Zwischen den beiden Grapow-Seen liegt das große Fichtenfenn, an das sich das
Grapowfenn anschließt, am kleinen Grapowsee der Schief- und der
Schlippwerder, südlich des Sees das Masurbruch, das Seebruch und
südöstlich davon das Schlippsche Fenn.
Nun sind wir an dem Grapower Wege, der alten Poststraße nach Hochzeit. An ihr
stadtwärts liegen das kleine Windbruch und Amtmanns Fenn. Ungefähr 1 km
vorm Niedertore zweigt sich vom Grapower Wege der Tegelkofer Weg ab. Der Name ist noch
nicht zu alt, und doch weiß man nicht, woher er kommt. An dem Wege soll ein Ziegelofen gestanden
haben, dessen letzter Besitzer Kook hieß. Ist der Name nun vererbt aus Tegelofen-Weg
oder aus Tegler-Kooks-Weg?
Dieser Weg führt genau zum sagenumklärten Diebelsee [Teufels-See], dessen Bruch
sich, mit Eichen bestanden, südöstlich bis zur Mehrenthiner Grenze zog. Oestlich des Sees sind
die Achtrutenkaveln mit dem kleinen und großen Poßfenn und dem
kleinen und großen Bärenbruch. Am Diebelsee überschreitet der Tegelkofer Weg
im rechten Winkel bei einem Bahnwärterhaus die Eisenbahn, hart südlich welcher der
Quast
*) liegt, und führt zur Kietzbrücke
über das Mehrenthiner Fließ, die Feldmarksgrenze.
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Woldenberg/Nm Das Kietzfeld im Südosten der Stadt. Seit 1846/47 wird es von der Eisenbahnstrecke
nach Kreuz durchschnitten. Die Karte ist ein Ausschnitt aus dem amtlichen Meßtischblatt Nr. 3060 von
1934. Die Kietzbrücke liegt außerhalb, weiter unten rechts.
[Vergrößerter Ausschnitt] (3,2 MByte)
(Grafik: 2011 khd) |
Fließaufwärts liegt die große Wiese und etwas weiter, der
Papenwinkel, der Papen-See liegt zwischen dem Gr. Wusterwitz-See und dem Wege nach
Krügergrund. Fließabwärts schlossen sich eine Menge Woldenberger Wiesen an, darunter
die Bullenwiese und schon an der Grapower Grenze die Pfarrwiese. Auch im
großen Ort am Krossinfließe, wo unter anderen auch die Jungfernwiese
war, im Lenzenbruche und selbst an der Drage lagen etliche Hauswiesen.
Von der Kietzbrücke führt der Mehrenthin’sche Weg zur Stadt. Halbwegs der Brücke und
des jetzigen
Bayershof befindet sich zur rechten Hand die
Rohrwiese. Dann überschreitet die Straße das klingende Fließ und
gabelt sich nach der Neumühle, deren Eigentümer der Kurfürst war. Zu ihrem Besitz
gehört der rote Graben, ein Stück Land von ungefähr 400 Morgen, in dem aber
auch Wiesen lagen, die gelegentlich vom Fließe durchgerissen wurden.
Nicht weit davon liegt die Papiermühle, mit der viel später die
Walkmühle vereinigt wurde. Die erstere gehörte dem Rate und wurde 1702 verkauft, um
Geld fiir den Rathausbau
**) zu gewinnen. In ihrer Umgebung werden
Wöhrländer, Gärten, eine wüste Hofstelle und der Sand ober der
Papiermühle erwähnt. Der Mehrenthiner Weg läuft dann am Ziegelberge
vorbei, läßt auch damals schon bald dahinter den Fußsteig nach der Papiermühle
abzweigen und mündet am heutigen Magazinberge, auf dem der Fußexerzier- oder
der Trockenplatz liegt, zwischen den Scheunen in den Wolgaster Steindamm.
An dieser Stelle zweigt sich auch nach Süden die Mühlengasse ab, zwischen
Gärten und Ackerland hindurch. Ein Stück Land lag zwischen dem Dümpel und dem
Stein am Mühlenwerder’schen Wege. Hier lag auch die alte Walk- und Lohmühle.
