Woldenberg (Neumark)   —  Dies & Das – Teil 5 khd
Stand:  12.9.2012   (126. Ed.)  –  File: WBG/Ex/Woldenberg_Dies&Das_05.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  W o l d e n b e r g
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
 
Auf den „Dies & Das“-Seiten sind kleine Geschichten und Fakten aus der Geschichte der Kleinstadt Woldenberg sowie der Neumark dokumentiert. Sie stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind. [Translation-Service]

I n d e x :


Woldenberg — Alte Woldenberger Orts- und Flurnamen


Von Woldenberger Orts- und Flurbezeichnungen
und noch so manchem anderen 
1 2

Von HEINZ MEYDAM, Woldenberg  3

Aus: Woldenberger Ostmärkische Zeitung – Nr. xxx/xxx, etwa 1930, Seite xxx (xxx). 4

Abbildungen, Anmerkungen in [...], Zwischentitel und Links sowie der Fettdruck aller Orts- und Flurnamen wurden hier zum besseren Verständnis redaktionell hinzugefügt. Die hier im Text mit einem * versehenen Orts- oder Flurnamen sind in der Karte eingezeichnet. [Translation-Service]


      Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Teil das Rosengartens zum Friedhofe geweiht. Jetzt ist er es ganz. Manchem Herzen mag es ein Trost sein, zu wissen, daß seine Lieben in einem Rosengarten ruhen.

Am Hohen Tor

      Trat man aus dem hohen Tore heraus, so überschritt man auf der „hohen Tor- Brücke“ den Graben. Rechter Hand lag eine Lehmkuhle, umgeben von Gärten, die nach dem Wasser zu wahrscheinlich in das „Ellerbruch“ übergingen. Zu linken Hand lag das Hospital, die ehemalige St. Georgs-Kapelle, aber wohl etwas weiter westlich, als das jetzige 1731 erbaute.

Im Bahnhofsviertel

      Auf dem heutigen Kastanienplatz und weiter westlich und südwestlich lagen Scheunen und Gärten und vor dem ältesten Friedhofsteile die „Sandscholle“. Hier zweigte sich der Schlanower vom Lauchstädter Wege ab am Rosengarten vorbei. Am Schlanower Wege stand, wo weiß ich nicht, eine Schneidemühle, wenigstens von 1542 bis 1580. Zur rechten Hand des Weges in Höhe der Papiermühle* liegt [vor der Stadt] die „kalte Grund“, gegenüber das „Rohr“, etwas weiter auf der linken Hand nach der Neumühle* zu „die hohle Grund“.

Südlich der Stadt

      An der Lauchstädter Straße [später Friedeberger Chaussee] zog sich an Stelle des heutigen Geheges* die „Freiheit“ oder der „Anger“ als Weide entlang. Freiheit hieß ursprünglich wohl alles Land, das nicht den Bürgern, sondern der Stadt gehörte. Ein Teil nach der Rohrsdorfer Straße zu wurde später Exerzierplatz. An der Südostseite des Geheges läuft „Haases Trift“.

      Südöstlich des „faulen See*“ und der Kunststraße nach Lauchstädt nach der Rohrsdorfer Straße zu sind die „Tanger-Kaveln“, am Krügergrunder Weg ist der „Mitteltanger“. Das Gelände zwischen „faulem See*“ und Wutziger Weg* nehmen die „drei Ruten-Stücke“ mit dem „drei Ruten-Berg“ ein. Sonst lag vorm hohen Tore noch „der große Pfuhl“. Am Wutziger Wege zum Bahnhof hinauf geht der „Galgenberg“. Nach der Stadt zu nördlich des ersteren sind die „Hospitalrücken“.

Die nähere Umgebung von Woldenberg vor 1945
^   Topographische Karte der Umgebung von Woldenberg. Zwar sind hier nicht alle im Text angegebenen (alten) Orts- und Flurnamen zu finden, aber diese Karte ermöglicht zumindest eine Orientierung.

