. In der Nacht zum 30.1.1945 wird der große Woldenberg-Treck
in Berlinchen von den Russen aufgemischt und Berlinchen angezündet. Flüchtlinge berichten
später von übelsten Übergriffen auf die Zivilisten durch marodierende Rotarmisten. |
|
KTB + BM Wbg +
Vertr |
|
| 30.01.1945 |
Di |
abds. |
Reichskanzler Adolf Hitler, der bislang das Deutsche Volk immer tiefer ins
Verderben führte, verspricht in einer Rundfunkansprache zum Jahrestag seiner
Machtergreifung (1933) den Einsatz von
Wunder- waffen, um doch noch den Endsieg zu erzielen. |
|
Erinn + DHM |
|
| 31.01.1945 |
Mi |
|
Kämpfe bei Landsberg und vor Berlinchen; der
Gegner drang weiter Richtung Soldin vor. Der Feind hat also die Absicht, Pommern durch einen Stoß
in Richtung Stettin abzuschneiden. |
|
KTB |
|
| 31.01.1945 |
Mi |
abds. |
Die Rote Armee erreicht ohne großen deutschen
Widerstand die Oder und errichtet bei Kienitz ihren ersten Brückenkopf. Die Oderquerung fiel
leicht, da der Fluß tief zugefroren war. Denn seit Weihnachten 1944 herrschte extremer Frost. Die
Tage der Nazis und von Berlin sind nun gezählt (noch 90 Tage). |
|
ReiStr1 |
20) |
| 01.02.1945 |
Do |
|
Befehl des SS-Reichsführers Himmler: Einstellung des
deutschen Panzergegenstoßes östlich Arnswalde auf Woldenberg. |
|
LexWM |
6) |
| 02.02.1945 |
Fr |
|
Das gesamte Ost-Brandenburg (Neumark) ist von den Russen
besetzt. Zurückgebliebene Deutsche werden später ausgewiesen werden. |
|
Fact + Vertr |
|
| 09.02.1945 |
Fr |
|
Mutter erhält von Opa aus
Schlangen ein
Telegramm: KOMME SOFORT MIT SCHWIEGERMUTTER UND
KINDERN NACH HIER = ELTERN. Mutter entscheidet sich gegen diesen sehr guten väterlichen Rat,
und wir bleiben alle in Berlin. |
|
Doc |
11) |
| 09.02.1945 |
Fr |
|
Und so werden wir bis zum 22. April 1945 in NO 55 in der
Wehlauer Straße 2030 in der Nähe des S-Bahnhofs Greifswalder Straße unter
ständiger Bedrohung von Flieger-Bomben leben, um dann nochmals vor den immer näher
rückenden Russen nun per Fuß quer durch das umkämpfte Berlin nach Grunewald
zu flüchten, was in höchstem Maße gefährlich war. |
|
Erinn +
Mu-Bu1 |
|
|
|
So sah damals ein typischer Flüchlings-Treck aus, der sich mühsam auf den tief verschneiten
und glatten Landstraßen bei minus 25 Grad in Richtung Westen quälte. Viele Trecks wurden von
der Roten Armee (Russen) überrollt so auch der Woldenberg- Treck, der erst am 27. Januar 1945
um 8 Uhr gestartet war. Da war unser Zug schon gut 6 Stunden unterwegs.
Diese Flucht war für Mensch und Tier (Pferde) eine Tortur, die viele nicht über- lebten.
Gert Brauer beschreibt in seinem Buch sehr
ausführlich, wie es ihm als 14-jähriger Junge, der schon den Pferdewagen lenken mußte,
auf ihrem Treck ergangen ist.
