Woldenberg (Neumark)   —  Symposium in Dobiegniew 2013 – Teil 2 khd
Stand:  29.11.2014   (116. Ed.)  –  File: WBG/Symp/Wbg_Symposium_2013_pt2.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

      Fließblick auf Woldenberg
Unter dem Motto „Woldenbergs Kinder werden 80“ fand in Dobiegniew vom 21. bis 24. Juni 2013 im Schloßhotel Mehrenthin (Palac Mierzecin) erstmals ein Treffen der letzten Woldenberger Kinder statt. Gut 30 Woldenbergerinnen und Woldenberger sowie Freunde Woldenbergs waren aus Deutschland ins Lebuser Land (Polens Provinz Lubuskie) gekommen.

In der alten Heimat erwartete die Teilnehmer ein umfangreiches
Programm. Dazu gehörte auch eine Begegnung mit polnischen Kriegskindern, die nach 1945 ebenfalls aus ihrer Heimat vertrieben worden waren.

2 Auf dieser Seite sind einige Berichte sowie Fotos vom Symposium dokumentiert. So können auch alle stillen Beobachter, die aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr zum Treffen kommen konnten, nun im nachhinein etwas daran teilnehmen.


Im Internet ist diese Web-Seite zu finden unter:
http://www.woldenberg-neumark.eu/Symp/Wbg_Symposium_2013_pt2.html


I n h a l t : 
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Grußwort der Schirmherrin Ursula Ziebarth


Symposium 2013 Die mit Woldenberg eng verbundene 91-jährige Berliner Schriftstellerin Ursula Ziebarth hat die Schirmherrschaft für das Symposium in Dobiegniew übernommen, auch wenn sie selbst nicht mehr kommen kann. Ihren Urgroßeltern gehörte das Woldenberger Theater- und Konzerthaus an der Moltkestraße.
[Ihre Erinnerungen an Woldenberg]

Bereits im Februar 2013 richtete Sie das folgende Grußwort an die sich im Juni im früheren Woldenberg zusammenkommenden — nun um die 80-jährigen — Woldenberger Kinder.

An die Kinder Woldenbergs

      Mit Freude höre ich, daß etliche von den alten Woldenbergern mit Herrn Stach in das von uns allen unvergessene und noch geliebte Woldenberg fahren. Zweimal war ich nach dem Krieg dort und bin sehr freundlich aufgenommen worden von den polnischen Neubewohnern. Ich habe vieles Alte in der zerstörten Stadt wieder gefunden.

      Leider war unser „Ziebarths Theater- und Konzerthaus“ bis auf die Grundmauern zerstört. Ich habe einen Ziegelstein mitgenommen und bewahre ihn auf als Andenken an das Haus, in dem ich viele glückliche Ferien verbracht habe. Ich denke aber, daß die großen alten Kastanien und Nußbäume auf dem Gelände doch noch stehen.

      Bitte schauen Sie nach und wenn sie noch da sind, grüssen Sie sie von mir und wenn Sie ein Foto machen von den schönen Bäumen, wäre ich Ihnen sehr dankbar. Auch wenn Sie mir eine Postkarte schreiben, würde mir das Freude machen.

      Es tut mir leid, daß ich wegen sehr vieler Arbeit an Büchern und wegen meines hohen Alters nicht selber mitkomme. Aber ich denke an Sie alle.

Ursula Ziebarth, Berlin      


Weitere Grußworte zum Symposium sind im FORUM des Portals eingegangen von:



Eröffnung des Symposiums


Woldenbergs Kinder werden 80



DOBIEGNIEW/WOLDENBERG – 21. Juni 2013 (khd/sta). Punkt 2 Uhr läuteten in Dobiegniew die alten Woldenberger Glocken im markanten Kirchturm. Damit wurde heute das 3-tägige Symposium der Woldenberger Kinder eingeläutet. Mit einem Gottesdienst wurde danach das Treffen eröffnet. Für viele war das ein bewegender Moment, denn in dieser Kirche wurden sie einst getauft.

LI RE
Teilnehmer des Woldenberg-Symposiums 2013 vor dem Südportal der Kirche
^   Die Teilnehmer des Woldenberg-Symposiums versammelten sich nach dem Gottesdienst vor dem Südportal der Backstein- Kirche aus dem 15. Jahrhundert. [Mini-Poster davon zum Drucken] [Das Programm des Symposiums]
[Teilnehmer-Liste] [Vergrößerung links] [Vergrößerung rechts]   (Foto: 21.6.2013 – 15.06 Uhr – m.nasta-stach-013)

      Dieser Gottesdienst ging schon unter die Haut. Pfarrer Werdin, der aus Greiffenberg bei Angermünde angereist war, predigte nicht nur, er spielte auch Trompete. Am Schluß hat der emeritierte polnische Priester Gerard Kropidlowski (ganz links auf dem Foto) ein Grußwort der katholischen Kirchgemeinde gesprochen. Er begann mit den Worten: „Sie kommen in Ihre Heimat.“ [Rede]

Wbg-Symposium -- Vor dem Gottesdienst      
^   Durchs Hauptportal der alten Kirche geht’s zum ev. Gottesdienst, den Pfarrer Dr. Werdin aus Angermünde leitete. Frau Dr. Renz – eines der Woldenberger Kinder – begleitete an der Orgel.   (Foto: 21.6.2013 – m.n-stach-012)
Wbg-Symposium -- Zur alten Bäckerei
^   Über die frühere Schulstraße ging’s zum Restaurant in der alten Bäckerei zum Kaffeetrinken mit Begrüßung durch den Bürgermeister. Im Hintergrund: Woldenberger Häuser an der Alten Marktstraße.   (Foto: 21.6.2013 – m.n-stach-046)