Bedeutung der Abkürzungen: B.A. = Badeanstalt, Bf. = Bahnhof, Br. = Brücke, M. = Mühle, S. = See, S.W. = Sägewerk, Vro = Vorwerk. Die kursiven Zahlen sind Höhenangaben über Meeresspiegel in Metern. Bei den abgeschnittenen Ortsnamen handelt es sich um Wutzig (links) und Johanneswunsch (rechts). Der See auf der linken Seite ist der Hermsdorfer See, auch „Wutziger See“ genannt. Die Straße mit der Nr. 1 (unten) führt zur Kreisstadt Friedeberg/Nm. Durch Klicken auf die Karte wird eine vergrößerte Darstellung in gleicher Auflösung in einem extra Fenster angezeigt (400 kByte). [Vergrößerte Meßtischblatt-Ausschnitte von 1934]   (Repro aus *: 1999 – khd)


Nordwestlich der Stadt

      Der Postberg wurde „Klosterfelder Steindamm“ genannt. Auf der „Klosterfelder“- oder später auch „weißen Brücke“ genannt, überschritt er das Fließ, von diesem, das statt der heutigen Rittergutswiesen den „Platz-See“ bildete, bis zur „Kiebitz-Brücke*“ westlich begleitet. Zwischen ihr und der „Kiebitz-Mühle“ fließen das „
Breite Fließ*“ und „Selzow-Fließ*“ zusammen. Dicht dabei ist ein Berg-Rücken: der „Spulenort“.

      Das breite Fließ* wird bis zu seinem Ausflusse aus dem „Wutziger See*“ von den „breiten Wiesen“ begleitet. In ihnen liegt „Dömpners“-, jetzt „Domkes Werder“. Im Süden grenzt sie an die „Kappe*“, südlich der der „Schützensee“ liegt. Seinen Namen habe ich in den alten Akten nie gefunden. Wahrscheinlich hat der See ihn erst bei Wiederaufbau der [Schützen-]Gilde zur Zeit des zweiten schlesischen Krieges erhalten. Nördlich grenzt an die Wiesen die „Mönchsheide*“ [ein ausgedehntes Waldgebiet].

Nördlich des Großen Sees

      Östlich des Klosterfelder Weges* an der Feldmarksgrenze liegen „das hohe Bruch“, „die Klatten Rigge“ und „die Lämmersdorf’schen Brüche“, und in dem Winkel, den der eben genannte und der Gramsfelder Weg* bilden, „die Strauchkaveln“.

      In der Nähe des Gramsfelder Parkes ist ein Spring [Quelle], der noch in geringem Maße die Eigenschaften eines wirklichen Springs bewahrt hat und dabei ein leises Blubbern hören läßt, wenigstens manchmal. Er heißt der „Blubber-Spring“. Östlich an Gramsfelder Gebiet stößt der Kirchenplan mit verschiedenen Fenns. Der Schlagesee läuft westlich aus in die „kalte Kuhle“, Herr Uhler hat den „Ochsenort“ gepachtet.

      In dem Winkel, den der Weg zu den Ausbauten (Ziegeleien) mit dem Wolgaster Wege bildet, liegt die „Scheffel-Rigge“. Sie geht westlich in die „Sauwinkel’sche Rigge“ über, die an den großen See* stößt und mit dem „Linkow-Fenn“ Verbindung hat. Nördlich des Linkow-Fenns und Linkow-Sees liegen die „Scheffel-Stücke“, an die östlich die „Schiefe-Kaveln“ mit dem „großen und kleinen Barschpfuhl“ stoßen.

Woldenberg -- Blick über den See
^   Ein Blick vom nördliche Ufer über den Großen See auf die Stadt Woldenberg. Eine ähnliche Aussicht bietet auch die Halbinsel „Kienort“, die im Text erwähnt wird.   (Repro: 2006 – khd)

Dicht beim Großen Sees

      Den Winkel, den der Lämmersdorfer und der Wolgaster Weg bilden, nannte man den „kleinen Klatterpott“, und am Ostausgang des versumpften Selzow-Sees* liegt der „Eller-Klatterpott“ und der „Klabenpott“. Südöstlich des „kleinen Klatterpotts“ springt eine Halbinsel* in den [Woldenberger bzw. großen] See vor, von der man einen herrlichen Blick auf Woldenberg hat. Es ist der „Kienort*“.

      Geht man die alte Lämmersdorfer Straße* nach der Stadt zu, dann liegt zur rechten Hand südlich der Glambek*- Fichten, hart am Wege „die Buttergrund“. Von ihr plätscherte noch vor 40–30 Jahren ein klares Rinnsal, an dem sich die Woldenberger Jungen ihre Mühlen bauten, durch den Bergabhang zum See. Jetzt ist es durch das Drainrohr gefangen. Nicht weit von seinem Ausflusse stadtwärts und nicht weit seeeinwärts liegt eine längere Untiefe im See, „der Zanderberg“.