(TV-Shot: 2005 wdr) |
|
|
| 13.02.1945 |
Di |
abds. |
Heute erreicht der Wahn dieses Krieges, in dem der Terror gegenüber der
unschuldigen Zivilbevölkerung zur Waffe wurde, einen neuen Höhepunkt. Die Alliierten beginnen
mit einem Flächen-Bombardement Dresdens. In nur 3 Tagen wird dort das Leben von über 20.000
Menschen darunter viele Ost-Flüchtlinge ausgelöscht und die Stadt im
Bomben-Inferno zerstört. Wir erfahren erst in den nächsten Tagen durch die Nazi- Propaganda
im Radio von diesem militärisch (bis heute so) umstrittenen Angriff auf die Zivilbevölkerung
und die ganze Wahrheit erst lange nach dem Krieg, den wir nicht ‚bestellt‘ hatten. |
|
Erinn |
29) |
| 17.02.1945 |
Sa |
|
Wir glauben nicht, daß der Russe bis hier kommt,
schreibt Mutter in einem Brief aus Berlin- Weißensee nach Schlangen. Nicht nur sie irrte sich. |
|
Mu4 |
|
| 26.02.1945 |
Mo |
|
In einem Bombenkrieg lebt man sehr gefährlich. Beim Luftangriff der
Alliierten wird ‚unser‘ Jugendwohnheim durch Spreng- und Brand- Bomben schwer getroffen.
Der Keller hat ganz furchtbar geschaukelt, und es knallte ganz ganz fürchterlich. Ich dachte, nun
stürzt gleich alles ein und schielte immer wieder zur Markierung auf der weißen Kellermauer,
die man dann durchbrechen muß, um ins Freie zu gelangen. Aber wir sind alle heil davongekommen,
nur Tante Ruths Wohnung nicht. Nun wohnen wir in der Wohnung des Heimleiters. |
|
Erinn + Mu5 |
15) |
| 14.03.1945 |
Mi |
|
Die Sowjetunion überträgt Polen die Gebietshoheit
über die von ihr besetzten Gebiete östlich von Oder und Neiße. |
|
DHM |
|
| 16.04.1945 |
Mo |
|
Der Endkampf um die Hauptstadt Berlin beginnt. |
|
KTB |
0) |
| 22.04.1945 |
So |
|
Das Näherrücken der russischen Front macht es dann notwendig, von
Berlin-Weißensee quer durch Berlin nach Grunewald zu flüchten. Darüber wurde bereits an
anderer Stelle berichtet.
Und wir sollten dabei Dinge erleben wie Artillerie- Beschuß am Alexander Platz,
Tiefflieger-Angriffe im Tiergarten mit nur sprungweisem Weiterkommen, in Charlottenburg immer wieder
Deckung suchen in Hauseingängen und oft auch Hinlegen alles Situationen, die so mancher
Frontsoldat im Felde niemals erlebte.
[mehr] |
|
Fact |
|
| 08.05.1945 |
Di |
abds. |
Mit der Kapitulation Deutschlands ist dieser wahnsinnige Krieg vorbei. |
|
Fact |
24) |
| 09.05.1945 |
Mi |
15.00 |
Im zerstörten Woldenberg findet in Ziebarts Garten
eine Siegesfeier statt, zu der auch zurückgebliebene Woldenberger eingeladen sind. |
|
TB Pro |
0) |
|
Anmerkungen + Fußnoten:
[
Translation-Service]
0)
Diese Ergänzung erfolgte nach der Internet-Erstveröffentlichung vom 14.2.2010 (25. Ed.). Das
betrifft auch alle Fußnoten ab Nr. 17.
1) 
Im Text wird als Abkürzung meist nur khd verwendet.
2) 
Die hier präsentierten 5 Fotos sind derzeit nicht in das
Foto-Verzeichnis aufgenommen worden. Die Fluchtweg-Skizze wurde ins
Karten-Verzeichnis aufgenommen.
3) 
All meine Spielsachen mußten bei der Flucht zurückbleiben. Und dabei hatte ich doch bis dahin
noch nicht einmal mit dem wunderschönen Hausbaukasten Der Brickli-Maurer
gespielt.
4) 
Andere Informationen besagen, daß der Unterricht schon Anfang Dezember 1944 beendet wurde. Ich kann
mich aber daran erinnern, daß wir noch Adventssachen gebastelt haben.
5) 
Das war für mich schon eine sehr spannende Sache. Es kann auch am 22. oder 23. Januar 1945 gewesen
sein. Allerdings ist der Sonntag (21. Januar) wahrscheinlicher. Was aber Vater damals veranlaßte,
preußische Soldaten zu gießen, bleibt unklar.