Wbg-Symposium -- Erstes Kennenlernen      
^   Im Zabel-Restaurant in der alten Bäckerei fand beim Kaffeetrinken auf Einladung der Stadt ein erstes Kennenlernen statt. Am Tisch (von links): 17, 6, 33, 5, 31, 23 laut Teilnehmer-Liste. (Foto: 21.6.2013 – m.n-stach-049)
Wbg-Symposium -- Übergabe Bernsteinpferdchen
^   Dobiegniews Bürgermeister Waloch (li.) staunt über das kleine Gastgeschenk: Eine Replik des 1858 bei Woldenberg gefundenen Bernsteinpferdchens, das aus der Jungsteinzeit stammt. *   (Foto: 21.6.2013 – m.n-stach-056)

      Nach dem Gottesdienst ging es nur ein Stückchen weiter in das Zabel- Restaurant in der alten Bäckerei an der früheren Schulstraße. Hier wartete schon Dobiegniews
      Wbg-Symposium -- 1. Abendessen
^   Warten aufs Abendessen in der früheren „Destillerie“ des Schloßes Mehrenthin. [Was gab es zu essen?]   (Foto: 21.6.2013 – m.n-stach-064)
Bürgermeister Leszek Waloch mit einer Abordnung der Stadtverwaltung, um die Gäste aus Deutschland herzlichst zu begrüßen. Als ein kleines — aber dafür feines und sehr symbolkräftiges — Gastgeschenk überreichte Wolfgang Bornstädt aus Premnitz der Stadt zusammen mit einer Erläuterung eine Nachbildung des
Woldenberger Bernsteinpferdchens aus der Jungsteinzeit, das vor 155 Jahren 1858 bei Woldenberg bei einer Grabung zufällig gefunden wurde. [Rede] [mehr]

      Im Schloßhotel Mehrenthin wartete das Abendessen und danach die Lesung aus dem Buch von Heinz Mohnhaupt mit interessanten Geschichten aus dem alten Woldenberg. Daran schloß sich eine intensive Diskussion über die verschiedenen Erinnerungen ans Woldenberg vor 1945 an. [mehr]


Symposium — Der 2. Tag


DOBIEGNIEW/WOLDENBERG – 22. Juni 2013 (khd/sta). Am zweiten Tag des Symposiums wurde vormittags die untere Stadt erkundet, wo am Rand noch manche Gebäude aus Woldenberger Zeiten vorhanden sind. Besonderes Interesse fand das Ufer des Sees. Es wurde ein Wiedersehen mit dem Großen See, wo manche einst oft gespielt hatten oder sich im Winter auf dem zugefrorenen See mit Schlittschuhen vergnügten.

Wbg-Symposium -- An der Wasserpforte      
Wbg-Symposium -- Zugang zum Großen See
^   Blick vom Ort der früheren Wasserpforte an der Nordmauer auf den Großen See (Woldenberger See). Dobiegniew ist dabei, das Seeufer wieder attraktiver zu gestalten.   (Foto: 22.6.2013 – g.stach-014)

<   Für Frau Brauer mit ihrem Rollator ein schwieriger Abstieg von der Kurze Marktstraße zum Seeufer an der früheren Wasserpforte. [Altes Foto]   (Foto: 22.6.2013 – g.stach-069)

Teilnehmer des Woldenberg-Symposiums 2013 am Großen See
^   Herrliches Sommerwetter am Woldenberger See — fast so wie im Sommer 1944, als man noch klein war. Auf der neuen Seebrücke am Abfluß des Fließes stellen sich die Woldenberger Kinder dem Fotografen. Auffällt, daß bei diesem Wetter kein Segelboot auf dem See ist — zu Woldenberger Zeiten unvorstellbar. [Teilnehmer-Liste]   (Foto: 22.6.2013 – g.stach-042)

      Nach der Stadterkundung, bei der auch den alten Häuschen an der Ostmauer und dem alten Schützenplatz ein Besuch abgestattet, aber auch so mancher alte Baum entdeckt wurde, ging es raus hinters Gehege zum OfLag- Museum an der Rohrsdorfer Seite der Chaussee nach Friedeberg. Zum Walderdbeerensuchen war leider keine Zeit. Aber Woldenbergs Kinder fanden den alten Findling wieder, der einst der Höhepunkt von sonntäglichen Spaziergängen durchs Gehege war.

Teilnehmer des Woldenberg-Symposiums 2013 am Findling beim Gehege
^   Die Woldenberger Kinder versammeln sich am alten Findling, der heute auf dem Gelände des OfLag-Museums liegt. Früher stand dieser Felsstein an der „Kaisereiche“ im Birkenwäldchen des Woldenberger Geheges — wohl seit 1913.
[Altes Foto vom Findling]   (Foto: 22.6.2013 – 11.04 Uhr – m.nasta-stach-052)

      Der Nachmittag dieses historischen Tags war dann den interessanten und informativen Vorträgen des Historikers Dr. Gert Brauer (Jg. 1931), der Soziologin Dr. Nadja Messerschmidt und der Publizistin Dr. Helga Hirsch gewidmet. Und in der Kaffepause gab es eine Überraschung: Eine große Geburtstagstorte kam auf den Tisch.

Wbg-Symposium -- Die Geburtstagstorte
^   Zum „Kindergeburtstag“ gehört auch eine Torte. Und die kam am Sonnabend in der Kaffeepause – zumal Reinhard Bornstädt an diesem Tag 69 wurde.   (Foto: 22.6.2013 – stach-053)

      Das Abendprogramm (Gesprächsrunde) wurde um die Vorführung eines TV-Beitrags der ARD (im N3 1997/98 gesendet) ergänzt, den ein Teilnehmer mitbrachte. Darin wird die Geschichte der Woldenbergerin Martha Tomalka erzählt, die 1945 in Woldenberg geblieben war und auch dort 1999 in ihrer Heimat gestorben ist.

      Außerdem stieß der in Lauchstädt geborene Heinz Zabel, der Besitzer des 2001 am Liebsee eröffneten
Hotels Wodnik (Hotel Wassermann) in Dolgen (Dlugie), zur Runde hinzu. Es wurde spät an diesem Abend, denn es gab sehr viel zu erzählen und zu besprechen.