Woldenberg/Neumark und Umgebung 1937
^   Woldenberg und Umgebung. Vergrößerter Ausschnitt aus der Pommern-Karte von 1937. Auf dieser Karte ist die Lage der Dörfer Klosterfelde und Lämmersdorf sowie die von Woldenberg dorthin führenden Straßen zu erkennen. Klosterfelde und Lämmersdorf lagen bereits im Kreis Arnswalde.   (Repro aus *: 2007 – khd)

Beiderseits der Klosterfelder Straße

      Dicht vorm Scheitelpunkt [Ed: vermutlich ist damit die Gabelung gemeint] der Klosterfelder- und Lämmersdorfer Straße stand an der letzteren „das Jungfernkreuz“. Weshalb und wann mag es errichtet, wann verschwunden sein? In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wird es noch als Ortsbezeichnung genannt. Ihm ungefähr gegenüber lag „der Ratsdeich“ auf der anderen Seite der Straße und nördlich von diesem bis zum Feldweg an den Mühlen „der Upstall“.

      In und an dem Winkel, den das Selzow-Fließ* macht, liegt der „Militz-Winkel“ und am Südrande des Sees die „Berge am Selzow“. Östlich an den Militz-Winkel anstoßend, vielleicht auch noch in ihm, besitzt Herr Aulich [Ed: der am Kastanienplatz Ecke Postberg eine Gaststätte betrieb] eine Wiese.

      Bei der Entwässerung in den [18]90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden hier eine Anzahl Pfosten und Balken gefunden, die auf einen alten Übergang [Ed: über das Fließ-Tal] schließen ließen. Ob sich daraus der weitere Schluß ziehen läßt, daß das Fließ und demgemäß auch die Klosterfelder Straße* einen anderen Lauf gehabt haben, vermag ich nicht zu sagen..

      An die Aulich’sche Wiese grenzt der „Hopfenort“, und an diesen der „Ochsenwerder“ zwischen Selzow- und Glambek-See*.

Unklar, wo das war

      Als weitere Flurbezeichnungen sind mir aufgestoßen: „der grüne Spring“, „das dröge Sieb“, in denen beide Wiesen lagen, „der wilde Werder“, „der Lachsberg“, die beide zum Urbesitz des kleinen Burglehns gehörten [Ed: hat vermutlich mit dem Rittergut* zu tun], „der Riegeberg“, „das Speckbruch“, „der Westerbusch“ und die „Neuebrücke“. Über die Lage dieser Örtlichkeiten kann ich nichts angeben.



      Ich erhebe weder den Anspruch, ein lückenloses Verzeichnis der Flurnamen geliefert, noch die Lage der Orte immer ganz genau angegeben zu haben. In Akten und im Volksmunde mögen noch so manche Namen zu finden sein, von denen ich keine Ahnung habe, und das zweite ist ohne Karte sehr schwer, wenigstens mir. Dankbar wäre ich deshalb jedem, der mir mit seinem besseren Wissen helfen wollte.

      Sicher sind die Bezeichnungen nicht zu gleicher Zeit entstanden, und sicher haben manche Orte sich geändert. Eine große Anzahl sind dem Wissens unserer Zeit verloren gegangen. Einmal ist der Grund, der dem Orte seinen Namen gab, verschwunden. Dann aber steht der heutige Mensch seinem Besitze nicht mehr so gemütvoll nahe, wie unsere Altvordern.

      Uns ist es meistens nur ein Wertgegenstand, den wir leichten Herzens aus der Hand geben, wenn wir verdienen können. Unseren Vätern war es ein Stück ihres Lebens, das ihnen ihr täglich Brot gab.

      Freudig zu begrüßen ist deshalb das Streben unseres Verschönerungsvereins, die alten Flubezeichnungen der Vergessenheit zu entreißen, indem er Namenstafeln aufzustellen beginnt. Denn auch die Flur- und Ortsnamen sind ein Spiegelbild der Seele unserer Ahnen.


