Woldenberg (Neumark)   —  Dies & Das – Teil 1 khd
Stand:  4.11.2011   (82. Ed.)  –  File: WBG/Ex/Woldenberg_Dies&Das_01.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  W o l d e n b e r g
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
 
Auf den „Dies & Das“-Seiten sind kleine Geschichten aus der Geschichte der Kleinstadt Woldenberg sowie der Neumark dokumentiert. Sie stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind. [Translation-Service]

I n d e x :


Woldenberg — Zur Namensgebung


Dubegnewe — Woldenberg

Von Paul van Nießen.   *

      Im Jahre 1318 erscheint der alt-slawische Name unserer Stadt "Dubegnewe" in einer Urkunde, in welcher wir ihre Ratmannen einen Kaufvertrag zweier ihrer Bürger mit dem Kloster Marienwalde bekräftigen sehen. 1333 heißt die Stadt dann in einer Urkunde nicht mehr Dubegnewe, sondern „Woldenberg“. Dieser Name ist dann im Munde der Deutschen auch immer geblieben. Daß der neue deutsche Name keine Übersetzung des alten slawischen ist, wissen wir. Der neue Name muß von außen gekommen sein, und zwar von jemand, der ihn selbst trug und nähere Beziehungen zu der jungen Stadt besaß.

      Im Jahr 1317 verkaufte Markgraf Waldemar Haus und Stadt Driesen samt der dazugehörigen Heide an die Brüder von der Osten für 2000 Mark Silber in Gegenwart des Vogtes Ebelin von Fiddichow. Dieser Vorgang ist für die Stadt [Woldenberg], wenn meine Kombination richtig ist, von einer gewissen Wichtigkeit. Es ist das erste Mal, daß die Familie Osten hier in der Neumark in Beziehung zu den brandenburgischen Markgrafen erscheint. Es war also augenscheinlich nur die Absicht, durch den Kauf eine gute und billige Erwerbung zu machen, was sie hierher in den äußersten Südosten trieb.

      Im Jahre 1248 erscheint aber bereits unter den Zeugen einer von Herzog Barnim von Pommern ausgestellten Urkunde ein Fredericus de Osten miles dictus de Woldenborch, welcher 1253 noch einmal als Fredericus de Woldenbergh vorkommt. Die nunmehr Driesen erwerbenden Gebrüder von der Osten werden nun mit diesem Namen genannt und nie nach ihrer bei Penthe [Ed-6.5.2009: muß vermutlich „bei Plathe“ heißen] gelegenen pommerschen Namensburg.

      Die Gebrüder von der Osten waren nicht nur unmittelbare Gebietsnachbarn der Stadt Woldenberg (Dubegnewe), sondern auch sehr bald zu Vögten im Bezirk Friedeberg ernannt worden, in welcher Stellung wir sie noch 1333 finden, d. h. im selbigen Jahr, welches uns zuerst den neuen Namen unserer Stadt nennt. Und wenn wir sehen, daß den Vögten bestimmte Einnahmen aus der Urbede zu Friedeberg überlassen werden, so liegt es nahe, an ein ähnliches Verhältnis zu Woldenberg zu denken.

      So werden wir also wohl mit Recht annehmen können, daß in den zwanziger Jahren des [14.] Jahrhunderts der alte Name dem neuen deutschen Platz machte, und daß es die Osten waren, auf welche diese Änderung zurückzuführen ist. [Stammlinien der Familie von der Osten]


Woldenberg — Die Zeit der Gründung


Aus der Woldenberger Chronik

Von Paul van Nießen.   *

      In der Zeit der Gründung von Landsberg/Warthe 1257 wird zum ersten Male unseres Ortes [Woldenberg] Erwähnung getan.

      Im Jahr 1250 verlieh Herzog Premisl I. dem nördlich von Posen gelegenen Zisterzienser- Frauenkloster Ovinsk die Herrschaft Dubegneve und Osieczno. Dieselben liegen westlich von der Drage und sind begrenzt von dieser und den folgenden Seen: Dem großen und dem kleinen Lubow, dem Küchen-, Lieb-, Hermsterser-, Schlager-, Regenthiner- und dem Ragnitt-See.