Symposium — Der 3. Tag


DOBIEGNIEW/WOLDENBERG – 23. Juni 2013 (khd/sta). Am Vormittag des dritten Tages des Symposiums stand die Besichtigung der oberen Stadt auf dem Programm. Hier im Bahnhofsviertel stehen noch besonders viele Häuser aus der Zeit von vor 1945. Das ist u. a. das Amtsgericht, der Bahnhof und das Postamt, aber auch das berühmte „Storchnest“ in der früheren Milferstaedtstraße.

Wbg-Symposium -- Wasserpumpe      
^   Eine alte Wasserpumpe an der Ecke Bahnhofstraße – aber sie war trocken. Anders als in Woldenberg, wo überall Pumpen standen, gibt es heute in den Häusern fließendes Wasser aus dem Hahn.   (Foto: 23.6.2013 – g.stach-002)
Wbg-Symposium -- Heimaterde mitnehmen
^   Wolfgang Bornstädt füllt Heimaterde aus seinem früheren Garten in einen Beutel. Dafür hatte Dobiegniews Bürgermeisterei allen Angereisten solche Beutel mit dem Stadtwappen überreicht.   (Foto: 23.6.2013 – g.stach-010)

      An diesem Sonntag war es zwar schön sonnig, aber schon vormittags wieder ziemlich heiß. Deshalb wurde jede Bank-Gelegenheit zu einer kleinen Rast genutzt. Schade war natürlich, daß es in der Moltkestraße nicht mehr ein Gartenlokal gibt — wie das von Ziebarth. Denn dort spendeten die Bäume schon vor 1945 herrlich Schatten und das köstliche Woldenberger Malzbier löschte den Kinder-Durst. Und so zog man weiter zum kleinen Keller-Café „La Mirage“ an der früheren Richtstraße, in Nähe des Hohen Tors.

Wbg-Symposium -- Ziebarths Gartenlokal
^   Unter diesen prächtigen Bäumen befand sich an der Moltkestraße einst Ziebarths Gartenlokal. Aber man muß es wissen, denn nichts erinnert mehr daran. Selbst die zementene Tanzfläche ist wohl verschwunden oder total zugewachsen.   (Foto: 23.6.2013 – g.stach-013)


Abschluß des Symposiums


DOBIEGNIEW/WOLDENBERG – 23. Juni 2013 (khd/sta). Am Nachmittag des letzten Tages stand ein nochmaliges Eintauchen ins Woldenberg von früher auf dem Programm. Zu dieser Foto-Schau und dem sich anschließenden Abschluß-Büffet waren auch polnische Kriegskinder eingeladen.

Wbg-Symposium -- Die Foto-Schau
^   In einer Foto-Schau zeigt Herr Gierlowski, ehem. Mitarbeiter der Dobiegniewer Stadtverwaltung, das alte Woldenberg, wobei auch via Internet auf die in Toronto auf dem Woldenberg-Portal archivierten Fotos zugegriffen wurde.   (Foto: 23.6.2013 – m.n-stach-040)

      Danach gab es das große Abschluß-Büffet mit Gesprächen und polnischen Spezialitäten. Dabei gab es dann auch für alle Teilnehmer und Gäste ein kleines Geschenk — auch wieder zum Erinnern: Ein Glas „Naschkätzchen“, ein dicker Zuckerrüben-Sirup aus Sachsen-Anhalt, der im Geschmack der Woldenberger Kreude sehr nahe kommt. Eine Leserin hatte darauf im letzten Advent im FORUM aufmerksam gemacht.

Wbg-Symposium -- Botschaft gerollt      
Wbg-Symposium -- Auf dem Weg zum Mehrenthiner Fließ
^   Die Woldenberger und Dobiegniewer Kinder auf dem Weg zum Mehrenthiner Fließ.   (Foto: 23.6.2013 – m.n-stach-050)

<   Andrzej Kuczynski von der Dobiegniewer Stadtverwaltung hält die gerollte Botschaft der Kriegskinder in den Händen, die in der untergehenden Sonne von der Frau des Vize-Bürgermeisters in die Flasche gesteckt wurde.   (Foto: 22.6.2013 – m.n-stach-056)

      Nachdem man sich am Büffet gestärkt hatte, wurde der Versand der Flaschenpost vorbereitet. Im Schein der untergehenden Sonne gingen alle zum nahen Mehrenthiner Fließ. Am Ufer sprach dann Dr. Brauer aus Wiesbaden (Jg. 1931) die
Abschlußworte des wegweisenden Symposiums. Von polnischer Seite sprach Vize-Bürgermeister Tadeusz Bednarczuk. „Das waren beeindruckende Tage hier in Dobiegniew“, war zu hören. Mögen sie noch lange in Erinnerung bleiben.


Die Friedensbotschaft der Kriegskinder


      Zum Abschluß des Symposiums gingen die Woldenberger und Dobiegniewer Kriegskinder am Abend des 23. Juni 2013 gemeinsam zum Mehrenthiner Fließ (Mierzecka Struga). Von dort sandten sie per Flaschenpost die folgende Friedensbotschaft in die Welt.