1)  Auch wenn im heutigen Dobiegniew diese alten deutschen Flurnamen keine Bedeutung mehr haben, ist es wichtig solch aufgeschriebenes altes Wissen zu digitalisieren und ins Internet zu stellen. Das kann anderen bei der Suche von ganz anderen Zusammenhängen sehr helfen. Denn erst damit werden via guter Suchmaschinen (und diese werden sicher noch viel besser werden) Volltext-Recherchen für alle ermöglicht. Die klassische Archiv-Recherche kann das nie und nimmer leisten.

Und auf der Basis der Ergebnisse aus digitalen Volltext-Recherchen lassen sich dann meist Verknüpfungen des Wissens mit anderen Funden herstellen. Durch geschickte digitale Verweise (Links) kann dann das erweiterte Wissen dargestellt und zur Nutzung durch andere im Kulturraum Internet wieder veröffentlicht werden. Das ist der eigentliche Anspruch des Internets, was vor allem von der gewerblichen Wirtschaft (auch von den meisten Medien) nicht verstanden und deshalb ignoriert wird.

2)  Die meisten der hier vom Autor mitgeteilten Orts- und Flurnamen waren auch zu Woldenberger Zeiten um 1940 nicht mehr allgemein bekannt. Nur ganz wenige von den Namen tauchen noch im amtlichen Kartenwerk (Meßtischblätter etc.) dieser Zeit auf. Der Autor hat die Namen vor allem in alten Stadt-Akten recherchiert. Auch insofern sind diese Angaben heute (2009) wertvoll, da alle Woldenberger Akten die Zerstörung Woldenbergs nicht überlebt haben. [Zur Bedeutung von Orts- und Flurnamen]

Da der Zeitungsdruck dieses Artikels bereits sehr stark vergilbt ist und in Fraktur-Schrift erfolgte, ist ein Scannen mit OCR-Transkription nicht möglich, so daß auf das manuelle Übertragen – sprich sorgfältiges Abtippen – zurückgegriffen werden muß. Daher wird es einige Zeit dauern, bis dieser Aufsatz hier komplett sein wird. Mit der 33. Ed. an Pfingsten (31.5.2009) ist es nun endlich geschafft.

3)  Heinz Meydam war Major a. D. der Wehrmacht (oder hieß das in den 1920er-Jahren noch „Reichswehr“?). Er hatte als Heimatforscher viele alte Akten gesichtet und hatte sehr genaue Ortskenntnisse. Er wohnte 1924 in der Richtstraße 31. Als sein Artikel in der Zeitung erschien, war er schon gestorben.

Noch ein Hinweis: In der „Telefunken-Zeitung“ Nr. 15 vom Mai 1919 (gibt’s als PDF beim
Radio-Museum im Internet) beschreibt ein Hauptmann Meydam (Vorname fehlt) erste erfolgreiche Funkversuche seiner Aufklärungs-Eskadron an der deutschen Westfront, bei der erstmals mobile Funkanlagen (noch mit richtigen Funkenstrecken) der Firma Telefunken zum Einsatz kamen. Bei dem Autor könnte es sich um den Woldenberger Meydam handeln.

4)  Es ist nicht sicher, daß dieser Artikel aus der „Woldenberger Ostmärkische Zeitung“ stammt, nur sehr wahrscheinlich. Überliefert ist nur ein Zeitungsausschnitt, auf dem leider die Angabe eines Zeitungsnamen und anderer Daten fehlen.


Woldenberg — Ist deutscher Ortsname ‚p.c.‘?


Deutsche Ortsnamen

Wortgefechte — Preßburg oder Bratislava? Reichenberg oder Liberec? 1

Aus: Silesia, 11. März 2009. Anmerkungen in [...], Zwischentitel und Links wurden hier zum besseren Verständnis redaktionell hinzugefügt. [Original] [Translation-Service]


WIEN. Die Namensvielfalt in deutschsprachigen Medien ist oft verwirrend und könnte vermieden werden, wenn sich Österreichs und Deutschlands Medien an die Regel halten würden, für geografische Bezeichnungen deutschsprachige Namen zu verwenden, sofern diese vorhanden sind.

      Würden sie es tun, hieße es Weißrussland und nicht Belarus, das alt bekannte Bombay hieße nicht Mumbai und Peking nicht Beijing. Auch die falsche Schreibweise von Bosnien-Hercegovina gehörte der Vergangenheit an, denn Deutsch heißt das Land Bosnien-Herzegowina. Wenn es unbedingt die Schreibweise der Einheimischen sein soll, dann aber auch Suomi für Finnland und Sakartwelo für Georgien schreiben.

