Interessant ist, wie sich diese Division Woldenberg zusammensetzte, denn das sagt viel
über das damals herrschende Chaos bei der Wehrmacht aus. In einem einschlägigen
Internet-Forum fand dazu 2005 eine Diskussion
statt, und deren Ergebnis soll hier wiedergegeben und ergänzt werden.
Danach war die Division Woldenberg eigentlich keine richtige Division eher ein
Phantom für Hitlers Propaganda. Die Liste der Dinge, die dieser Einheit fehlten, ist
länger als die Liste ihrer Ausstattung. In der Formierungsphase (20. bis 25.1.1945) hat diese
‚Division‘ noch nicht mal eine eigene Nachrichtenabteilung, kaum panzerbrechende Waffen
und auch keinen strukturierten Fuhrpark.
Die Division Woldenberg war soweit bislang bekannt zusammengewürfelt
aus
(Bat = Bataillon,
KG = Kampfgruppe,
Kp = Kompanie,
Pak = Panzerabwehrkanone):
- Alarm Regiment von Oertzen des ULWK II aus Neustettin (2 Bat., 1 Stabskp., Alarm Kompanie Kfz. Abt. 2 aus Stettin).
- Alarm Bat. Kaldrack der Heeres- Unteroffiziers-Schule aus Arnswalde (2 Kp. PG mit Holzgenerator SPW).
- Alarm Bat. 4 Wegner aus Kolberg.
- Alarm Bat. des Grenadier Ersatz Bat. 322 aus Schwerin (Mecklenburg) 3 Kompanien.
Diese erreichten am 27.1.1945 den Einsatzraum Hochzeit.
- Genesenden Kompanie des Ersatz Bat. 94 aus Köslin.
- KG Hauschulz (400 Urlauber und Versprengte) aus Kreuz.
- 2. Kp. Hoffman des Pionier-Ersatz und Ausbildungs Bat. 2 aus Podejuch.
- Teile des Grenzregiments 20. (?)
- Landesschützen Bat. 255 aus Woldenberg. (?)
- Volkssturm Bat. aus Rostock und Wismar (600 Mann).
- Volkssturm Kompanie Schauseil aus Woldenberg.
Aus den Tagebuch-Aufzeichnungen von Ernst Prochnow wissen wir, daß der Woldenberger
Volkssturm am 26. Januar 1945 nach Steinbusch gebracht wurde: Sollte wohl dort Krieg
führen. In Gruppen und einzeln hatten die Männer aber glücklicherweise sich
westwärts verkrümelt, notierte Prochnow 1945. Zwei Tage später, am 28. Januar
sah er dann bei Kölzig Lehrer und Volkssturmführer Schauseil auf der Flucht nach Westen...
- Volkssturm Kompanie aus Friedeberg.
- I/ALR 1 aus Groß Born (2 Batterien).
- Artillerie-Zug (2 Pak, 1 Gw).
- 1 Pak 7,5 cm.
Es ist unklar, ob alle diese Truppen ihren Einsatzort je erreichten wohl eher nicht. Denn
bereits in den Morgenstunden des 28. Januar 1945 erreichten die Panzer der Roten Armee praktisch
kampflos das Westufer der Drage bei Hochzeit. Der Division Woldenberg gelang es also
noch nicht einmal, das Passieren der Drage-Brücke zu verzögern, geschweige denn zu
verhindern.
Bekannt ist aber, daß die Division Woldenberg auf ihrem Rückzug bei Landsberg
in Kämpfe verwickelt wurde. Die Reste der Divison wurden dann bei der Verteidigung der Festung
Küstrin mit eingesetzt.