Dobiegniew-Symposium 2013 -- Die Friedensbotschaft
^   Die Friedensbotschaft von Dobiegniew in Deutsch (links) und Polnisch (rechts). Gehofft wird, daß die Flaschenpost übers Mehrenthiner Fließ, die Drage, die Warthe und die Oder mindestens bis zur Ostsee gelangt. Per Klick öffnet sich die Botschaft in einem extra Fenster zum genauen Lesen. *   (Repro: 7.6.2013 – khd)

Wbg-Symposium -- Die Flaschenpost ist im Fließ
^   Nach sorgfältiger Vorbereitung war es um 20.47 Uhr so weit: Das älteste Woldenberger Kind, Gerd Kollmorgen (84) warf die Flasche mit der Friedensbotschaft mit einem kräftigen Schwung ins Mehrenthiner Fließ. Sie landete perfekt in der Mitte des Flüßchens. Die Reise in die Welt konnte beginnen.   (Foto: 23.6.2013 – m.n-stach-068)


Ein Fazit und ein Ausblick


Wbg-Symposium -- Die Kirche      
^   Woldenbergs Kinder wünschten sich noch einmal einen ev. Gottesdienst in ihrer alten Taufkirche.   (Foto: 21.6.2013 – g.kollmorgen-2271)
      Es waren schon ganz besonders beeindruckende und harmonische Tage des Erinnerns in Dobiegniew. Alle Sinne wurden angesprochen. Wir verdanken den Teilnehmern des Woldenberg- Symposiums viel. Das Unmögliche konnte durch ihre Mitwirkung wahr werden. Wenn sie sich nicht für ihre Wurzeln interessieren würden, und wenn sie nicht bereit gewesen wären — stellvertretend für alle noch lebenden Woldenberger Kinder — das Programm mitzugestalten, zu tragen und zum Erfolg zu führen, wäre ihre Geschichte als Woldenberger schon im Jahr 1945 zu Ende gewesen. Aber mit diesem wegweisenden Symposium schrieben sie 2013 die Geschichte fort.

      Der von Woldenbergs Kindern so sehr gewünschte Eröffnungs-Gottesdienst in der alten Marienkirche am früheren Marktplatz wurde zum Erinnerungsereignis — zumal die alte Schule gleich daneben nicht mehr existiert. Die einfühlsamen Worte der deutschen Predigt von Pfarrer Werdin in der polnischen Kirche gaben die Möglichkeit innezuhalten und über die längst gestorbenen Vorfahren und Verwandten, Freunde und über sich selbst nachzudenken.

      Wbg-Symposium -- Kirche innen
^   So sieht es heute in Dobiegniew in der Kirche aus. [Altes Foto von vor 1945]   (Foto: 21.6.2013 – g.kollmorgen-2272)
      Bei diesem Symposium spielte viel Symbolik eine tragende Rolle. So wurde das 5000 Jahre alte
Woldenberger Bernsteinpferdchen aus der Vergessenheit hervorgeholt und feierlich von den Woldenberger Kriegskindern in die Hände des Dobiegniewer Bürgermeisters übergeben. In Beuteln — ein Geschenk der Stadtverwaltung — wurde Heimaterde zum Mitnehmen eingefüllt. Schließlich wurde von den polnischen und deutschen Kriegskindern eine gemeinsame Friedensbotschaft in einer Flaschenpost der Strömung des Mehrenthiner Fließes anvertraut und sogleich in die Ferne getragen.

      Bis zum Jahr 2021 werden die bis 1940 in den früheren deutschen Ostprovinzen geborenen und noch lebenden Kinder alle 80 Jahre alt geworden sein. Es bleiben also noch einige Jahre, um auch anderenorts in der alten Heimat östlich von Oder und Neiße einen solchen „Kindergeburtstag“ der Kriegskinder zu organisieren. Insofern mag dieses Symposium des Erinnerns von Woldenberg/Dobiegniew 2013 den Weg gewiesen haben, daß so etwas heute möglich ist. Und man aus diesem besonderen Anlaß sogar mal einen evangelischen Gottesdienst in einer katholischen Kirche feiern kann.

      Die Aussöhnung und Verständigung zwischen Deutschen und Polen wird bis zum Jahr 2035 ein sehr gutes Stück vorangekommen sein. In diesem Jahr steht in Dobiegniew/Woldenberg ein Jubiläum an: 700 Jahre (christliche) Kirche. Bereits vor 4 Jahren wünschte sich im FORUM der Herausgeber dieser Webseiten, daß man sich 2035 daran erinnern und es zum Anlaß nehmen möge, das Ereignis von 1335 in Dobiegniew von Polen und Deutschen mit einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst in der alten Woldenberger Kirche aus dem 15. Jahrhundert festlich zu begehen.

      Zwar werden 2035 Menschen, die das alte Woldenberg noch aus eigenem Erleben kannten, schon fast ausgestorben sein. Aber sicher wird es noch reichlich Nachfahren geben, die sich der kleinen Stadt ihrer Eltern und Großeltern in der früheren Neumark verbunden fühlen und kommen würden, wenn man sie informiert. Dieses Woldenberg-Symposium hat auch dazu den Weg bereitet.


Inzwischen haben einige der beim Symposium Anwesenden ihre Eindrücke im FORUM des Portals geschildert:



Wbg-Symposium -- Kirche von Osten      
^   Blick auf die Kirche von der Kirchstraße Ecke Brauhausstraße.   (Foto: 22.6.2013 – g.kollmorgen-2289)
Wbg-Symposium -- Kirche von Südosten
^   Blick auf die alte Woldenberger Kirche von der Junkerstraße.   (Foto: 22.6.2013 – g.kollmorgen-2290)


ANHANG — Die Teilnehmer und anderes


Wer war gekommen?

Teilnehmer-Liste

Wer konnte nicht kommen?

Potentielle Teilnehmer

Nur die mit einer Jahrgangs-Angabe (Jg.) versehenen Personen sind Woldenberger Kinder. Immerhin konnten anläßlich dieses Symposiums gut 50 Woldenberger Kinder ausfindig gemacht werden. Aber es wird sicher noch etliche mehr geben. Von den im Juli 1943 aus Bochum (Ruhrgebiet) nach Woldenberg evakuierten Kindern — den „Bochumern“ — konnte keines ausfindig gemacht werden.

Sollten sich in den beiden Tabellen Fehler eingeschlichen haben oder Sie noch weitere lebende Woldenberger Kinder mitteilen wollen, dann bitte ich um eine kurze — Danke!






Was gab es zu essen?