Kant ein Russe?

      Eine Stolperfalle ist oft auch die Bezeichnung von Orten und Landschaften, die bist 1945 deutschsprachig waren und heute polnisch, russisch oder tschechisch sind. Viele Medien vermeiden hier die geläufigen deutschen Namen. So firmierten bei einer Nachrichtenagentur die Bewohner Danzigs als Gdansker, manche verwenden den Zungenbrecher Brno für die Großstadt Brünn, und im Internet- Portal de.uncyclopedia.org/wiki/Immanuel_Kant heißt es allen Ernstes, daß Immanuel Kant in Kaliningrad geboren wurde und Russe sei! Dumm bloß, daß Königsberg, wo Kant 1724 das Licht der Welt erblickte, erst 222 Jahre später von den Sowjets umbenannt wurde.

      Das Vermeiden der deutschen Namen ist meist politisch motiviert – genährt von der Befürchtung, deutsche Ortsnamen könnten deutsche Besitzansprüche implizieren. Doch da Deutschlands Grenzen seit der Wiedervereinigung [von 1990] verbindlich festgelegt sind, ziehen derlei Bedenken heute nicht mehr.

Man ist kein Revanchist

      Die Lösung des Problems ist simpel: Vergessen wir bei Ortsnamen einfach ideologische Hintergedanken und bleiben wir bei unserer Sprache, also bei Preßburg und Bombay, bei Reichenberg, Breslau und Königsberg [oder bei Woldenberg statt Dobiegniew].

      Im Gegenzug haben übrigens andere Völker keine Hemmungen beim Benennen deutscher und österreichischer Städte in ihrer Sprache: In England spricht man ungeniert von Munich (für München) und Vienna (für Wien), in Italien von Stoccarda (für Stuttgart) und in Polen von Drezno (für Dresden) und von Ratyzbona (für Regensburg).

      Daß damit Besitzansprüche verbunden wären, ist nicht bekannt, informierte Gerhard Zeihsel, der Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ).


1)  Es wird immer wieder erzählt, daß die Verwendung von deutschsprachigen Ortsnamen nicht ‚politically correct‘ (p.c.) sei. Das ist natürlich totaler Quatsch, wie dieser Artikel aufzeigt. Alle Welt benutzt eigene landessprachliche Bezeichnungen für ausländische Orte, wenn es solche gibt. Hinzukommt noch, daß vor allem die Namen in osteuropäischen Sprachen auf Schreibmaschinen oder der normalen PC-Tastatur nicht korrekt geschrieben werden können. Man denke nur an die vielen polnischen oder tschechischen Sonderzeichen, mal ganz abgesehen von der korrekten Aussprache.

In manchen Fällen – so im Rahmen dieser Internet-Präsentation, die sich an ein internationales Publikum wendet – wird es aber sehr sinnvoll sein, oft beide Namen anzugeben, z. B.: Dobiegniew (Woldenberg) oder Woldenberg (Dobiegniew), auch eine Verbindung mit Schrägstrich wie in „Woldenberg/Dobiegniew“ oder „Dobiegniew/Woldenberg“ kann sinnvoll sein. Es wird vom Kontext abhängen, welcher Form man den Vorzug gibt.


Woldenberg — Bayers Hof am Ende des Krieges


      Leser Heinz Mohnhaupt (Jg. 1930) wurde erst kürzlich auf die Woldenberg-Präsentation im Internet aufmerksam. Mit großem Interesse hat er den Beitrag über Bayershof (Bayers Hof) gelesen. Denn sein Vater, und ab Herbst 1942 auch seine Mutter, waren Tagelöhner (Landarbeiter) beim Bauer Herbert Starkenberg auf Bayershof bei Woldenberg. Aus eigenem Erleben berichtete er am 7. Juni 2009 über die Situation von Bayers Hof, wie sie um 1945 bestand:

      »Wir – mein Vater, meine Mutter, meine 3 Jahre jüngere Schwester und ich wohnten in Woldenberg. Für meinen Vater war der Weg zur Arbeit nach Bayershof im Winter mitunter sehr beschwerlich und mitunter erreichte er sein Ziel überhaupt nicht. Im Jahr 1939 ließ Bauer Starkenberg in der Nähe des Gutshofes ein Zweifamilienhaus bauen, um dort Tagelöhner unterzubringen. Mit Rücksicht auf uns Kinder (meine Schwester 6 und ich 9 Jahre) wurde wegen des sich daraus ergebenden weiten Schulweges nach Woldenberg jedoch vorerst von einem Zuzug nach Bayershof abgesehen.