      Dubegneve ist das spätere Woldenberg [Ed: nach 1945 heißt es dann Dobiegniew], Osieczno aller Wahrscheinlichkeit nach Hochzeit [Ed: nach 1945 dann Stare Osieczno]. Wir erfahren hieraus wenigstens soviel, daß ein slawisches Dorf, wenigstens ein Edelsitz oder gar ein Marktflecken, an der Stelle unserer Stadt bereits 1250 bestand.

      1269 besteht bereits Arnswalde als ein markgräflicher Ort, und fast um diesselbe Zeit wird Soldins (1262) und Friedebergs, damals aber noch unter dem Namen Strecelcze (1272) [Ed: was dann nach 1945 Strzelce Krajenskie heißt], zum ersten Male Erwähnung getan. Die Jahre ihrer Begründung als Stadt lassen sich nicht genau angeben.

      1298 ist als Jahr der Umwandlung unseres Dubegneve aus einem slawischen Flecken in eine märkische deutsche Stadt anzusehen. Daran, daß der alte slawische Stamm Dubegneve noch im Gebrauch bleibt, dürfen wir nicht Anstoß nehmen, bei Küstrin und Soldin ist es nicht anders gewesen.

      Am 18. September 1303 schlossen die Markgrafen der älteren Linie, Otto, Konrad, Johann und Waldemar, mit dem Bischof Heinrich von Kamin einen Vertrag. Ort der Ausstellung war Dubbegnek (Dubegnewa). Bereits zwei Jahre später, am 25. September 1305, war Markgraf Waldemar allein in Dubegneve.

      Darüber nun, wer der Gründer der Stadt gewesen, scheint eine Urkunde des Jahres 1313 Auskunft zu geben, in welcher Markgraf Waldemar der Stadt sich huldvoll erweist und in welcher er in bezug auf sie erklärt, daß sie ihm prae ceteris magis corde, zu deutsch, daß sie ihm „ganz besonders ans Herz gewachsen“ sei.


Woldenberg — Die (fehlende) Kanalisation


Kanalisation und Wasserleitung?

Aus: Heimatbote – Nachrichtenblatt der Vereinigung heimattreuer Woldenberger (Berlin) – Nr. 2/1933, März 1933, Seite 11 (Neuigkeiten aus der Heimat).

      Für den Reg.-Bez. Frankfurt/O. ist am letzten Reichsarbeitsbeschaffungs- Programm ein Anteil von 3 1/2 Millionen Mk. bewilligt worden. Obgleich hierbei betont ist, daß die Grenzkreise in erster Linie bedacht werden müssen, ist der Kreis Friedeberg überhaupt nicht genannt [Ed: obwohl rechtzeitig von der Stadt Woldenberg das wichtige Projekt „Bau von Wasserleitung und Kanalisation“ beim Regierungspräsidenten angemeldet worden war]. Woldenberg wird sich also weiter mit Brunnenwasser und Rinnsteinen aushelfen müssen [Ed: und so blieb es bis 1945].


Woldenberg — Das Rathaus


Das Woldenberger Rathaus

Woldenberg -- Rathaus am Marktplatz
^   Das Woldenberger Rathaus am Marktplatz um 1925. Über der Eingangstür hängt das Woldenberger Wappen. [Größeres Foto]   (Repro: 2007 – khd)

Aus: Märkisches Heimatblatt – Nr. xx/1959, 5. April 1959, Seite xx (Neumark) von MARGARETE DITTBERNER.

      Woldenberg -- Wappen über der Rathaustür
^   Woldenberger Wappen mit preußischem Adler und Krone über der Rathaustür.  (Repro: 2006 – bredwolf-File0004)
      In der Mitte des 14. Jahrhunderts werden die Stadtmauern erwähnt. Innerhalb dieser Befestigung lag die Stadt. Der Marktplatz zog sich etwas weiter östlich bis an die „Alte Marktstraße“ hin. In der Mitte des Marktplatzes, wohl genau an der Stelle, wo bis 1945 das Rathaus stand, finden wir es damals schon. Das Gebäude werden wir uns als einen Bau im Stil der Kirche, durchweg gewölbt, denken müssen. Es hatte große, gewölbte Keller. Hier waren die Gefängnisse, aber auch sicher die Wein- und Bierkeller des Rates. Angelehnt an das Rathaus standen zur „Alten Marktstraße“ hin der Brot- und der Fleischscharren; auf der anderen Seite befand sich der Schandpfahl.