Ursprünglich war vorgesehen, nur Essen aus Woldenberg oder der Neumark zu reichen. Denn das Erinnern an die Kindheit sollte sich nicht nur auf Flucht und Vertreibung beschränken. Zwar brachte der an Weihnachten erfolgte Aufruf, solche Gerichte mitzuteilen, sehr viele Vorschläge. Aber die Rekonstruktion der alten Kochrezepte stellte sich als zeitaufwendig heraus.

Auch schieden verschiedene gute Gerichte schon wegen der Jahreszeit aus (wer mag schon im Sommer z. B. Karpfen oder gar Gänsebraten mit Grünkohl essen?). Außerdem wollte natürlich die Schloßhotel-Küche mit eigenen Creationen glänzen. Deshalb wurde der Speiseplan dann so ausgerichtet, daß wenigstens für jeden Tag ein Neumark-typisches Gericht auf den Tisch kam. Sorry, aber so ganz ist auch das nicht gelungen, denn die Hotelküche hatte vor allem bei den Beilagen eigene Vorstellungen.

Speisefolge zum Symposium
„Woldenbergs Kinder werden 80“
in Dobiegniew — 21.–24. Juni 2013
Wann?   G e r i c h t Bem.
Fr — 21. Juni A  
  • Grüne Erbsen-Cremesuppe.
  • Schweinefilet in Speck eingewickelt.
  • Dazu: Backkartoffeln, gekochtes Gemüse und Pfifferlingsauce.
  • 1
    Sa — 22. Juni M
    *
  • Zwiebelsuppe.
  • Karbonade mit frischem Spargel und brauner Butter.
  • Dazu: Neue Kartoffeln.

  • 4
    N  
  • Geburtstagstorte.
  •  
    A  
  • Cremesuppe aus hellem Gemüse mit Thymian.
  • Gegrillte Hähnchenbrust.
  • Dazu: Im Dampf gegartes Gemüse und Backkartoffeln.
  •  
    So — 23. Juni M
    *
  • Bouillon.
  • Gutsbraten nach der Art von Bayershof mit Sahnesoße.
  • Dazu: Backkartoffeln und Butterbohnen.

  • 2
    3
    N *
  • Streuselkuchen.
  •  
    A   Selbstbedienungs-Büffet mit polnischen Spezialitäten:
  • Chlodnik (Kalte Rote Bete Suppe mit Garnelen).
  • Bigos (Der berühmte Jäger-Eintopf).
  • Schweinenacken in Pflaumensauce.
  • Eskalopki (gebackene Schweinefleisch-Stückchen).
  • Pierogi (unterschiedlich gefüllte Teigtaschen).
  • Backkartoffeln.
  • Altpoln. Kartoffel-Salat (mit grünen Bohnen + poln. Wurst).
  • Gemüse-Salat.
  • Verschiedener Kuchen nach polnischer Art.

  • 6




    5

    7
      1) Eigentlich sollte es hier Woldenberger Kartoffel-Suppe als Vorsuppe geben, aber das war dann kurzfristig nicht mehr zu vermitteln.
      2) Bayershof gehörte dem Urgroßvater des Editors (khd) und lag nur wenige Minuten vom Schloß entfernt am Mehrenthiner Weg.
      3) Natürlich hätten dazu gedämpfte Salzkartoffel gereicht werden müssen, aber man liebt dort wohl diese „Backkartoffeln“.
      4) Leider mutierte Eigengeschmacks-starke Karbonade vor Ort zu nur „Schnitzelchen“. Und aus weißem Spargel wurde grüner Spargel.
      5) Backkartoffeln: Im Ofen gebackene Kartoffelhälften in Schale (sparen die Schälarbeit!).
      6) Es wird berichtet, daß die Garnelen an dieser Suppe fehlten, obwohl diese ein Geheimnis dieser wohlschmeckenden Suppe sind.
      7) Gemüse-Salat: Suppengrün, grüne Erbsen, Mais, Rote Bohnen, gekochte Kartoffeln, saure Gurken.
    Die mit einem * markierten Gerichte sind Woldenberg-typisch. Es bedeuten: A = Abendessen, M = Mittagessen, N = zur Kaffeepause am Nachmittag.




    Anmerkungen / Remarks of the Editor:     [Translation-Service]

    HINWEIS; Mit einem Klick auf die kleinen roten Dreiecke (Backlinks) hinter der Nummer finden Sie heraus, wo diese Anmerkung im Bericht anknüpft — was so nur im Internet möglich ist.
          Wbg-Symposium -- Ökomen. Gespräch
    ^   Kleines ökomenisches Gespräch zwischen Alt-Priester Kropidlowski und Pfarrer Werdin vor den uralten Backsteinen der Kirchnauer.   (Foto: 21.6.2013 – g.kollmorgen-2278)
    1) ^  Zur Predigt von Pfarrer Werdin: „Liebe Woldenberger Gemeinde, oder vielleicht sage ich besser, liebe Woldenberger Kinder, wie ich gehört habe, die Sie hier und in der Umgebung geboren wurden und aufgewachsen sind! Eine Rückkehr, wie ich hören darf, nach 80 Jahren, längstens da. Aber die Geschichten sind noch länger, reichen viel weiter zurück — über Generationen“, begann Pfarrer Werdin seine Predigt in der Woldenberger Kirche. Er führte damit in weit gefaßte Themenbereiche. Beim Jahr 1933 hielt er kurz inne. Es folgten Themen wie z. B. die Unverwechselbarkeit eines jeden Schicksals, die Aufgaben der Generationen, und daß es keine Selbstverständlichkeit sei, einen evangelischen Gottesdienst in einer nunmehr katholisch geweihten Kirche zu zelebrieren.

