Woldenberg (Neumark)   —  Die Division Woldenberg khd
Stand:  28.11.2011   (20. Ed.)  –  File: WBG/St/Division_Woldenberg.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  Rußland-Krieg 1942–1944
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
 
Zum Kampf um Pommern Anfang 1945 taucht in der Literatur und im Internet immer wieder der Begriff „Division Woldenberg“ auf. Aber was war die Bedeutung dieser militärischen Einheit, die mit dem Namen Woldenbergs verbunden ist, in der Schlußphase des Zweiten Weltkriegs? Auf dieser Seite soll versucht werden, dieser Frage nachzugehen. [Translation-Service]

I n d e x : 

Division Woldenberg — Die Aufstellung


Heer Units       Noch Anfang Januar 1945 befand sich die Ostfront an der Weichsel. Am 12. Januar 1945 begannen die Sowjets mit einer gewaltigen Großoffensive. In nur wenigen Tagen gelang es der übermächtigen Roten Armee die deutschen Stellungen zu durchbrechen und in Richtung Pommern vorzustoßen:  [Einfall der Russen 1945]

      Hitlers bereits arg dezimierte Armee war diesem massiven Ansturm nicht gewachsen. Und so wurden vielerorts im Eiltempo restliche Truppen und der Volkssturm zusammengezogen. Ganz offensichtlich gehörte auch die Aufstellung dieser „Division Woldenberg“ zu diesen Verzweifelungs- Maßnahmen. In Woldenberg war hinterm Gehege ein Ersatz-Bataillon der Deutschen Wehrmacht stationiert, das aber im Januar 1945 auch schon nicht mehr vollständig war.

      Nach Angaben im „Axis History Factbook“ wurde die Division Woldenberg erst am 20. Januar 1945 aufgestellt. Zum Kommandeur dieser Infanterie-Division wurde Generalmajor Gerhard Kegler ernannt, der das Kommanda aber erst einige Tage später in Arnswalde übernehmen konnte.

      Der Auftrag war, Pommern an der bis dahin unbesetzen Pommern-Stellung im Bereich Kreuz — Hochzeit — Steinbusch zu verteidigen und den Vormarsch der Roten Armee dort aufzuhalten, was bekanntlich gründlich mißlang. Schon Ende Januar 1945 war diese schwache Einheit zerstoben und aufgerieben und die Rote Armee längst an der Oder angelangt.


Division Woldenberg — Die Struktur


      Interessant ist, wie sich diese „Division Woldenberg“ zusammensetzte, denn das sagt viel über das damals herrschende Chaos bei der Wehrmacht aus. In einem einschlägigen Internet-Forum fand dazu 2005 eine Diskussion statt, und deren Ergebnis soll hier wiedergegeben und ergänzt werden.

      Danach war die „Division Woldenberg“ eigentlich keine richtige Division — eher ein Phantom für Hitlers Propaganda. Die Liste der Dinge, die dieser Einheit fehlten, ist länger als die Liste ihrer Ausstattung. In der Formierungsphase (20. bis 25.1.1945) hat diese ‚Division‘ noch nicht mal eine eigene Nachrichtenabteilung, kaum panzerbrechende Waffen und auch keinen strukturierten Fuhrpark.

      Die „Division Woldenberg“ war – soweit bislang bekannt – zusammengewürfelt aus (Bat = Bataillon, KG = Kampfgruppe, Kp = Kompanie, Pak = Panzerabwehrkanone):


      Es ist unklar, ob alle diese Truppen ihren Einsatzort je erreichten — wohl eher nicht. Denn bereits in den Morgenstunden des 28. Januar 1945 erreichten die Panzer der Roten Armee praktisch kampflos das Westufer der Drage bei Hochzeit. Der „Division Woldenberg“ gelang es also noch nicht einmal, das Passieren der Drage-Brücke zu verzögern, geschweige denn zu verhindern.

      Bekannt ist aber, daß die „Division Woldenberg“ auf ihrem Rückzug bei Landsberg in Kämpfe verwickelt wurde. Die Reste der Divison wurden dann bei der Verteidigung der Festung Küstrin mit eingesetzt.


Division Woldenberg — Der Divisions-Kommandeur


      Generalmajor Kegler (Jg. 1898) bekam angesichts des Desasters Schwierigkeiten mit Hitler und Himmler, der seit dem 24. Januar 1945 die „Heeresgruppe Weichsel“ aus einem Sonderzug in Deutsch Krone befehligte. Ein Zitat aus dem Pommern-Buch von Lindenblatt (Seite 100) macht das deutlich:

      Der in diesem Bericht als Führer der Division bei Woldenberg genannte Generalmajor Gerhard Kegler war laut den Personalnotizen der Heeresgruppe schon am 26.1.1945 als neuer Führer der „Division Woldenberg“ vorgesehen. Er erhielt aber erst am 29.1.1945 in Arnswalde die Kommandierung.

      Er schrieb: „ (...) Von dort aus musste ich plötzlich einen bedauernswerten Haufen uniformierter Menschen übernehmen, der sich Division nannte, aber völlig kampfunfähig war. Himmler befahl, mit dieser „Division“ die Stadt Landsberg als „Festung“ zu verteidigen. Diesen Unsinn lehnte ich mit der Begründung ab: Jeder durchschnittlich begabte Unteroffizier hätte dies Ansinnen als militärischer Unsinn und, menschlich gesehen, als ein Verbrechen erkannt. Aber auch Busse, Oberbefehlshaber der 9. Armee, stellte sich mit Nachdruck vor Himmler und sorgte dafür, daß ich zum Tode verurteilt wurde. (...)“ (Kegler in OD 8-665-80: Ein General, der sich nur zur Führung starker Verbände herbeiließ).

      Generalmajor Gerhard Kegler erreicht Woldenberg erst nach dem Durchbruch der Russen bei Hochzeit (28.1.1945). Deshalb muß sich die „Division Woldenberg“ in Richtung Landsberg an der Warthe orientieren. Von Heinrich Himmler erhält Kegler den Befehl, die Stadt Landsberg als Festung zu verteidigen.

      Kegler führt diesen Befehl jedoch nicht aus, da der Gegner bereits dicht vor der Stadtgrenze stand und die vorhandenen Truppen moralisch und ausrüstungsmäßig nicht in der Lage gewesen waren, wirksamen Widerstand leisten zu können. Kegler führte seine Truppen, nur hinhaltend Widerstand leistend, auf eine neue Verteidigungslinie in Richtung Küstrin, offensichtlich bei Tamsel. [Kampf um Küstrin]

      Auf Befehl Himmlers wird Kegler verhaftet und am 12. Februar 1945 zum Tode verurteilt. Das Reichskriegsgericht milderte aber die Strafe und degradierte den Generalmajor aufgrund von Pflichtverletzung zum einfachen Schützen. Als solcher wird er am 12. April 1945 schwer verwundet. Er verbringt die anschließende Zeit bis 1946 zunächst im Lazarett und dann in Kriegsgefangenschaft.

      Erst 1955 wird Generalmajor Kegler rehabilitiert. Das Urteil des Reichskriegsgerichts von 1945 wird vom Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland aufgehoben. Kegler lebte noch bis 1986.




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