      Das Rathaus ist bei dem großen Brand 1641 bis auf die Grundmauern abgebrannt. So hat es das 17. Jahrhundert hindurch als Ruine auf dem Marktplatz gelegen. Die Sitzungen wurden in Bürgerwohnungen, in einer Torbude oder später in einem Sitzungszimmer in der Schule abgehalten. Anfang des 18. Jahrhunderts konnte dann endlich mit dem Neubau begonnen werden. Das alte Fundament wurde nur zum Teil benutzt und das Gebäude in Holzfachwerk ausgeführt. Es erhielt auch einen Turm. Am 5. Dezember 1709 erfolgte die feierliche Einweihung und der Umzug von der Schule zum Rathaus.

      Bei dem großen Brand 1710 erlitt das Rathaus keinen Schaden. Der Marktplatz wurde bei dem Wiederaufbau der Stadt so verlegt, daß das Rathaus in die Mitte der Ostfront zu liegen kam. Daneben baute nun der Apotheker auf. Wir hören hier den Namen Delallgo. Zwischen Apotheke und Rathaus blieb ein schmaler Zwischenraum; hier hingen die Feuerleitern. 1730 mußte der Turm entfernt werden, weil er baufällig war. Die Vorderfront wurde massiv hergestellt. Dies ist wahrscheinlich mit königlicher Unterstützung geschehen. Subventionierte Häuser wurden halb weiß und halb gelb angestrichen, und so war es auch mit dem Rathaus. Über der Tür war der preußische Adler angebracht und darunter standen die Worte: „Pro rege, lege, grege“ („Für den König, das Gesetz, und das Volk“ [Herde]).

      Um 1750 wurden dann die Wände massiv ausgemauert, die Räume aber nicht verändert. Das Quergebäude an der „Alten Marktstraße“ wurde ganz neu aufgebaut. Viel läßt sich noch über das Rathaus sagen. Es soli hier aber nur noch erwähnt werden, daß zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Stadtverordneten-Sitzungssaal neu hergerichtet wurde. Mit der Einrichtung war der Tischlermeister Wilhelm Schaede beauftragt worden. Ein Woldenberger Stadtwappen schnitzte der Lehrer Gustav Dittberner. Es war für jeden sichtbar im Sitzungssaal angebracht.

      Heute ist alles zerstört: Rathaus, Sitzungssaal, Stadtwappen und Apotheke. Nicht einmal eine Ruine ist stehengeblieben. Nur ein leerer Platz gähnt uns entgegen [Ed: den die Polen aber nach 1945 wieder bebauten].


Woldenberg — Der Kirchturm


Blick vom Woldenberger Kirchturm

König Friedrich Wilhelm IV: „Bis hierher und nicht weiter!“

Aus: Märkisches Heimatblatt – Nr. xx/xxx, um 1960, Seite xx (Neumark) von MARGARETE DITTBERNER (* 1899).

      Woldenberg -- Die 3 Glocken im Kirchturm
^   Die 3 Woldenberger Glocken im Kirchturm. [mehr]  (Foto: 21.6.2005 – bredwolf-Wol38)
      „Morgen steigen wir auf den Turm!“ Groß war die Freude, wenn der Klassenlehrer dies zu uns sagte. 40 m hoch, 160 Stufen, und die langen Treppen schwankten doch ganz bedenklich. An der Uhr und dem Glockenstuhl mit den drei Glocken vorbei, kommen wir zu der kleinen Luke, durch welche man die Plattform betreten kann. Hier auf der viereckigen Plattform haben 30 bis 40 Kinder Platz. Schön ist es im Frühling und Herbst hier oben. Nun können wir am Mauerrand nach Süden, Westen, Norden und Osten herumgehen. Die Mitte bildet eine mit Zink ganz flach abgedeckte Spitze.

      Da liegt dicht unter uns die Schule.