6) 
Diese Gefechtsberichte im
Lexikon der Wehrmacht fand ich
erst im Juli 2007 eher zufällig via Google-Suche mit den Suchbegriffen Woldenberg und
Panzer. Und man könnte heute wohl sagen: Wären 1945 diese bereits sinnlosen
SS-Aktivitäten unterblieben, wäre vielleicht die Bebauung Woldenbergs erhalten geblieben.
Makaber daran ist noch, daß diese ‚Elite-Truppe‘ aus der Gegend von Schlangen
Mutters Heimat kam.
7) 
Aus einer inzwischen angefundenen Postkarte vom 27.1.1945, die Vater von seinem Zwischenstop in Berlin
schrieb, geht hervor: Er hat am 26.1.1945 mit dem Frühzug (706) Stargard erst nach fast 7 Stunden um
13.30 Uhr, Stettin um 15.45 Uhr erreicht, und er ist in Berlin erst früh am 27.1.1945 gegen 2.45 Uhr
angekommen also schon er war auf dieser Strecke rund 20 Stunden unterwegs. Vater kommentierte:
Tolle Fahrerei und Betrieb schauderhaft.
8) 
Ex-Bürgermeister Otto Hemp schreibt 1950 in seinem
Bericht,
daß danach noch 2 weitere Züge von Woldenberg gefahren sind. Davon wußten wir damals
nichts. Neuere Recherchen besagen, es könnten sogar insgesamt 5 Fluchtzüge gewesen sein, die
von Woldenberg abgefahren sind.
9) 
In einem Metalldeckel einer Zigarettendose wurden dazu einige Papierschnipsel verbrannt und am kleinen
Feuer die feuerfeste Jenaer-Glasflasche erwärmt.
10) 
Mutter gibt in [
Mu-Bu1] als Ankunftsdatum den 28. Januar 1945 um
24.00 Uhr an, was aber nicht sein kann. Denn der Zug wäre dann 46 Stunden unterwegs gewesen, was
nicht sein kann. Sie hat wohl nur 24.00 Uhr mit 0.00 Uhr verwechselt.
11) 
Über die Gründe für diese Entscheidung, die Mutter später selbst sehr bedauerte, hat
sie leider nichts notiert. Vater schreibt in einem Brief vom 20.2.1945 an Mutter, daß eine
Eisenbahnfahrt von Berlin nach Schlangen zu dieser Zeit sehr beschwerlich werden und durchaus 23
Tage dauern könne. Bei den jetzt anhaltenden Fliegerangriffen und Beschuß der Bahnen
wohl auch nicht zu raten. Sein Rat war deshalb, die weitere Entwicklung in Berlin
abzuwarten.
12) 
Meine preußischen Bleisoldaten ‚überlebten‘ das ganze Kriegschaos, nicht aber
unsere Kindheit. Es gibt heute (2007) keinen einzigen mehr davon. So richtig wertvoll wären wohl
heute auch nur die in Woldenberg zurückgebliebenen eisernen Gußformen.
13) 
Der Birkenhof-Treck nahm folgende Route von Woldenberg nach Westen und kam durch:
Woldenberg, Wutziger Straße (Start am 27.1. früh um 6 Uhr) Wutzig Brandsheide
Kölzig Marienwalde Sellnow Heinrichswalde (erreicht am 27.1. abends)
Radun
Arnswalde (erreicht am 28.1.)
Billerbeck Blankensee Warsin (erreicht am 29.1.) Plönzig Rosenfelde
Megow (erreicht am 30.1.)
Pyritz
Rackitt
Bahn (erreicht am 31.1. abends) und
am 1.2.1945 dann in wilder Hast weiter in Richtung Greifenhagen zur nahen (rettenden)
Oder, dessen westliches Ufer am 2.2. um 2 Uhr erreicht wurde.

[Ed: im Buch ist die Orts-Reihenfolge
nicht korrekt angegeben, wie ein Blick auf
die Karte zeigte].