      Dem Gutshof wurden infolge des Krieges polnische Landarbeiter zugewiesen, die die eine Hälfte des Tagelöhnerhauses bezogen. Im Herbst 1942 zogen wir dann in die seit 3 Jahren leer stehende zweite Wohnung, wo wir Kinder trotz des weiten Schulweges und der Armut für ein paar Jahre eine schöne Kindheit verlebten. Unsere Mutter, die vorher in Woldenberg für wenige Pfennige als Wäscherin für andere Leute arbeitete, wurde nun ebenfalls Landarbeiterin bei Bauer Starkenberg.

      Am 27. Januar 1945 erhielten wir Order, vor der herannahenden Front zu fliehen. Bauer Starkenberg und seine Mutter, seine verheiratete Schwester Else Hering mit ihren Söhnen Siegfried und Günter sowie meine Mutter, meine Schwester und ich (unser Vater war zu dieser Zeit beim Volkssturm) traten mit 3 Fuhrwerken des Bauern die Flucht in den Kreis Anklam an. Obwohl wir durch unglückliche Umstände unterwegs getrennt wurden und niemand vom anderen wusste wo man sich befand, trafen wir letztendlich glücklich wieder zusammen.

      Bei Kriegsende bekamen wir Order, nach Bayershof zurückzukehren. Mitte Mai [1945] trafen wir gemeinsam – allerdings ohne Fuhrwerke – dort wieder ein. Von da an arbeiteten wir alle unter polnischer Aufsicht in Neumühle (heute
Nowy Mlyn), wohin ca. 1 Woche nach uns auch unser Vater zurückkehrte. Am 27. Juni 1945 wurden wir von den Feldern geholt und mussten uns in Neumühle einfinden, um unseren Fußmarsch nach westlich der Oder anzutreten. Tags darauf, am 28. Juni 1945, hatten wir den letzten Kontakt zur Familie Starkenberg/Hering. Im Oktober 1945 endete unsere beschwerliche, entbehrungsreiche und von der Krankheit und Tod unserer Mutter überschattete Odyssee in der Gegend von Stralsund.«

      Während der ebenfalls in den Morgenstunden des 27. Januar 1945 nach Westen gestartete große Woldenberg-Treck der Bauern und Pferdehalter bereits am Abend des 29. Januar in Berlinchen von der Roten Armee überrollt wurde und nicht mehr die rettende Oder erreichen konnte, kam dieser kleine Treck von Bayers Hof auf den tiefverschneiten Straßen durch bis ins Anklamer Land in Vorpommern. In letzter Minute konnten sie am 30. Januar 1945 bei Greifenhagen die Oder überqueren, bevor die Brücke von deutschen Pionieren gesprengt wurde. Das ist bemerkenswert, denn bislang war nur bekannt, daß es dem Treck vom „Birkenhof“ (Karolinenhof) durch eine geschickte, nördlichere Wegwahl gelang, den Sowjets auf dem Landweg zu entkommen.

      Gert Brauer – damals 14 Jahre – hat das in seinem Buch „Was vergangen, leuchtet lange noch zurück“ ausführlich beschrieben. Der Birkenhof-Treck nahm folgende Route von Woldenberg nach Westen: Woldenberg, Wutziger Straße (Start am 27.1. früh) — Wutzig — Brandsheide — Kölzig — Marienwalde — Sellnow — Heinrichswalde (erreicht am 27.1. abends) — Radun — Arnswalde (erreicht am 28.1.) — Billerbeck — Blankensee — Warsin (erreicht am 29.1.) — Plönzig — Rosenfelde — Megow (erreicht am 30.1.) — Pyritz — Rackitt — Bahn (erreicht am 31.1. abends) — und am 1.2.1945 dann „in wilder Hast“ weiter in Richtung der nahen (rettenden) Oder [Ed: im Buch ist übrigens die Orts-Reihenfolge nicht korrekt angegeben, wie ein Blick auf die Karte zeigte].