      Es ist gerade Pause. Wie kribbelt und krabbelt es auf dem Schulhof und wie klein ist alles. Heben wir den Blick, so sehen wir hinter den Häusern der Junker- und Wallstraße (Zolenberg) die alten und neuen Friedhöfe, umgeben von schönen Anlagen. Daran schließt sich der Bahndamm der Eisenbahnstrecke Kreuz — Stettin; gerade kommt ein langer Kohlenzug aus Oberschlesien; er fährt nach Stettin. Die Friedeberger Chaussee zieht sich wie ein helles Band durch das Gehege. Aus der Ferne grüßt Lauchstädt, die Besitzung des Kammerherrn v. Brand. Wer denkt da nicht an den Alten Fritz und den Paddenpfuhl!

      Gehen wir etwas nach links: Dort in der Ferne am Waldrand liegt Rohrsdorf.

      Nun wenden wir uns dem Westen zu. Uber die ganze Stadt hinweg fällt unser Blick auf Wutzig und Kölzig. An der Nordseite liegt der Marktplatz; an ihm vorbei führt die Richtstraße. Sie ist ein Teil der alten Heer- und Handelsstraße von Berlin nach Königsberg in Ostpreußen. Was mag unsere liebe Richtstraße schon alles gesehen und erlebt haben? Bilder tauchen vor uns auf: Handelsfahrer mit schweren Planwagen, Postkutschen. Die Königin Luise auf der Flucht nach Ostpreußen und wie in der Richtstraße, bei dem Schmied Hartwig, ihre Pferde erst neu beschlagen wurden. Dann Napoleon auf seinem Siegeszug nach Rußland. Dann das geschlagene zurückflutende Heer im bitterkalten Winter. Viel, sehr viel erlebten somit auch unser Kirchlein und der Marktplatz.

      Da schillert es blau zu uns herüber. Es ist der große See mit seiner herrlichen Seepromenade von Wald umgeben. Wunderschön sieht es aus, wenn sich die Segel-, Ruder-, Fischerboote und Schwäne auf dem Wasser tummeln. In der Badeanstalt geht es recht lebhaft und vergnügt zu.

Dobiegniew -- Markanter Kirchturm      
^   Der Woldenberger Kirchturm. [mehr]  (Foto: 21.6.2005 – bredwolf-Wol36)
      Hinter dem großen See im Wald versteckt liegt in den Glambeckfichten der Glambecksee. Die Landwirtschaften dort drüben gehören zu Woldenberg; man nennt sie die „Ausgebauten“ oder „Abbauern“. Und da sieht man Dickingen, Lämmersdorf, Gramsfelde, Klosterfelde, Bernsee und die Mönchsheide. Windmühlen winken uns von allen Seiten zu.

      Wir gehen weiter zur Ostseite. In der Ecke, wo das Woldenberger Fließ den See verläßt (Nordmauer Ecke Ostmauer), haben wohl die Slaven gewohnt, ehe sie von den Deutschen auf das Kietzfeld, auch Slavenfeld genannt, gedrängt wurden. Heute steht hier das Elektrizitätswerk, die Molkerei, das Spritzenhaus und die Fischbude von Rosengarten. Neben dem „Großen“ See finden wir den Wugow-See und an der rechten Seite der Chaussee nach Hochzeit liegt der Röllfitz-See. Hier kommen wir zum Wolgaster Krug, nach Wolgast und Grapow. Wir hören von Hochzeit, Steinbusch, Gasthaus zum Himmel, Mariental, und denken wir da nicht an die schöne Drage, an die weiten Laub- und Nadelwälder, an die Forstschule und an den echten Steinbuscher Käse!

      Nun noch schnell einen Blick nach rechts: Wir winken dem alten, lieben, lustigen, aber auch verträumten Schützenplatz zu. Ja und dort ist auch der Eberberg. Am Scheunenviertel vorbei führt der Mehrenthiner Weg durch die Schienenbrücke.

      Wohin wir auch sehen, Woldenberg ist ringsum von Wald umgeben.