    Der Eröffnungsgottesdienst stand unter dem Wort des PSALM 103: „Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.“ Gesungen wurden, von der Orgel begleitet, die alten vertrauten Lieder: „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren, ...“, „Großer Gott, wir loben dich, ...“ und „Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen.“

    2) ^  Die neue See-Promenade: In Dobiegniew hat man vor einiger Zeit damit begonnen, die Promenade am Großen See (Jezioro Wielgie) zu revitalisieren — zunächst nur entlang der früheren Nordmauer. Wolfgang Bornstädt berichtet, die neue See-Promenade sei in Dobiegniew besser als zu Woldenberger Zeiten. Man habe sie mit einem soliden Pflaster versehen, so daß man hier sogar skaten könnte. Ob auch noch ein Brückenschlag in Richtung des Krüger- Werders über den Abfluß des Fließes erfolgt, ist derzeit noch unklar. In den 1940er-Jahren war hier eine hölzerne Bogenbrücke — auch zur besseren Anbindung der Badeanstalt — gebaut worden, was aber 1945 alles zerstört wurde. Im Herbst 2013 war aus der Stadtverwaltung zu erfahren, daß in der Tat wieder eine Fußgängerbrücke übers Mehrenthiner Fließ gebaut werden wird.

    3) ^  Als Bürgermeister Waloch die Replik des Bernsteinpferdchens aus Kunstharz bekam, sagte er, daß er irgendwo schon so ein Pferdchen gesehen habe, wisse aber nicht, wo das war. Er fragte, ob es Bernstein sei, weil das Material so ähnlich aussehe. Er bekam dazu einen Ausdruck der Internet-Seite über das Pferdchen in einer Mappe — quasi als Zertifikat.

          Wbg-Symposium -- Neuer Steg am See
    ^   Blick von der früheren Wasserpforte auf die neue befestigte See-Promenade mit Steg, aber ohne Boote. (Foto: 22.6.2013 – g.kollmorgen-2281)
    4) ^  Zur Zerstörung Woldenbergs: Bei dieser Diskussion wurde sehr schnell die Frage aufgeworfen, warum denn Woldenbergs Stadtkern nach der kampflosen (!) Besetzung durch Panzer-Spitzen der Roten Armee am Abend des 28. Januar 1945 so total zerstört wurde. Zerstört wurde der Stadtkern durch einen Großbrand, der bis zum Abend des 30. Januar 1945 andauerte — nicht durch Panzerbeschuß. Es ist keine Frage, auch diese Stadt wurde von Rotarmisten bewußt in Brand gesteckt, weil auch 1945 noch das mittelalterliche Prinzip der „verbrannten Erde“ zum Kriegshandwerk gehörte — auch auf deutscher Seite. Sehr viele im II. Weltkrieg durch Brände zerstörte Dörfer und Städte sind der Beleg dafür.

    Befördert wurde der Brand in Woldenberg durch die Tatsache, daß in den alten Gebäuden des Stadtkerns sehr viel Brennbares (Holz u. a) verbaut war. Man erkennt das daran, daß selbst im Stadtkern außer der Kirche auch einige solide Steinhäuser relativ unbeschädigt den Brand überlebten, z. B. das Dallmann-Haus an der Richtstraße Ecke Alte Marktstraße (existiert noch), das Prochnow-Hotel in der Richtstraße (existiert noch), aber auch die Gebäude an der Brunnenstraße Ecke Kirchstraße (eines davon steht noch heute).

    Der Angriff der SS-Tiger-Panzer, die ganz schnell aus dem Westfälisch- lippischen herbeigeschafft worden waren, hat mit Woldenbergs Zerstörung nichts zu tun. Denn dieser erfolgte von Norden aus der Gegend von Zatten erst nach dem Ausbruch des Feuers und bezog sich auch nur auf die Chaussee nach Hochzeit (etwa bei Wolgast). Reichsführer-SS Himmler, der zu dieser Zeit Wehrmachts-Befehlshaber in dieser Region war, wollte damit der Roten Armee den Nachschub abschneiden, was aber nicht gelang. [Der Russen-Einfall]

    5) ^  Alter Schützenplatz: An die vielen Feste, die hier bis in die 1930er-Jahre gefeiert wurden, konnte sich natürlich niemand aus eigenem Erleben erinnern. Aber es fielen vielen die Beschreibung des einstigen Treibens am Schützenplatz ein, die Ende der 1930er-Jahre zu Papier gebracht wurde. Hier am Schützenplatz Nr. 1 stand früher auch das Elternhaus von Frau Renz (Jg. 1940). Dort war Herr Gierlowski so freundlich und füllte den Beutel für Frau Renz mit Heimaterde zum Mitnehmen.

          Wbg-Symposium -- Beim OfLag-Museum
    ^   Ein Wachturm des früheren Woldenberger Offizierslagers (OfLag-IIC) beim heutigen Museum. (Foto: 22.6.2013 – g.kollmorgen-2295)
    6) ^  OfLag-Museum: Im „Museum zum Kriegsgefangenenlager OfLag-IIC Woldenberg“ wurden Woldenbergs Kinder schon erwartet. Das Museum hatte einen Saal umgerüstet und mit Tisch und Stühlen ausgestattet. Sofort ergaben sich Diskussionen in der großen Runde. Herr Brauer erzählte von seiner Begegnung als Kind mit einem polnischen Offizier. Die Direktorin Irena Zmaczynska führte dann durch das Museum. Herr Brauer bemängelte die noch immer fehlenden deutschen Texte neben den Ausstellungs- Gegenständen. Allerdings gibt es inzwischen einen Ordner mit deutschen Übersetzungen, was aber ziemlich unpraktisch sei. Der Bürgermeister kam im Freizeitlook hinzu, da er quasi schräg gegenüber wohnt, um die Gäste noch einmal zu begrüßen. Die Zeit für die Besichtigung war knapp, und es mußte leider abgekürzt werden. So blieben viele Fragen zum Leben im Lager offen, aber auf den 4 OfLag-Seiten dieses Portals gibt es sicher noch die eine oder andere Antwort darauf.

