26.1.2010 (khd). Heute vor genau 65 Jahren läuteten in Woldenberg um 24 Uhr
die Glocken der Marienkirche und
trugen damit eine tieftraurige Botschaft ins Woldenberger Land. Es war das Zeichen für die
Woldenberger und die in der Umgebung Lebenden, schnellstens in einer bitterkalten Nacht mit dem
Notwendigsten zum Bahnhof
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aufzubrechen, um mit Zügen der Eisenbahn vor der immer näher kommenden Roten Armee nach Westen
zu flüchten [
Flucht vor den
Russen]. Wir wissen heute, daß die russischen Panzer zu diesem Zeitpunkt schon dicht an die
östliche Seite der Drage herangerückt waren also nur noch rund 15 km entfernt waren.
Noch Mitte Januar 1945 waren sich die meisten Woldenberger ganz sicher gewesen, die Russen kommen niemals
in ihre schöne Kleinstadt. Sie vertrauten auf die Fähigkeiten der Deutsche Wehrmacht und die
legendäre Pommern- Stellung (auch Ostwall genannt), die von der Ostsee
bis in den Raum von Zantoch an der Warthe reichte und östlich von Woldenberg längs der Drage in
jahrelanger Arbeit mit Bunkern und Gräben angelegt worden war.
Was sie aber nicht wußten: Dieser Abwehrwall war Anfang 1945 de facto waffenlos. Die meisten Waffen
hatte man 1944 an die Westfront geschafft
(
Ardennen- Offensive). Auch standen zur Verteidigung der Pommern- Stellung nicht mehr
ausreichend kampftaugliche Truppen und Panzer zur Verfügung. Aber das sagten die Nazis
natürlich der Bevölkerung nicht.
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Hochzeit/Nm im Kreis Arnswalde Brücke über die Drage, über die am 28. Januar
1945 die Rote Armee mit Panzern in die frühere Neumark einfiel.
(Repro: 2008 khd) |
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Und so war es dann auch eigentlich nicht verwunderlich, daß der Roten Armee die handstreichartige
Eroberung der strategisch so wichtigen Drage-Brücke an der Reichsstraße 1 bei
Hochzeit bereits in den Morgenstunden des 28. Januar 1945 gelang. Verwundert war damals darüber nur
die Wehrmachts- Führung, die in diesem Bereich vom SS-Führer Himmler befehligt wurde.
Im Hochzeiter Forst sammelten sich am 28. und 29. Januar immer mehr russische Panzer-Verbände. Und
da die russischen Militärs in Woldenberg einen sehr starken Widerstand erwarteten, wählten sie
als Hauptstoßrichtung des weiteren Vormarsches zur Oder eine über freies Feld nördlich an
Woldenberg vorbeiführende Route über Klosterfelde in Richtung Marienwalde.
Dieser Angriff startete in den frühen Abendstunden des 29. Januar 1945. Nur eine kleine Panzergruppe
bewegte sich von Wolgast auf der Reichsstraße 1 direkt auf Woldenberg zu, das zu dieser Zeit
längst geräumt
war auch deutsches Militär war dort längst nicht mehr.