Sie gehörte dem Rate und wurde von den Schustern und Tuchmachern umschichtig einen Tag um den
andern benutzt. Dafür bezahlte jedes Gewerk jährlich 2 Gulden Pacht zur Unterhaltung des
Rathauses.
Dicht dabei auf dem Mühlenwerder lag die
Mühle vor Woldenberg.
Sie hatte zwei Mahlgänge, und ihr Wert betrug 1700 Gulden ohne Wohnhaus und Ländereien. Ihr
Eigentümer war damals der Erbmüller Jädicke. Später wurde mit ihr eine
Schneidemühle vereinigt, aber wohl nicht vor 1661, da sie in einem damaligen Erbvergleich nicht
erwähnt wird. Bei ihr vorbei führte die Mühlengasse durch das Mühlentor in die Stadt.
Hinter der Mühle lag der Mühlenberg, der jetzige Eberberg. Er
gehörte nicht zur Mühle, sondern war in Bürgerhänden.
An der Süd- und Westseite der Stadt zog sich am Graben entlang vom Fließe bis zum hohen Tore
der Rosengarten. Woher sein Name kommt, ob er einen Zusammenhang mit dem Woldenberger Wappen,
das ja eine rote Rose im silbernen Felde zeigt, hat, ja ob er überhaupt zur Zucht von Rosen gedient
hat? Ich weiß es nicht. Jedenfalls trug er zu Ausgang des 30jährigen Krieges nur wenige Rosen
in einzelnen Gärten, sonst hauptsächlich Feldfrüchte; die Frauen breiteten auf der
Bleichstätte ihr Linnen aus, und ab und zu wurde eine Leiche in ihm verscharrt.
Noch 1700 begrub eine Spinnerin heimlich ohne Erlaubnis der Kirche hier ihr uneheliches Kind, und 1714
ließ ein Mann seinen Halbbruder ohne Gesang und Geklang heimlich vorlängst der
Mauer auf einer Mistbörge zum Tore hinaustragen. Die Rosengasse, die nach 1710 entstand, ist die
Erinnerung an ihn. Rosengassen gibt es auch in anderen märkischen Städten. Aber da dienen sie
nicht dem Gedächtnis eines Rosengartens, sondern liegen innerhalb der Tore dicht an der Mauer. In
ihnen wohnten die Dirnen, die an der Unehre saßen, und der Büttel hatte die
Aufsicht über sie.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Teil des Rosengartens zum Friedhofe geweiht. Jetzt ist er es
ganz. Manchem Herzen mag es ein Trost sein, zu wissen, daß seine Lieben in einem Rosengarten
ruhen.Trat man aus dem hohen Tore heraus, so überschritt man auf der hohen
Tor-Brücke den Graben. Rechter Hand lag eine Lehmkuhle, umgeben von Gärten, die nach dem
Wasser zu wahrscheinlich in das Ellerbruch übergingen. Zur linken Hand lag das Hospital,
die ehemalige St. Georgskapelle, aber wohl etwas weiter westlich, als das jetzige 1731 erbaute.
Auf dem heutigen Kastanienplatz und weiter westlich und südwestlich lagen Scheunen und Gärten,
und vor dem ältesten Friedhofsteile die Sandscholle. Hier zweigte sich der Schlanower
vom Lauchstädter Wege ab am Rosengarten vorbei. Am Schlanower Wege stand, wo weiß ich nicht,
eine Schneidemühle, wenigstens von 1542 1580. Zur rechten Hand des Weges in Höhe der
Papiermühle liegt die kalte Grund, gegenüber das Rohr, etwas weiter auf
der linken Hand nach der Neumühle zu die hohle Grund.
An der Lauchstädter Straße zog sich an Stelle des heutigen Geheges die Freiheit
oder der Anger als Weide entlang. Freiheit hieß ursprünglich wohl alles Land, das
nicht den Bürgern, sondern der Stadt gehörte. Ein Teil nach der Rohrsdorferstraße zu
wurde später Exerzierplatz [Ed: und noch später (1940) ein
Kriegsgefangenenlager das
OfLag IIC]. An der Südostseite des Geheges läuft Haase’s Trift.