      Nachdem wir die 160 Stufen hinuntergestiegen sind, sehen wir uns den Kirchturm vom Marktplatz aus noch einmal genau an. Uns gefällt er mit seinen vier gotischen Spitztürmchen; wir möchten ihn gar nicht anders haben. Die Geschichte überliefert uns doch, daß König Friedrich Wilhelm IV. am 23. Juni 1847 zur Grundsteinlegung (der alte Turm war schadhaft geworden) erschienen war. Man sagt, daß der König 1859, als der Turm zu der uns allen bekannten Höhe gediehen war, die Zeichnung an der Stelle, wo der Helm ansetzt, mit den Worten durchstrich: „Bis hierher und nicht weiter!“

      Schön war dieser Besuch bei unserm lieben alten Kirchturm. Voll Dankbarkeit und Heimatstolz schauten wir Kinder all das an, was er uns so liebevoll geboten hatte. [Ein Panorama-Blick im Jahr 2005 vom nun Dobiegniewer Kirchturm]


Woldenberg — Das Schützenfest


Schützenfest in Woldenberg

Aus: Rundbrief des Heimatkreises Friedeberg – Nr. 34/1991, Seite xxx (xxx).

      Wenn der Berliner seine Kinder und Sommerfeste inmitten der Schrebergärten oft zwei und drei Tage feiert, denken wir Woldenberger mit Wehmut an unsere in der Heimat gefeierten Schützenfeste gern zurück. Wie in Berlin herrschte auch in Woldenberg Jubel und Trubel. In früheren Zeiten fand das Schützenfest auf dem alten Schützenplatz am Fließ statt und war gleichzeitig ein Volksfest. Die Kinder und die Jugend freuten sich schon Wochen vorher darauf.

      Das Fest begann mit einem Zapfenstreich und Ständchen zu ehren des letzten Schützenkönigs am Abend vor Pfingsten. Der zweite Feiertag brachte ein Wecken. Danach Antreten vorm Rathaus, und Ausmarsch zum Schützenplatz Fließ. Hierbei wurde die Scheibe fürs Königsschießen von Vater Braatz vorweggetragen, der auch später die Ansage der geschossenen Ringe übernahm. Bevor sich der Zug mit Musik dem Festplatz näherte, bot sich dem Auge oben vom Berg ein imposantes Bild. Das Fließ, eingebettet im saftigen Grün der Wiesen, schlängelt sich langsam abwärts zur Papiermühle. Längs des Fließes waren die Bierzelte in der Reihenfolge Schleusener, Rockstroh, Ziebarth aufgebaut. Die Bewirtung des Vereinshauses lag in den Händen von Theodor Raske. In der Mitte des Platzes war für die Kapelle ein Podium errichtet. Hier spielten die Kapellen Drieseberg und Zuch abwechselnd.

      Neben Würfel- und Bonbonbuden war auch an die Jugend gedacht. Fürs Taubenwerfen wurden vom alten Drechslermeister Leonhard die Tauben angefertigt. Hoch auf einer Stange wurden die Tauben befestigt. An dem nun beginnenden Taubenwerfen beteiligten sich die erste, zweite und dritte Klasse der Jungen. Jubel und Trubel herrschten hier zwei Tage. In den Bierzelten wurde den Getränken gut zugesprochen, und so mancher edler Schütze, der des Guten zu viel getan hatte, verfehlte die Richtung und machte mit dem Fließ Bekanntschaft. Am zweiten Tag des Schießens war der neue König nebst ersten und zweiten Ritter ermittelt.

      Der letzte Schützenkönig 1944 war Tischlermeister Brand; und der letzte Kommandeur der Schützen war Kaufmann Gustav Prochnow. Die besten Jungen beim Taubenwerfen wurden gleichfalls mit König, ersten und zweiten Ritter ausgezeichnet.

      Wie alles Schöne nahm auch dieses Fest ein Ende. Am Abend des zweiten Tages ging es mit Musik den Berg hinauf und der neue König wurde bis zu seiner Wohnung abgebracht. Den Abschluß bildete ein Schützenball, der sich dann bis zum Morgen ausdehnte.

      Mit der Verlegung des Schützenplatzes zu Losch am Bahnhof, und später nach dem Gehege verlor das Fest an Volkstümlichkeit. Der 1. Mai wurde aber jedes Jahr, zuletzt im Jahre 1944, auf dem alten Schützenplatz am Fließ gefeiert.   [Geschichte der Woldenberger Schützengilde]


Woldenberg — Eine Episode aus dem benachbarten Lauchstädt


Preußens Friedrich wird in Lauchstädt Pate

Aus: Heimatkalender für den Kreis Friedeberg/Nm., Seite xxx.