      Völlig neu in dem Mohnhaupt-Bericht ist, daß bereits in den Westen geflüchtete Bauern und Landarbeiter unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs (8/9. Mai 1945) zurück in die eroberte Neumark beordert wurden. Das muß die russische Besatzungsmacht angeordnet haben. Vermutlich war es den Russen bis Mai 1945 nicht gelungen (oder waren da schon die Polen zuständig?), genügend Polen aus Ostpolen in die Neumark ‚umzusiedeln‘. Und so mußte in sowieso schon schlechten Zeiten um die Bestellung der Felder gefürchtet werden. Warum sie dann aber nur 6 Wochen später mit ihrem ‚ethnic cleansing‘ begannen, ist unlogisch und mußte 1945 und 1946 zu großen Mißernten führen. Aber den damals ‚Regierenden‘ waren ja Menschen und deren Versorgung mit dem Nötigsten völlig egal.

      Bereits am 6. Mai 1945 hatte die polnische Regierung ein „Gesetz über den Ausschluß feindlicher Elemente aus der polnischen Volksgemeinschaft“ sowie ein „Gesetz über das verlassene und aufgegebene Vermögen“ (Bierut-Dekrete) erlassen. Damit begann die ethnischen Säuberung der seit Mitte März 1945 unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen Ostgebiete. Und somit war das auch der Grund, warum Ende Juni 1945 die Deutschen von Bayers Hof zusammen mit anderen Deutschen aus Woldenberg und Umgebung vertrieben wurden.

      Soweit bekannt, wurden in die Woldenberger Gegend erst 1947 mit der „Operation Wisla“ eine größere Zahl Polen aus Südost-Polen (Wolhynien) zwangsweise umgesiedelt – also deportiert.


Woldenberg — Neumärkischer Sprachgebrauch

      Mit der folgenden Liste soll versucht werden, nach und nach besondere Begriffe, die sich in der Woldenberger Gegend im Sprachgebrauch – nicht nur im Platt – eingebürgert hatten, zu dokumentieren. Natürlich gibt es keinen reinen neumärkischen Sprachgebrauch. Dieser unterlag vielmehr sehr unterschiedlichen Einflüssen aus der Umgebung (Pommern, Ostpreußen, Polen), aber auch aus dem Jiddischen stammen allzuoft markante Ausdrücke. 


Woldenberger Sprachgebrauch
Quelle: Gesammeltes Wissen der Leser
Anlage Kleiner Park mit Hecken und Bäumen.  
Bratwurst Eine salami-artige geräucherte Hartwurst, die man auch mal braten konnte.  
Bruch Moor- und sumpfartiges Feuchtgebiet längs von Flüssen, wie das Dragebruch oder das Netzebruch.  
Deetz Kopf.  
Deiwel Teufel.  
diesig nebelig, dunstig.  
dröge trocken, z, B, kann ein Kuchen „dröge“ sein.  
Einsegnung Konfirmation.  
fieseln Ganz fein regnen.  
Flieder Dunkle Holunderbeeren.  
Fließ Ein kleiner Fluß, aber größer als ein Bach.  
Gehege Stadtwald.  
häbbrig Wenn jemand „häbbrig“ ist, dann gibt er nicht gerne etwas ab. 4
Hoff Statt Hof.  
Kien Baumharz.  
Klieben Mehl-Klümpchen in einer Milchsuppe.  
Kreude Ein sehr dickflüssiger, dunkelbrauner Zuckersirup, der aus Zuckerrüben gewonnen wurde. 2
Kuffel Eine große meist hohe Tasse.  
Lorbas Ein vorwitziger Junge.  
Mairan Majoran.  
Salzkuchen Roggenbrötchen, die mit grobem Salz bestreut gebacken wurden. Der Geschmack war einmalig. 1
Schienenbrücke Brücke, auf der Schienen liegen und die Eisenbahn langfährt. 3
Spring Wasserquelle.  
Süßen Innereien vom Schwein. Aber was war das?  
Torweg Einfahrt zu einem Grundstück oder Haus.  
Tüffeln Holzpantoffeln oder Holzpantinen.  
Tüfkes Kartoffeln.  
vermöbeln verhauen.  
Wrucken Kohlrüben.  
Zieschen Würstchen aus Pferdefleisch.  
Zossen Pferde.  
  1) Solche gab’s beim Bäcker Pieper in der Schulstraße.
  2) Weiß jemand, wie man diese „Kreude“ ganz genau kocht?
  3) In Woldenberg gab’s davon 2: Über das Fließ + über den Mehrenthiner Weg.
  4) Aber Geiz ist das noch nicht unbedingt.


