Aus: Märkisches Heimatblatt Nr. xx/1959,
5. April 1959, Seite xx (Neumark) von MARGARETE DITTBERNER.
In der Mitte des 14. Jahrhunderts werden die
Stadtmauern erwähnt. Innerhalb dieser Befestigung lag die Stadt. Der Marktplatz
zog sich etwas weiter östlich bis an die Alte Marktstraße hin. In der Mitte des
Marktplatzes, wohl genau an der Stelle, wo bis 1945 das Rathaus stand, finden wir es damals schon. Das
Gebäude werden wir uns als einen Bau im Stil der Kirche, durchweg gewölbt, denken müssen.
Es hatte große, gewölbte Keller. Hier waren die Gefängnisse, aber auch sicher die Wein-
und Bierkeller des Rates. Angelehnt an das Rathaus standen zur Alten Marktstraße hin
der Brot- und der Fleischscharren; auf der anderen Seite befand sich der Schandpfahl.
Das Rathaus ist bei dem großen Brand 1641 bis auf die Grundmauern abgebrannt. So hat es das 17.
Jahrhundert hindurch als Ruine auf dem Marktplatz gelegen. Die Sitzungen wurden in Bürgerwohnungen,
in einer Torbude oder später in einem Sitzungszimmer in der Schule abgehalten. Anfang des 18.
Jahrhunderts konnte dann endlich mit dem Neubau begonnen werden. Das alte Fundament wurde nur zum Teil
benutzt und das Gebäude in Holzfachwerk ausgeführt. Es erhielt auch einen Turm. Am 5.
Dezember 1709 erfolgte die feierliche Einweihung und der Umzug von der Schule zum Rathaus.
Bei dem großen Brand 1710 erlitt das Rathaus keinen Schaden. Der Marktplatz wurde bei dem
Wiederaufbau der Stadt so verlegt, daß das Rathaus in die Mitte der Ostfront zu liegen kam.
Daneben baute nun der Apotheker auf. Wir hören hier den Namen Delallgo. Zwischen Apotheke und
Rathaus blieb ein schmaler Zwischenraum; hier hingen die Feuerleitern. 1730 mußte der Turm
entfernt werden, weil er baufällig war. Die Vorderfront wurde massiv hergestellt. Dies ist
wahrscheinlich mit königlicher Unterstützung geschehen. Subventionierte Häuser wurden
halb weiß und halb gelb angestrichen, und so war es auch mit dem Rathaus. Über der Tür
war der preußische Adler angebracht und darunter standen die Worte: Pro rege, lege,
grege (Für den König, das Gesetz, und das Volk [Herde]).
Um 1750 wurden dann die Wände massiv ausgemauert, die Räume aber nicht verändert. Das
Quergebäude an der Alten Marktstraße wurde ganz neu aufgebaut. Viel
läßt sich noch über das Rathaus sagen. Es soli hier aber nur noch erwähnt werden,
daß zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Stadtverordneten-Sitzungssaal neu hergerichtet wurde. Mit
der Einrichtung war der Tischlermeister Wilhelm Schaede beauftragt worden. Ein Woldenberger Stadtwappen
schnitzte der Lehrer Gustav Dittberner. Es war für jeden sichtbar im Sitzungssaal angebracht.
Heute ist alles zerstört: Rathaus, Sitzungssaal, Stadtwappen und Apotheke. Nicht einmal eine Ruine
ist stehengeblieben. Nur
ein leerer
Platz gähnt uns entgegen.