      Eine kleine bereits zur Sage gewordene Episode aus Lauchstädt wurde anläßlich des heimatkundlichen Unterrichtes in allen Schulen des Kreises Friedeberg/Nm erzählt. Danach soll Friedrich der Große (es ist leider nicht ganz eindeutig, ob es sich bei dieser Begebenheit um Friedrich den Großen oder dessen Vater Friedrich Wilhelm I. handelte) anläßlich einer Besichtigungsreise durch das von ihm urbar gemachte Netzebruch in Lauchstädt gerade an dem Tag [im Schloß Lauchstädt] Quartier genommen habe, als dort ein Sohn geboren wurde [Ed: es wird wohl Friedrich der Große gewesen sein, denn dieser veranlaßte die Landgewinnung durch Trockenlegung des Netzebruches].

      Kartenausschnitt Woldenberg — Lauchstädt
^   Kartenausschnitt mit Woldenberg und Lauchstädt an der Reichsstraße 1, über die Friedrich der Große oft nach Ostpreußen reiste.   (Repro: 2007 – khd)
      Der stolze Vater Herr von Brand soll dabei die Gelegenheit wahrgenommen haben, seinen Landesfürsten als Paten für seinen Sohn zu bitten. Wohlwollend nahm der König diese Ehre an und fragte nach einem passenden Patengeschenk, worauf der Vater ebenso schnell erwiderte, man möge ihm doch den an sein Land grenzenden „Paddenpfuhl“ schenken [Ed: die Ausbuchtung des Hermsdorfer Sees hinter dem Gut heißt Paddenpfuhl]. Selbstverständlich willigte der Monarch ein.

      Als er gelegentlich eines weiteren Besuches den Wunsch äußerte, man möge ihm doch einmal den „Paddenpfuhl“ zeigen, fuhr Herr von Brand seinen König um den ganzen Hermsdorfer See. Erstaunt ob der Größe des Gewässers soll daraufhin der König seinem Gastgeber einen leichten Backenstreich gegeben und dazu gemeint haben, daß damit die Dreistigkeit, seinen König über das Ohr gehauen zu haben, bestraft worden sei; er selber aber wolle sich merken, niemals wieder etwas zu verschenken, ohne es vorher gesehen zu haben.


Woldenberg — Einwohner


Entwicklung der Zahl der Woldenberger

Einwohner Woldenberg/Neumark
Quelle: Deutsches Städtebuch von 1939 + Einzelfunde
1298 Erste urkundliche Erwähnung.
1562 um 1.250 Einwohner  
1599 über 1.300 Einwohner  
1623 unter 1.300 Einwohner  
1630 ca. 700 Einwohner Nach der Pest.
1644 unter 1.000 Einwohner  
1700 um 1.200 Einwohner  
1752 1.330 Einwohner  
1763 1.331 Einwohner  
1785 1.779 Einwohner 1
1796 um 1.720 Einwohner  
1801 1.721 Einwohner  
1811 1.741 Einwohner  
 
1812 1.581 Einwohner 2
1817 1.692 Einwohner  
1875 4.089 Einwohner 3
1880 4.354 Einwohner 3
1890 4.676 Einwohner 3
1900 4.455 Einwohner  
1910 4.608 Einwohner  
1925 4.787 Einwohner  
1933 5.103 Einwohner 3
1939 5.344 Einwohner 3
1941 5.487 Einwohner 5
1942 5.546 Einwohner 5
1943 um 13.000 Einwohner 4
  1) Einschließlich Militär.
  2) Hier fehlt wahrscheinlich die Garnison.
  3) Quelle: www.verwaltungsgeschichte.de (Uni Osnabrück).
  4) Inklusive der polnischen Kriegsgefangenen im OfLag II C (ca. 7000–8000).
  5) Neumärkische Tageszeitung vom 8.1.1943.