    7) ^  Zu den 3 Vorträgen: Die Vorträge waren sehr unterschiedlich vom Inhalt her: Persönliches Erleben und auf die ersten Monate des Jahres 1945 bezogen (Brauer: „Zu den Ereignissen vom Januar 1945“), soziologische Recherche über die kriegsbedingte Grenzverschiebung und der darauf folgende Bevölkerungsaustausch (Messerschmidt: „Woldenberg 1945 und die ersten Jahre danach“) und der Dritte beleuchtete die psycho-sozialen Aspekte der Traumata und Entwurzelung von Flüchtlingen und Vertriebenen (Hirsch: „Über die Entwurzelung und deren psychischen Folgen“). Der letzte Vortrag war am deutlichsten auf die Sphäre der Kinderschicksale zugeschnitten und erreichte deshalb Woldenbergs Kinder am stärksten. Die Vorträge sollen in einem im Frühjahr 2014 erscheinenden Buch dokumentiert werden.

          Wbg-Symposium -- Abschlußworte am Fließ
    ^   Abschlußworte am Mehrenthiner Fließ. (Foto: 23.6.2013 – g.kollmorgen-2315)
    8) ^  Herr Norbert Gierlowski ist 1943 in Schneidemühl geboren. Bis zu seiner Pensionierung war er Mitarbeiter der Dobiegniewer Stadtverwaltung. Er ist heute in Dobiegniew der beste Kenner des alten Woldenbergs. Im MAZ-Artikel wird er als „Ortschronist“ bezeichnet. Gierlowski arbeitet an der Veröffentlichung einer Chronik der Stadt Dobiegniew.

    9) ^  Vorbereitung der Flaschenpost: Am Sonntag (23. Juni) gab es zunächst Aufregung, denn die aus Berlin mitgebrachte Flasche war nicht auffindbar. Das Hotel sorgte schnell für einen Ersatz. Aber da paßte die von der Bürgermeisterei auf dünnem Karton produzierte urkundenmassige Friedenbotschaft eingerollt nicht rein. Deshalb verblieb dieses Exemplar — von allen unterschrieben — in Dobiegniew. In die Flasche kam dann eingerollt in einem Reagenzglas die auf A5-Papier doppelseitig gedruckte Botschaft in Deutsch und Polnisch.

          Wbg-Symposium -- Alte Weide am See
    ^   Diese alte Weide an der Bucht des Großen Sees, die zum Fließ führt, muß schon sehr viel älter als 80 sein. (Foto: 22.6.2013 – g.kollmorgen-2287)
    Zunächst gab es den Plan, in die Flaschenpost noch einen GPS-Chip zu geben. Damit hätte sich via Satellit der jeweilige Standort der Post verfolgen lassen. Da das aber kaum per Do-it-yourself zu bewerkstelligen ist, wäre Hilfe anderer notwendig geworden. Und das kostet natürlich. Wir werden sicher auch so erfahren, wo die Post letztendlich angekommen ist und ob sie Beachtung findet.

    10) ^  Alte Bäckerei: Noch konnte es nicht so ganz genau geklärt werden. Aber die alte Woldenberger Bäckerei, die sich einst in der unteren Schulstraße in der Nähe des Marktplatzes befand, wurde auch 1945 zerstört und später abgerissen. An dieser Stelle wurde dann nach 1945 eine neue Bäckerei gebaut, die auf den Fotos aus den 1950er-Jahren abgebildet ist (hoher Schornstein!). Vor einigen Jahren schloß diese alte polnische Bäckerei. Der Sohn von Heinz Zabel (Besitzer des Hotels Wodnik in Dlugie/Dolgen) übernahm das Haus und baute es zum Restaurant „Stara Piekarnia“ im Zentrum Dobiegniews um. Übrigens, in Dobiegniew gibt es 2013 nur noch eine Bäckerei/Konditorei, denn auch in Polen machen die Discounter-Ketten den Handwerksbetrieben den Garaus.

    11) ^  Alte Bäume: Woldenbergs Kinder staunten bei den beiden Stadtrundgängen über die vielen alten Bäume, die sie noch aus ihrer Kindheit her kannten. Besonders fielen die beiden Bäume auf, die einst vor dem Woldenberger Rathaus am Marktplatz standen und heute an gleicher Stelle dem Denkmal für die Gefangenen im Woldenberger Lager Schatten spenden. Aber auch im Bahnhofsviertel und am Kastanienplatz stehen noch viele in Woldenberg gepflanzte Bäume.

    12) ^  Sprachbarriere: Es soll nicht verschwiegen werden, daß die Organisation eines Treffens der Kriegskinder in Polen auch an der Sprachbarriere scheitern kann. Denn um das wirklich sorgfältig zu planen und abzusprechen, muß unbedingt jemand dabei sein, der sich gut im Polnischen und Deutschen ausdrücken kann. Das große Glück beim Woldenberg-Symposium war, daß es einen Herrn Stach gab, der als gebürtiger Pole, der seit Jahrzehnten in Berlin lebt, zu einem die Idee hatte und dann noch beide Sprachen perfekt beherrscht.

    13) ^  Alte Steine: Vielerorts stießen Woldenbergs Kinder in Dobiegniew auf alte Steine. Und das war nicht nur der Findling aus dem Gehege, der wohl 1813 gefunden wurde.