14) 
In dem
Buch von Lindenblatt ist sehr
ausführlich beschrieben, wie chaotisch damals die deutsche Heeresführung handelte und sogar
noch vom Durchbruch der Roten Armee durch die Pommernstellung bei Hochzeit total überrascht worden
war (Seite 6778).
[
Einfall der Russen 1945]
15) 
Treffen wollten die mit den Bomben sicher den benachbarten großen Güterbahnhof sowie das
Gaswerk an der Greifswalderstraße (gibt es heute nicht mehr).
16) 
Säuglinge vertragen kondensierte Kuh-Milch nur im verdünnten Zustand, weshalb das Wasser so
wichtig war.
17) 
Auch der kleine Treck aus 3 Pferde-Fuhrwerken, der am 27. Januar 1945 ganz früh auf Bayershof
(bei Woldenberg) startete, kam durch. Er überquerte bei Greifenhagen die Oder. Heinz Mohnhaupt hat
diese dramatische Flucht im 2. Band seiner Trilogie
Auf steinigen Wegen ausführlich beschrieben.
18) 
Der Treck mit rund 500 Menschen startete um 2.00 Uhr am 27.1.1945. Trebbin erhielt am Abend vorher um
20.30 Uhr den Räumungsbefehl. Der Treck erreichte über Marzelle Zatten Neuwedell
Reetz Zachan Stargard Stettin Prenzlau Woldeck
Neubrandenburg Altentreptow (Kreis Demmin). Der Treck wurde ohne Verluste geschlossen
durchgebracht. Am 30. April 1945 erfolgte dort der Einmarsch der Roten Armee. Der Bürgermeister von
Trebbin schreibt 1950: Alle Trecks, die in Richtung Woldenberg und Regenthin zogen, wurden von den
Russen überrollt und grausam zugerichtet.

[
mehr]
19) 
NSV, das war die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, die sich um die Flüchtlinge
kümmerte.
20) 
Die Rote Armee bot für die Offensive gegen Deutschland etwa 1,5 Mio. Soldaten und 3.300 Panzer auf.
Einer solch enormen Übermacht war das deutsche Heer nicht gewachsen. Und so gelang es den Sowjets im
Januar 1945 in nur 3 Wochen die Front von der Weichsel an die Oder zu verschieben. Dabei trieben sie
Millionen von Flüchtlingen vor sich her oder überrollten sie. Dieser Krieg konnte nicht mehr
gewonnen werden. Angesichts dieser durchaus vorhersehbaren Situation hätte ein Hitler und seine
‚allwissende NSDAP‘ viel früher für eine rechtzeitige und geordnete Evakuierung der
Bevölkerung Ostdeutschlands sorgen müssen.
21)
Himmler gelang es nicht
einmal, seine Truppen geordnet gegen die vorrückende Rote Armee zu stellen. Und wir wissen heute,
daß die zusammengewürfelte
Heeresgruppe Weichsel nichts mehr retten konnte. Das mag zwar auch an der
Unfähigkeit eines Himmler gelegen haben, aber entscheidend dürfte die
sowjetische Übermacht gewesen sein.
22) 
Nach der Niederlage von Stalingrad intensivierten die Allierten den Kampf gegen Hitler-Deutschland. Dazu
gehörten insbesondere die Flächen-Bombardements von deutschen Großstädten und
Ballungsgebieten. Der Krieg traf nun immer stärker auch die Zivilbevölkerung fernab aller
Fronten. Es wäre höchste Zeit gewesen, den Krieg schon im Frühjahr 1943 zu beenden. Aber
Hitler wollte den totalen Krieg.
23) 
An der
Ostfront trat danach bis zur sowjetischen Großoffensive vom 12. Januar 1945 eine
relativ ruhige Phase ein. In dieser Zeit bereitet Hitler unter Ausnutzung sämtlicher Reserven eine
große Entlastungsoffensive an der Westfront vor, was am 16. Dezember 1944 zur
Ardennen-Schlacht
führte. Dazu wurden auch Infanterie-Divisionen, die über rund 600 Panzer verfügten, von
der Ostfront abgezogen. Dennoch gelang es nicht (mehr), den entscheidenden Vorteil zu erzielen, um
so der Plan die West-Alliierten friedensbereit zu machen, um dann gemeinsam gegen die Sowjets zu
kämpfen.