Die Zuwanderung nach Woldenberg erfolgte vor allem aus der Kurmark, aus dem Odergebiet und aus Pommern. Nach dem 30-jährigen Krieg war die Einwohnerzahl auf unter 1000 gesunken. Danach erfolgte ein verstärkter Zuzug aus dem benachbarten Polen. Ein Stadtbuch wurde in Woldenburg seit 1503 geführt, Kirchbücher wurden erst 1686 eingeführt.


Woldenberg — Ältestes Siegel von um 1300


Wappen und Siegel von Woldenberg

Auszug aus: Heimatkalender für den Kreis Friedeberg/Nm. 1916, Seite 27–35 von G. Mirow.
Woldenberg -- Ältestes Siegel von um 1300
^   Das ältestes Siegel von Woldenberg, das um 1300 entstanden sein muß, in vergrößerter Darstellung (das Original hat einen Durchmesser von 58 mm). Die lateinische Umschrift lautet:
„S(igillum) BURGENSIUM MUNITATIS CIVITATIS DUBEGNEWE“, was im Prinzip „Siegel der Gemeinde Dubegnewe“ bedeutet.

Aus heutiger Sicht ist das also auch gleichzeitig das erste bekannte Siegel der Stadt Dobiegniew. Bis etwa 1333 blieb der alte slawische Name „Dubegnewe“ (Neueiche) noch erhalten. Dann taucht in alten Urkunden der neue Stadt-Name „Woldenberg“ auf. Dennoch wurde dieses alte Siegel auch noch später verwendet. Ob das Siegel heute (2007) noch in Wien existiert, ist nicht bekannt.   (Repro: 2007 – khd)


    Erklärung des Woldenberg-Siegels
^   Eine Erklärung des Siegels. Gefunden via Google-BookSearch. Autor und Buchtitel müssen nachrecherchiert werden, da Google das auf der Web-Seite unklar angegeben hatte.   (ScreenShot: 9.2009 – khd)
      Das älteste Siegel von Woldenberg ist zwar heute [1915!] nur noch an einer Urkunde vom Jahre 1404 im Deutschordens- Zentralarchiv in Wien erhalten (Abb.). Da es aber in seiner Umschrift den später als im Jahre 1317 nicht mehr nachweisbaren Namen Dubegnewe trägt, muß es unmittelbar nach der Gründung der Stadt entstanden sein [Ed: also um 1298].

      Es zeigt im gegitterten Feld einen sogenannten Kübel- oder Topfhelm, der auf dem Scheitel als Helmzier einen Adlerflug trägt. Der Helm ist umgeben von einem Kreise, der wieder in einem Vierpaß, einem aus vier Dreiviertel-Kreisen zusammengesetzten gotischen Ornament steht.

      In den vier Bogen des letzteren schwebt je ein Adlerkopf. Die Umschrift des Siegels lautet: „S (igillum) Burgensium (Co) munitatis Civitatis Dubegnewe.“ Die obenstehende Abbildung zeigt das Siegel in wirklicher Größe (58 mm [Ed: in dieser Reproduktion ist es zum besseren Studium vergrößert abgebildet]).

   
  F o r u m   +   G ä s t e b u c h
Für Woldenberg mit Umgebung,
die Neumark und auch Pommern.
 
      Es besteht aus braunem, ungereinigten Wachs und hängt mit einem durchgezogenen Pergamentstreifen an der genannten Urkunde, in welcher der Rat, die Viergewerke (Tuchmacher, Bäcker, Schlächter und Schuhmacher) und die ganze Gemeinde die Mühlen dem deutschen Orden verkaufen.


Woldenberg — Fund aus der Jung-Steinzeit


Das Woldenberger Bernsteinpferd

Auszug aus: Heimatkalender für den Kreis Friedeberg/Nm. 1925, Seite 17–26 von Otto-Friedrich Gandert (Berlin).

Woldenberg -- Das bei Woldenberg 1858 gefundene Bernsteinpferd
^   Das bei Woldenberg 1858 gefundene Bernsteinpferd, etwa in Originalgröße. Es gelangte 1899 an die Vorgeschichtliche Abteilung der Königlichen Museen zu Berlin. Es wurde dort unter der Bezeichnung „I. f. 6646. Woldenberg ? Krs. Friedeberg“ katalogisiert *. Man schätzt heute (2006), daß das Bernsteinpferd etwa um 3000 v. Chr. geschnitzt worden ist.