    Wbg-Symposium -- Steine der Kirche      
    ^   Diese alten Backsteine der Kirche wurden sicher schon so um 1450 gebrannt. Unten auf einem Stein eines dieser „Näpfchen“. *   (Foto: 21.6.2013 – m.n-stach-013)
    Wbg-Symposium -- Ziebarths Steine?
    ^   Das könnten Reste des Fundaments auf dem Ziebarthschen Anwesens an der Moltkestraße sein. Gefunden um 10.29 Uhr. *   (Foto: 23.6.2013 – g.stach-016)

    14) ^  Zur Begegnung mit polnischen Kriegskindern: Zwar kam es im Plenum der Veranstaltung zu keinem richtigen Austausch zwischen den Kriegskindern aus Polen und Deutschland, aber in kleineren Gesprächskreisen beim Abschluß-Büffet kam man sich schon etwas näher, zumal einige recht gut Deutsch konnten. Mehr konnte bei einer solchen Erstbegegnung auch nicht erwartet werden. Zu wünschen wäre, daß diesem Anfang weitere Begegnungen folgen können. [mehr]

    15) ^  22. Juni: Vor 72 Jahren war am 22. Juni 1941 im Radio diese Sondermeldung zu hören. Hitler hatte sein „Unternehmen Barbarossa“ gestartet, also Rußland (UdSSR) überfallen. Dieser Rußland-Feldzug, der Millionen Menschen das Leben kosten sollte, hatte begonnen. Das Datum ist aber auch noch deshalb geschichtsträchtig, da am 22. Juni 1944 die Rote Armee mit ihrer Großoffensive begann, die dann 1945 u. a. zum Verlust von Pommern und der Neumark und am 8. Mai 1945 zum Sieg über Nazi-Deutschland führte.

    16) ^  Am Hohen Tor: Hier protokollierte Profi-Fotograf Gerd Kollmorgen (Jg. 1929) in einer kleinen Foto-Serie den städtebaulichen Stand. In dieser Gegend, die zu Woldenberger Zeiten so geschäftig war, zeigt sich besonders, daß Dobiegniew noch immer nicht zu einer stadtgemäßen Urbanität gefunden hat.

    17) ^  Büffet-Gespräche: Leider war beim Abschluß-Büffet die Sitzordnung nicht optimal. Denn eigentlich war vorgesehen, daß sich die polnischen Gäste und Deutsche gemischt zusammensetzen sollten. Und um sich besser austauschen zu können, sollte überall jemand dabei sein, der dolmetschen konnte. Bei einer Neuauflage eines solchen Treffens würde man das besser machen. Immerhin konnte eine Erkenntnis mitgenommen werden: Der Verlust der Heimat im Osten konnte nie mit dem Gewinn im Westen kompensiert werden. Ein Wechsel der Bevölkerung sei immer mit einem Verlust verbunden.

    18) ^  Ins Museum: Nach dem Symposium übergab die Stadtverwaltung die Replik des Woldenberger Bernsteinpferdchens, den Originalbrief aus der Flaschenpost und seine Abschrift dem Museum (OfLag-IIC). Dort sollen sie in einer eigens dafür geschaffenen Vitrine samt entsprechenden Erklärungen ausgestellt werden. Auf der Homepage der Dobiegniewer Stadterwaltung erschien nach dem Symposium ein Bericht über das Treffen.

    19) ^  Kein Wassersport auf dem Großen See: Dazu teilte Ortschronist Gierlowski im Herbst 2013 mit: „Die in Dobiegniew nach 1945 angesiedelte Bevölkerung kam aus Gebieten ohne Seen und hatte deshalb keine Tradition in der Segelkunst. Aber auf dem Hermsdorfer See gibt es einen Segelhafen und derartiger Sport wird dort praktiziert.“ Natürlich ist der Hermsdorfer See heute per Auto leichter erreichbar. Außerdem ist er viel größer als der Woldenberger See, so daß das Segeln dort viel mehr Spaß macht.

    20) ^  Warum kein Gartenlokal in Dobiegniew: Ortschronist Gierlowski teilte dazu im Herbst 2013 mit: „Polen trinken weniger Bier als Deutsche, und es gibt keine vergleichbare Bierkonsumtradition. Die Versuche zur Schaffung von Biergärten sind bislang gescheitert.“ Nun war gar nicht nach „Biergärten“ gefragt worden, sondern nach „Gartenlokalen“ (wo man im Freien essen kann), wovon es in Woldenberg zuletzt immerhin noch 3 Stück gab: Ziebarth beim Friedhof (sogar mit Tanz im Freien unter den Kastanien), das Waldschlößchen beim Gehege und Schleusner am Niedertor. Vermutlich ist heute die Sozialstruktur von Dobiegniew (Familien-Einkommen) nicht so beschaffen, daß sich der Betrieb eines Gartenlokals lohnt. Ein Mehr an Touristen könnte das ändern.



    Wbg-Symposium -- Der Woldenberger See 2013
    ^   Blick im Jahr 2013 über Woldenbergs Großen See, den die Polen heute Jezioro Wielgie nennen. Am anderen Ufer (etwas links von der Mitte) die Landzunge, die die Woldenberger „Kienortspitze“ nannten. Wie tief ist eigentlich dieser See, in dem es auch Untiefen wie den „Zanderberg“ gibt?   (Foto: 22.6.2013 – g.kollmorgen-2283)


      Hinweis zu weiteren Informationen:
    Im 3. Teil sind die Artikel aus der MAZ
    als Webseite dokumentiert. Außerdem gibt es dort
    eine Foto-Galerie mit weiteren ausgewählten
    Fotos vom Symposium 2013.
     


    Das Woldenberg-Symposium 2013:
    [Das Programm]  [Das Grußwort]  [Das Plakat]
    [1: Aufruf + Vorbereitung]  [2: Bericht mit Fotos]  [3: Andere Berichte]
    [Begrüßungsrede]  [Friedensbotschaft von Dobiegniew]
    [Abschlußworte]  [MAZ-Bericht]  [Ein Fazit]
    [Alt-Priesters Worte]  [Ein Rückblick]
    Andere Woldenberg-Themen:
    [Bahnhof]  [Bahnhofsviertel]  [Bernsteinpferd]  [Bier]  [Denkmal]
    [Division]  [Fließ]  [Friedeberger Straße]  [Friedhof]  [Gehege]  [Kirche]
    [Krankenhaus]  [Krügergrund]  [Lager]  [Marktplatz]  [Rathaus]
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    [Stadtmauer]  [Storchnest]
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