Woldenberg — Läden, die es 1943/44 gab

      Mit der folgenden Liste soll versucht werden, nach und nach Läden, die es 1943/44 in Woldenberg gab, zu dokumentieren. Insbesondere sollen hier die besonders beliebten Geschäfte festgehalten werden. Die Links an den Geschäftsnamen führen meistens zu alten Fotos oder Anzeigen im alten Woldenberg-Prospekt. 


Woldenberger Läden 1943/44
Quelle: Gesammeltes Wissen der Leser
Adomeit Papierwarengeschäft Richtstraße 9
Altermann Schreibwaren, Bücher Richtstraße 54 2
Apotheke Medikamente Am Markt 8  
Blachowski Bäckerei, Konditorei Richtstraße 53  
C.Bredereck Bekleidung Junkerstraße 2–3  
Doyé, Alfred Modehaus, Konfektion Richtstraße 6  
Fiedler Eisen- und Haushaltswaren Richtstraße 10 4
Dallmann Lebensmittel Alte Marktstraße 13 3
Grellmann Bäckerei Richtstraße 16  
Grewatsch Kohlen Eisenbahnstraße 1  
Griepentrog Bäckerei Alte Marktstraße 8  
Gurkasch Fleischerei Richtstraße 25  
Joseph Schuhe + Konfektion Am Markt  
Käding Kupferschmied + Klempnerei Richtstraße 18  
Kassner Kolonialwaren, Spirituosen Kirchstraße 1 7
Kollmorgen Photograph, Glaser Am hohen Tor 4  
Kruschel Obst und Gemüse Eisenbahnstraße 3  
Kuntze Strümpfe, Wolle und Handarbeiten Kirchstraße 9  
Melz Schuhgeschäft Am Hohen Tor 5 7
Meyer Bäckerei Richtstraße 16  
Neuendorff Stellmacher + Handwagen Mühlengasse 3  
Oehlke Glas, Porzellan, u.a. Richtstraße 11  
Pätznick Uhrmacher, Schmuck Richtstraße 43  
Pauli Gärtnerei Richtstraße 53  
Pieper Bäckerei Schulstraße 30 1
Pontow Putz und Mode Am Markt 4  
Prochnow Haushaltswaren, Spielzeug Am Hohen Tor  
Prochnow Kohlen, Petroleum Richtstraße 48  
Rosenberg Feine Konfektion Richtstraße 52 5
Rosengarten Fische Am Niedertor 6  
Sann Drogerie Am Hohen Tor 6  
Schaede Tischlerei, Möbel, Särge Friedeberger Straße 10  
Schuchardt Kolonialwaren Bahnhofstraße 1  
Schulz, Willy Möbeltischlerei Richtstraße 4 8
Veit Tabakwaren Am Hohen Tor 3  
Weckwerth Auto-Schlosserei Kastanienplatz 6
Wenzel Fleischerei Richtstraße 3  
  1) Hier gab es die wohlschmeckenden „Salzkuchen“.
  2) Auch Buchdruckerei und Verlag der „Woldenberger Zeitung“.
  3) Das Haus steht noch heute, wie dieses Foto von 2005 zeigt.
  4) Hier gab’s auch Fahrräder und Nähmascinen.
  5) Siehe Gästebucheintrag vom Aug. 2009 + [Rosenberg-Erinnerungen].
  6) Hier konnten Autofahrer auch Benzin tanken.
  7) Das war am früheren Pariser Platz.
  8) Neben der Gärtnerei Pauli, Richtstraße 53.
  9) Erstes Haus links hinter der alten Post.


Woldenberg — Lehrer und Lehrerinnen

      Mit der folgenden Liste soll versucht werden, nach und nach die Namen der Lehrer und Lehrerinnen, die in Woldenberg an der Volksschule (VSch) und der Mittelschule (MSch) bis 1945 wirkten, festzuhalten. Der Schulbetrieb endete 1944 mit dem Beginn der Weihnachtsferien. 


  U m g e z o g e n !

Diese Liste der Woldenberger Lehrer.
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Die Woldenberger Schule
umgezogen.
 





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