Dieses Bernsteinpferd ist offensichtlich in den Wirren des 2. Weltkriegs verloren gegangen, so daß eine genauere Datierung mit modernen wiss. Methoden nicht mehr erfolgen kann. Ein ähnlich einzigartiges Bernsteinpferd wurde 1994 im Landkreis Lüchow- Dannenberg gefunden *.
[Ein Farbfoto des Bernsteinpferdchens]   (Repro: 2007 – khd)


      Im Jahre 1858 fand ein Arbeiter beim Auswerfen eines Grabens zwischen Woldenberg und Driesen diese Bernsteinfigur. Der Kopf wurde durch einen Spatenstich abgetrennt, ließ sich jedoch genau wieder anfügen. 1859 gelangte sie von der Schwester des Finders in den Besitz des bekannten Astronomen Dr. Hencke (Driesen).

   
  Das Woldenberger Bernsteinpferd
Ein Gedicht von
Arnold Krause, 2008.
 
      1860 besichtigte sie bereits der Generaldirektor der Königlichen Museen zu Berlin. Durch Erbgang erhielt sie ein Herr Matthes in Driesen, der sie im Jahre 1881 in den Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte veröffentlichte [Seite 297—298]. Die Fundumstände entnahm er schriftlichen Aufzeichnungen des Astronomem Dr. Hencke und glaubte mit diesem, daß das Stück eine wendische Kultfigur sei.

      Im Jahrgang 1884 derselben Verhandlung (S. 569, * ) griff Rudolf Virchow bei Besprechung des Danziger Bernsteinebers noch einmal auf unser Pferd zurück. Mit Recht hielt er beide Stücke für zeitlich gleichstehend, nämlich neolithisch (jungsteinzeitlich). Diese Zeitstellung vertritt auch Götze in seiner Geschichte der Neumark [Landsberg 1897, Seite 31].


Woldenberg — Die Milferstaedtstraße


Die „Kaßnerstraße“

Sie erhielt aber dann den Namen des ehemaligen Woldenberger Bürgermeisters Milferstaedt.

      In einem alten vergilbten Zeitungsausschnitt – etwa aus dem Jahr 1930 und vermutlich aus der „Woldenberger Zeitung“ – ist zu lesen:
      Im Anschluß an vorstehenden Aufsatz [Ed: zu Woldenberger Flurnamen, der seit Mai 2009 auch im Internet publiziert ist] bringen wir einen Auszug aus einem Stadtverordnetenbericht vom 14. April 1905.

      Zur Erläuterung sei bemerkt, daß wie jeder ältere Woldenberger Bürger weiß, die Milferstaedtstraße erst in neuerer Zeit — dem Drange des Verkehrs zufolge — entstanden ist. Als erstes wurde von einem Hartnäckigen (wir können verraten, daß es Herr Kaßner war), ein Fußpfad ausgetreten, der auch von anderen so stark benutzt wurde, daß die Anlegung einer Straße unabweisbar war.

      Der Name „Kaßnerstraße“ hat, so mundgerecht er ist, sich nicht erhalten. Doch nun der Bericht:

      „Punkt 4 betr. die weitere Beratung und Beschlußfassung über die Auswahl des Platzes für das neu zu erbauende Hospital. Es wird beschlossen, das neue Hospital im früheren Rittergutsgarten, der sogen. „Kaßnerstraße“, Ecke Rosengasse rechts vom Storchnest aus, aufzubauen. Der Magistrat wird ersucht, mit dem Schneidermeister Meyer eine Vereinbarung dahin zu treffen, daß die Uebernahme des alten Hospitals erst zum 1. Oktober 1906 von letzterem zu erfolgen hat. Ferner wird beschlossen, die „Kaßnerstraße“ gleich in einer Breite von 11 Metern anzulegen.“

      Aus diesem Bericht geht ferner hervor, wie dicht man schon damals vor der Errichtung eines neuen Bürgerhospitals stand. Jetzt endlich, nach 25 Jahren, ist das neue schöne Altersheim errichtet, jedoch nicht an der „Kaßnerstraße“, wie damals geplant, sondern an der noch viel neueren Straße im Gehege [Ed: die dann später Jahnstraße genannt wurde].




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