Südöstlich des faulen Sees und der Kunststraße nach Lauchstädt nach der
Rohrsdorferstraße zu, sind die Tanger-Kaveln, am Krügergrunder Weg ist der
Mitteltanger.
Das Gelände zwischen faulem See und Wutziger Weg nehmen die drei
Ruten-Stücke mit dem drei Ruten-Berg ein. Sonst lag vorm hohen Tore noch der
große Pfuhl. Am Wutziger Wege zum Bahnhof hinauf geht der Galgenberg. Nach der
Stadt zu nördlich des ersteren sind die Hospitalrücken.
Der Postberg wurde Klosterfelder Steindamm genannt. Auf der Klosterfelder, oder
später auch weißen Brücke genannt, überschritt er das Fließ, von
diesem, das statt der heutigen Rittergutswiesen den Platz-See bildete, bis zur
Kiebitz-Brücke westlich begleitet. Zwischen ihr und der Kiebitz-Mühle
fließen das breite und Selzow-Fließ zusammen. Dicht dabei ist ein
Bergrücken: der Spulenort.
Das breite Fließ wird bis zu seinem Ausflusse aus dem Wutziger See von den
breiten Wiesen begleitet. In ihnen liegt Dömpners jetzt Domkes
Werder. Im Süden grenzt an sie die Kappe, südlich der der
Schützensee liegt. Seinen Namen habe ich in den alten Akten nie gefunden. Wahrscheinlich
hat der See ihn erst bei Wiederaufbau der Gilde zur Zeit des zweiten schlesischen Krieges erhalten.
Nördlich grenzt an die Wiesen die Mönchsheide.
Oestlich des Klosterfelder Weges an der Feldmarks-Grenze liegen: Das hohe Bruch, die
Klatten Rigge und die Lämmerdorf’schen Brüche, und in dem Winkel, den
der eben genannte und der Gramsfelder Weg bilden, die Strauchkaveln. In der Nähe des
Gramsfelder Parkes ist ein Spring, der noch in geringem Maße die Eigenschaften eines wirklichen
Springs bewahrt hat und dabei ein leises Blubbern hören laßt, wenigstens manchmal. Er
heißt der Blubber-Spring.
Oestlich an Gramsfelder Gebiet stößt der Kirchenplan mit verschiedenen Fenns (Sumpf,
Moorland). Der Schlage See läuft westlich aus in die kalte Kuhle. Herr Uhler hat den
Ochsenort gepachtet. In dem Winkel, den der Weg zu den Ausbauten (Ziegeleien) mit dem
Wolgaster Wege bildet, liegt die Scheffel-Rigge. Sie geht westlich in die
Sauwinkel’sche Rigge über, die an den großen See stößt und mit
dem Linkow-Fenn Verbindung hat. Nördlich des Linkow-Fenns und -Sees liegen die
Scheffel-Stücke, an die östlich die Schiefe-Kaveln mit dem
großen und kleinen Barschpfuhl stoßen.
Den Winkel, den der Lämmersdorfer und der Wolgaster Weg bilden, nannte man den kleinen
Klaterpott, und am Ostausgang des versumpften Selzow-Sees liegen der Eller-Klaterpott
und der Klabenpott. Südöstlich des kleinen Klaterpotts springt eine
Halbinsel in den See vor, von der man einen herrlichen Blick auf Woldenberg hat. Es ist der
Kienort.
Geht man die alte Lämmersdorfer Straße nach der Stadt zu, dann liegt zur rechten Hand
südlich der Glambeck-Fichten, hart am Wege, die Buttergrund. Von ihr plätscherte
noch vor 40 30 Jahren ein klares Rinnsal, an dem sich die Woldenberger Jungen ihre Mühlen
bauten, durch den Bergabhang zum See. Jetzt ist es durch das Drain-Rohr gefangen. Nicht weit von seinem
Ausflusse stadtwärts und nicht weit seeeinwärts liegt eine längere Untiefe im See,
der Zanderberg.