[
DHM zur Ardennen-Offensive]
24) 
In Berlin war der Krieg bereits am 2. Mai 1945 zu Ende.
25) 
Der
Krieg gegen die
Sowjetunion begann unter dem Vorwand eines Präventivschlags (Abwehr der großen Gefahr
aus dem Osten) bereits am 22. Juni 1941 um 3 Uhr früh
(
Sondermeldung im Großdeutschen Rundfunk), obwohl seit 1939 ein
Nichtangriffspakt bestand
(
Hitler-Stalin-Pakt).
26) 
Während der 1. Woldenberger Fluchtzug noch ein D-Zug war, wurden bei den weiteren Fluchtzügen mangels
Personenwaggons sogar Viehwagen zum Abtransport der Menschenmassen eingesetzt. Diese Züge
stauten sich in Stargard. Das bestätigt
inzwischen der
Fluchtbericht von
Jörg Lobinski. Auch das zeigt, daß die damals für die Evakuierung der Zivilbevölkerung
zuständigen Kreisleitungen der NSDAP (Nazi-Partei), sich nicht rechtzeitig um die
Evakuierungsmaßnahmen gekümmert haben selbst aber meist rechtzeitig motorisiert
davonkamen. Später wurde zudem erzählt, daß die Fluchtzüge gar nicht für die
Evakuierung Woldenbergs vorgesehen waren. Mit diesen Zügen sollten eigentlich die Verwundeten von der
Ostfront geholt werden. Und erst als sich das bereits als unmöglich herausstellte, wurden die
Züge von dieser ‚allwissenden‘ Partei für die Flucht freigegeben.
27) 
Damit war bereits am 25. Januar 1945 eine Flucht per Eisenbahn via Kreuz unmöglich geworden, so
daß die Flucht nur über den nordöstlichen Weg über Stargard Stettin nach
Westen führen konnte.
28) 
Militär und (Partei-)Behörden hatten den Überblick über die Lage total verloren. Das
geht auch aus dem amtlichen
Tätigkeitsbericht von Dr. Knabe
(

),
dem ehemaligen Landrat des Kreises Dt. Krone und
kommissarischer Landrat des Netzekreises, hervor, den dieser unmittelbar nach der Flucht geschrieben hat.
Er bemängelt darin sogar: Die Räumung lag nicht in den Händen der staatlichen
Behörden sondern in den Händen der Partei.
29) 
Eine Historiker-Kommission legte im März 2010 eine Untersuchung zur Opferzahl der Bombardierung
Dresdens vor. Die Wissenschaftler haben durch Archiv-Recherchen herausgefunden, daß in Dresden bei
den Luftangriffen im Februar 1945 höchstens 25.000 Menschen getötet wurden. Von 20.000 Toten
sind die Namen bekannt. Die Nazi-Propaganda hatte rund 200.000 Tote geltend gemacht.
(DeutschlandRadio Kultur 17.3.2010)
30) 
Aus einem Gespräch mit
Wolfgang Bornstädt
(Premnitz) vom 23.11.2010 ergibt sich:
Nach der Übernachtung im Postbunker am Stettiner Bahnhof wurden die meisten Woldenberger nicht in
die Hamburger Gegend gebracht, sondern mit einem Zug von Berlin ins westbrandenburgische Premnitz
gefahren, wo sie am Nachmittag des 28.1.1945 eintrafen. Später erzählt man, daß das
große Kunstseidewerk Premnitz neue Arbeitskräfte in Berlin ‚bestellt‘ haben
soll.
31) 
Mehr als die Hälfte der polnischen Gefangenen (etwa 4.000) wurden bereits etwas nördlich
von Berlinchen bei den Dörfern Deetz und Schönow von der Roten Armee befreit. Nur 2 der 6
Bataillone erreichten nach einem wochenlangen Marsch die Gegend von Hamburg, wo sie auf andere Lager
verteilt wurden.
[
Ausführlicher Bericht]