Dicht vorm Scheitelpunkt der Klosterfelder- und Lämmersdorferstraße stand an der letzteren
das Jungfernkreuz. Weshalb und wann mag es errichtet, wann verschwunden sein? In der zweiten
Hälfte des 17. Jahrhunderts wird es noch als Ortsbezeichnung genannt. Ihm ungefähr
gegenüber lag der Ratsteich auf der anderen Seite der Straße und nördlich von
diesem bis zum Feldweg an den Mühlen der Upstall. In und an dem Winkel, den das
Selzow-Fließ macht, liegt der Militzwinkel und am Südrande des Sees die
Berge am Selzow.
Oestlich an den Militzwinkel anstoßend, vielleicht auch noch in ihm, besitzt Herr Aulich eine
Wiese. Bei der Entwässerung in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden hier eine Anzahl
Pfosten und Balken gefunden, die auf einen alten Uebergang schließen ließen. Ob sich daraus
der weitere Schluß ziehen läßt, daß das Fließ und demgemäß auch
die Klosterfelder Straße einen anderen Lauf gehabt haben, vermag ich nicht zu sagen. An die
Aulich’sche Wiese grenzt der Hopfenort, und an diesen der Ochsenwerder
zwischen Selzow-und Glambek-See.
Als weitere Flurbezeichnungen sind mir aufgestoßen: Der grüne Spring, das
dröge Sieb, in denen beiden Wiesen lagen, der wilde Werder, der
Lachsberg, die beide zum Urbesitz des kleinen Burglehns gehörten, der Riegeberg,
das Speckbruch, der Westerbusch und die Neuebrücke. Ueber die
Lage dieser Oertlichkeiten kann ich nichts angeben.
Ich erhebe weder den Anspruch, ein lückenloses Verzeichnis der Flurnamen geliefert, noch die Lage
der Orte immer ganz genau angegeben zu haben. In Akten und im Volksmunde mögen noch so manche Namen
zu finden sein, von denen ich keine Ahnung habe, und das zweite ist ohne Karte sehr schwer, wenigstens
mir. Dankbar wäre ich deshalb jedem, der mir mit seinem besseren Wissen helfen wollte.
Sicher sind die Bezeichnungen nicht zu gleicher Zeit entstanden, und sicher haben manche Orte sie
geändert. Eine große Anzahl sind dem Wissen unserer Zeit verloren gegangen. Einmal ist der
Grund, der dem Orte seinen Namen gab, verschwunden. Dann aber steht der heutige Mensch seinem Besitze
nicht mehr so gemütvoll nahe, wie unsere Altvorderen.
Uns ist es meistens nur ein Wertgegenstand, den wir leichten Herzens aus der Hand geben, wenn wir
verdienen können. Unsern Vätern war es ein Stück ihres Lebens, das ihnen ihr täglich
Brot gab. Freudig zu begrüßen ist deshalb das Streben unseres Verschönerungsvereins,
die alten Flurbezeichnungen der Vergessenheit zu entreißen, indem er Namenstafeln aufzustellen
beginnt. Denn auch die Flur- und Ortsnamen sind ein Spiegelbild der Seele unserer Ahnen.
*) Wahrscheinlich ein früher mit Eichen bestandenes
Bruch.
**) Für diesen war schon ein Grundstock gesammelt, in den z. B. auch das Kaufgeld für das
Eigentum verlaufener Leute floß, so 1700 für des verlaufenen Peter Pötters
halbe Hufe als ein verlaufen Guth 30 Taler. Der Käufer war der Nachtwächter und
Bürger Peter Donicht, der dem Verlaufenen schon 14 Taler angezahlt hatte. Pötter konnte also
noch nicht allzulange fort sein, und trotzdem war sein Eigentum schon dem Rate verfallen. Der Käufer
zahlte 10 Taler am 9.1.1700 und 20 Taler am 3.3.1701, obwohl er die letzten 10 Taler erst 1702 zu zahlen
brauchte. Er muß also, trotzdem er Nachtwächter war, ein wohlhabender Mann gewesen
sein.